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Fraas, Prof. Dr. C. Hell, Prof. Dr. 0. Kirchner, Prof. Dr. K. Lampert, Prof. Dr. Aug. Schmidt. FUNFUNDFUNFZIGSTER JAHRGANG. Mit ^8 Tafeln. ' Stuttgart. Druck der Hofbuchdruckerei Zu Gutenberg (Carl Grüninger). 1899. AUG 19 180Ö Inhalt. I. Geschäftliche Angelegenheiten des Vereins. Bericht über die 53. Generalversammlung am 29. Juni 1898 in Heilbronn. S. I. Rechenschaftsbericht für das Vereinsjahr 1897/98. S. II. Wahl des Vorstandes und des Ausschusses. S. V. Verzeichnis der Vorträge bei der Generalversammlung. S. VI. Verzeichnis der Zugänge zu den Vereinssammlungen während des Jahres 1898. A. Zoologische Sammlung. S. VIII. B. Botanische Sammlung. S X. C. Mineralogisch-palaeontologische Sammlung. S. XI. I). Vereinsbibliothek. S. XIII. Rechnungsabschluss für das Vereinsjahr 1. Juli 1897/98. S. XXIIl. Gesuch des Vereins (an den Deutschen Reichstag) um Abänderung des Reichs- gesetzes über Vogelschutz vom 22. März 1888. S. XXVII. Wahl einer Kommission für eine planmässige pflanzengeographische Durch- forschung Württembergs. S. XXVIII. G r a d m a n n : Vorschläge zu einer planmässigen pflanzengeographischen Durch- forschung Württembergs. S. XXIX. II. Sitzungsberichte. 1. Generalversammlung in Heilbronn. Kirchner: Aus der Lebensgeschichte der einfachsten Pflanzen. S. XLIX. Lampert: Vorkommen von Dreissensia polymorpha im Hafen von Heilbronn. S. LH. 2. Wissenschaftliche Abende des Vereins in Stuttgart. Sitzung am 13. Oktober 1898. Henning: Die Rinderpest in Südafrika. S. LII. Klunzinger: Naturgeschichtliches aus Venedig. S. LIV. Ausserordentliche Versammlung am 10. November 1898. Lehmann, 0.: Krystallstruktur und flüssige Krystalle. S. LVIII. Sitzung am 17. November 1898. Gmelin, Die Anpassung des Neugeborenen. S. LXI. W Inhalt. Sitzung am 8. Dezember 1898. V. B r a n c , W. : Ist das neu zu erschliessende Salzbergwerk Kochendorf durch Wasser bedroht? (Titel.) S. LXIII. Sitzung am 12. Januar 1899. Miller: Die Lagerungsverhältnisse unseres Steinsalzes. S. LXIII. V. Branco, Endriss, Fraas: Bemerkungen zu dem Miller'schen Vor- trag „Die Lagerungsverhältnisse unseres Steinsalzes". S. LXIV — LXV. Sitzung am 9. Februar 1899. Buchner: Ästhetische Naturbetrachtung der Vogelwelt. S. LX\'I. Klunzinger: Über die Bestrebungen des Bundes für Vogelschutz. S. LXVI. Fraas: Land- und Wassersaurier. S. LXVI. Ausserordentliche Versammlung am 15. Februar 1899. Koch: Die Verflüssigung der Luft. S. LXVII. Sitzung am 9. März 1899. Scheurlen: Das biologische Abwasserreinigungsverfahren. S. LXIX. C r a n z , C. : Beobachtungen über die Feuchtigkeit von Schulzimmerluft bei Heissluftheizung. S. LXXI. Kaufmann: Über eine Wirkung der Tesla-Ströme auf Crook'sche Röhren. S. LXXI. Sitzung am 13. April 1899. Dieudonne: Die Pest in Bombay im Jahre 1897. S. LXXI. 3. Ober seh wäbi scher Zweig verein für vaterländische Naturkunde. Versammlung zu Ulm am 12. April 1898. Kirchner: Die Bodenseeflora. S. LXXIII. Engel: Merkwürdige Erosionserscheinungen im Fichtelgebirge. (Titel.) S. LXXIV. F i n c k h : Die Entstehung von Mineralien aus natürlichen Schmelzflüssen. S. LXXIV. Ausflug ins Algäu am 23. Juli 1898. S. LXXV. Versammlung zu Aulendorf am 11. Dezember 1898. • Haag: Die Pest. S. LXXVIL Krauss: Die Theorien über die Ursachen der Eiszeiten. S. LXXIX. Probst: Bemerkungen zu dem vorstehenden Vortrag. S. LXXXI. Versammlung zu Aulendorf am 2. Februar 1899. Probst: Die kartographische Darstellung der Quartärformation in Ober- schwaben. S. LXXXII. Fraas: Bemerkungen zu dem vorstehenden Vortrag. S. LXXXIV. Dittus: Demonstration eines gelben Maulwurfs (Talpa europaea). S. LXXXIV. Krauser: Demonstration einer bei Steckborn gefundenen Schildkröte (Emys europaea). S. LXXXIV. 4. Schwarz w älder Zvveigverein für vaterländische Naturkunde. Versammlung zu Tübingen am 21. Dezember 1898. Klunzinger: Nachruf für Theodor Eimer. (Titel.) S. LXXXV. Koken: Über neue in Nusplingen gefundene Versteinerungen. S. LXXXV. Grützner: Über die menschliche Stimme. S. LXXXV. Inhalt. V III. Original-Abhandlungen und Mitteilungen. Kl unzin g er, C. B. : Theodor Eimer. (Mit Bild.) S. 1—22. Zeller, Ernst: Zur Neotenie der Tritonen. S. 23—30. V. Linden, Gräfin M. : Beobachtungen über die Ontogenie unserer einheimischen Tritonen. S. 31—35. F r a a s , E, : Die Bildung der germanischen Trias , eine petrogenetische Studie. S. 36—100. Engel: über den Erhaltungszustand der Ammoniten im schwäbischen Jura. S. 101—132. B r a n c , W. : Das Salzlager bei Kochendorf am Kocher und die Frage seiner Bedrohung durch Wasser. (Mit 9 Textfiguren.) S. 133—231. Buchner, Otto: Helix pomatia L. (Mit Tafeln I— IV.) S. 232—279. Hü eher, Th. : Synopsis der deutschen Blindwanzen (Hemiptera heteroptera, Fam. Capsidae.) IV. Teil. S. 280—365. Probst, J. : Bemerkungen zu Eugen Dubois: Die Klimate der geologischen Vergangenheit. S. 366 — 386. Hermann, Friedrich: Ceratites nodosus im Encrinitenkalk. S. 385 — 389. I) i e 1 1 e n : Julus cfr. antiquus und sonstige Funde aus dem Böttinger Sprudel- kalk. (Mit 1 Textfigur.) S. 390—397. Fr aas, Eberhard: Neues Vorkommnis von Basalttuff im Gewand Mollenhof südöstlich von Weilheim a. d. Limburg. (Mit 2 Textfiguren.) S. 398—400. Fr aas, E. : Proganochelys Quenstedtii Baür (Psammochelys Keuperina Qu.). (Mit Taf. V— VIII u. 5 Textfiguren.) S. 401—424. Hoffmann, Jul. : Kaninchenplage in den Stuttgarter Weinbergen. S. 425 — 431. Ts ehern ing, F. A. : Über Fischwasser im Schönbuch in älterer Zeit. S. 432 —437. ■Schmidt, A. : Bericht der Erdbebenkommission über die vom 1. März 1898 bis 1. März 1899 in Württemberg und Hohenzollern beobachteten Erdbeben. S. 438—446. Miller, K. : Erwiderung auf die v. Branco'schen Angriffe. S. 447 — 451. L u e g e r : Bemerkungen zu der Arbeit des Herrn v. Branco, betr. das Steinsalz- lager bei Kochendorf. S. 452 — 455. Endriss, Karl: Erwiderung auf die Ausführungen des Herrn Prof. Dr. v. Branco, betr. die baulichen Verhältnisse des Steinsalzgebirges im Mittleren Muschel- kalk Württembergs, sowie die Wasserverhältnisse und den Gebirgsbau bei Kochendorf. S. 456—469. Fr aas, F.: Erklärung gegen die vorstehende „Erwiderung'' des Herrn Endriss. S. 470. Branco, W. : Erklärung gegen die vorstehenden Bemerkungen und Erwiderungen, betr. die Kochendorfer Frage. S. 471. Geschäftliche Angelegenheiten des Vereins. Bericht über die dreinndfünfzigste (reneralversammlung am 29. Juni 1898 in Heilbronn. Mit Rücksicht auf die am Johannisfeiertag, dem altgewohnten Jahrestag des Vereins, im Lande stattfindenden Stichwahlen zum Deutschen Reichstag war die Generalversammlung für dieses Jahr auf den 29. Juni nach Heilbronn ausgeschrieben worden, wo sich im Laufe des Vormittags im reichgeschmückten Festsaal der Kgl. Realanstalt zahlreiche Mitglieder aus nah und fern einfanden. Im anstossenden Zeichensaal hatten die Heilbronner Mitglieder eine Ausstellung verschiedener z. T. aus der Umgebung des Versamm- lungsortes, z. T. aus fernen Gegenden stammenden Sammlungen veranstaltet, die den Besuchern Gelegenheit bot, sich in die natur- wissenschaftlichen Bestrebungen der Heilbronner Vereinsmitglieder einen Einblick zu verschaffen. Kommerzienrat Lichtenberger hatte eine Gesteinsreihe aus- gestellt, welche die Schichtenfolge des Salzwerks zeigte, und einen mächtigen Block Salz. Weiterhin waren Geologie und Mineralogie vertreten durch Gesteinsproben und einen prächtigen Bergkrystall von der Gotthard-Bahn, ausgestellt von Oberingenieur Rieh. Bechtle; durch Versteinerungen aus der Umgegend Heilbronns, ausgestellt von Lehrer Freudenberger; durch verschiedene im Besitz der Realanstalt befindliche Mineralien, so z. B. einen hübschen Cölestin (Geschenk des Hrn. Fabrikanten Münzing) und einen stattlichen Flussspat (Geschenk des Hrn. Landwirtschaftsinspektors Wunder- lich); auch der historische Verein hatte eine mineralogische Sammlung ausgestellt, desgleichen Prof. Münzenmaier, während Sahnen- verwalter Schütz von Hall prächtige Fossilien aufgelegt hatte. Die Zoologie war vertreten durch eine schöne Sammlung heimischer Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1899. a ~ II — Käfer und anderer Insekten des Hrn. Oberreallehrer Böhringer. Drei grosse Tische waren eingenommen durch eine bemerkenswerte Sammlung ethnographischer Gegenstände von Westafrika, besonders aus dem Hinterland von Lagos, welche Hr. Lang von Heilbronn selbst von dort mitgebracht hatte. Die Sammlung enthielt Kleider, Gebrauchsgegenstände , Waffen , Musikinstrumente , Schnitzereien u. dergl., darunter Sachen von hervorragender Schönheit und grossem wissenschaftlichen Interesse. Zur Prähistorie führte eine Reihe schöner und sorgfältig behandelter Fundstücke aus germanischen Grabhügeln, welche im Interesse privater Untersuchungen über die Abstammung der Bewohner des OA. Heilbronn von Dr. Schliz und Ingenieur B o n n e t ausgegraben wurden und teils aus einem Grabhügel im Hofelder Wald, teils aus Hügeln am Schweinsberg stammen. Dr. Odo Betz hatte instruktive Gipsmodelle der mensch- lichen Nasenhöhle ausgestellt. Um die Aufstellung der Sammlung hatte sich besonders Prof. W e n g verdient gemacht. Bald nach 10 Uhr eröffnete der Vorsitzende, Prof. Dr. Kirchner, die Generalversammlung, indem er zunächst mit warmen Worten der Toten des vergangenen Vereinsjahres gedachte, insbesondere der um das wissenschaftliche Leben des Vereins sowohl wie um dessen geschäftliche Leitung hochverdienten Männer: Direktor Dr. Oskar von Praas, Buchhändler Eduard Koch und Prof. Dr. Theodor Eimer. Im Namen der Stadt Heilbronn und der dort ansässigen Vereinsmitglieder begrüsste sodann Oberbürgermeister Hegelmaier die Versammlung und gab seiner Freude darüber Ausdruck, den Verein nach einer längeren Reihe von Jahren wieder einmal in der alten Neckarstadt willkommen heissen zu dürfen. Sodann verlas Prof. Dr. Lampe rt den folgenden Rechenschaftsbericht für das Vereinsjahr 1897/98. „Über das abgelaufene Vereinsjahr 1897/98 habe ich die Ehre, Ihnen folgendes vorzutragen : Im Laufe des Jahres äusserte sich die Thätigkeit des Vereins in gewohnter Weise in den Versammlungen der Mitglieder in Stutt- gart, den sogen, wissenschaftlichen Abenden, wie auch in den Sitzungen der beiden Zweigvereine in Aulendorf und in Tübingen. In Stuttgart fanden 9 Versammlungen statt, bei welchen 16 Redner zum Wort kamen, abgesehen von der Beteiligung an der Diskussion. Die wissenschaftlichen Abende fanden ihren schönen Abschluss in — III — Hohenheim, wo die dort ansässigen Vereinsmitglieder in gewohnter liebenswürdiger und gastfreundlicher Weise die Gäste willkommen hiessen. Der oberschwäbische Zweigverein hielt 2 Sitzungen ab in Aulendorf, bei welchen im ganzen 5 Vorträge und Demonstrationen stattfanden. Bedeutsame Veränderungen vollzogen sich im Laufe des vergangenen Vereinsjahres in der Vorstandschaft dieses Zweig- vereines. Nach 25jähriger Thätrgkeit als Vorstand des Vereines sah sich leider Dr. Richard Freiherr von König- Warthausen aus Gesundheitsrücksichten veranlasst, von dieser Stelle zurück- zutreten, an welcher er dank seiner unermüdlichen Thätigkeit den Zweigverein zu so hoher Blüte geführt und ihn zu einem Mittel- und Sammelpunkt des naturwissenschaftlichen Lebens in Ober- schwaben gemacht hatte. Fast zu gleicher Zeit verlor der Zweig- verein seinen langjährigen Schriftführer, indem Herr Hofrat Dr. Finckh nach Stuttgart übersiedelte. Der Zweigverein beschloss in seiner Sitzung vom 2. Februar 1898 den grossen Dank, den der ober- schwäbische Zweigverein den beiden Herren schuldet, auch in eine äussere Form zu kleiden, indem er Herrn Dr. Freiherr v. König- Warthausen zum Ehrenvorstand des Zweigvereins, Herrn Hofrat Dr. Finckh zu [seinem korrespondierenden Mitglied ernannte. Auch der Hauptverein gab der Anerkennung der hohen Verdienste , die Herr Freiherr v. König sich um unseren Verein erworben hat, freudigen und einstimmigen Ausdruck, indem er ihn bei dieser Gelegenheit zu seinem Ehrenmitglied ernannte. Die aus Grund dieser Personal- veränderung nötigen Neuwahlen ergaben die Wahl der Herren Direktor Dr. Kreuser in Schussenried zum Vorsitzenden des Zweig- vereins, Professor Dr. Pilgrim in Ravensburg zum Schriftführer \ Oberamtsarzt Dr. Palmer von Biberach und Fabrikant Kr aus s in Ravensburg zu Mitgliedern des Ausschusses. Dem Ausschuss ge- hören ferner an als frühere Mitglieder: Herr päpstl. Kämmerer Pfarrer Dr. Probst von ünteressendorf und Herr Hofrat Dr. Leube von Ulm, Auch der Schwarzwald-Zweigverein verlor in dem vergangenen Vereinsjahr seinen hochverdienten und langjährigen Vorsitzenden ; Professor Dr. Eimer wurde ihm und der Wissenschaft durch einen ' An Stelle des nach Cannstatt versetzten Herrn Pilgrim wurde in- zwischen Herr Regierungs- und fürstlicher Baumeister D i 1 1 u s in Kisslegg zum Schriftfühi-er ernannt und ausserdem Herr Stadtschultheiss Müller in Biberach in den Ausschuss gewählt (vergl. S. LXXVII). — IV — frühzeitigen Tod entrissen. Am Sarge des Verstorbenen wurde auch im Namen des Zweigvereins dem Schmerz über den Verhist Aus- druck verheben, den der Verein durch den Hingang des berühmten Gelehrten und eifrigen Mitghedes des Vereines erhtten bat. Die Neuwahl des Vorsitzenden des Zweigvereins wird erst bei der nächsten Zusammenkunft stattfinden. In der am letzten Thomastag abgehaltenen Sitzung des Schwarzwälder Zweigvereins sprachen im ganzen 4 Redner. Einschneidende Veränderungen sind im letzten Jahre auch an der geschäftsführenden Stelle des Hauptvereins eingetreten. Ein jäher Tod raffte Buchhändler Eduard Koch hinweg. Seit dem Jahre 1891 ein eifriges und thätiges Mitglied des Ausschusses führte er seit 5 Jahren die Geschäfte des Kassiers; seit d. J. 1870 er- schienen die „Jahreshefte" in seinem Verlag, und der Verein ist dem Verstorbenen für die Sorgfalt, die er auf die Herstellung der Vereinsschrift verwendete, zu bleibendem Dank verpflichtet. Es war keine leichte Aufgabe, nach beiden Seiten hin Ersatz zu schaffen. Die Geschäfte des Kassiers übernahm Herr Dr. Carl Beck, der bisher schon die Revision der jährlichen Abrechnung durchgeführt hatte. In bekannter pünktlicher und sorgfältiger Weise unterzog sich Dr. Beck dem zeitraubenden und verwickelten Ge- schäfte der Rechnungs-Aufstellung und hat sich durch seine mühe- volle Thätigkeit den Verein zu grösstem Danke verpflichtet. Der Druck der Jahreshefte hatte beim Tode Koch's bereits begonnen und wurde von dem neuen Verlag des Herrn Nägele, in dessen Besitz der Schweizerbart-Koch'sche Verlag übergegangen war, zu Ende geführt. Ihr Ausschuss glaubte jedoch von einer Er- neuerung des Vertrags zur Drucklegung der Jahreshefte mit dem neuen Verleger Abstand nehmen zu müssen und beschloss in der Annahme, dass der Verein sich hierbei vielleicht finanziell günstiger stellen würde, den Verlag selbst in die Hand zu nehmen. Es soll dies wenigstens ein Versuch sein, über dessen Zweckmässigkeit die Folgezeit Aufschluss geben wird, der aber in jedem Fall dem Vereine nicht zum Nachteil gereichen wird. Mit Freuden darf ich hervorheben, dass der Verein auch in diesem Jahre wieder eine Reihe von Naturalien und Büchern zum Geschenk erhalten hat. Die Namen der Schenkgeber werden Sie unter Aufzählung der von ihnen gegebenen Objekte im nächsten Jahresheft abgedruckt finden ; ich beschränke mich hier darauf, nur die Namen der freundlichen Geber zu verlesen und allen auch von _ V — dieser Stelle aus nochmals den herzlichsten Dank des Vereins aus- zusprechen." Gegen den Rechenschaftsbericht wurde kein Widerspruch erhoben. Bei der nunn»ehr erfolgten Wahl des Vorstandes und des Ausschusses wurden beide in ihrer bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt. Für das Vereinsjahr 1898/99 fungieren demnach als erster Vorstand: Prof. Dr. 0. Kirchner-Hohenheim, zweiter Vorstand: Prof. Dr. L a m p e r t - Stuttgart, als Ausschussmitglieder (gewählt bis 24. Juni 1900): Dr. C. Beck-Stuttgart, Prof. Dr. W. v. Branco-Hohenheim, Präsident A. v. Dorr er- Stuttgart, Prof. Dr. A. S c h m i d t - Stuttgart, Prof. Dr. A. S i g e 1 - Stuttgart, als Ausschussmitglieder (gewählt bis 24. Juni 1899) : Bergratsdirektor Dr. K. v. Baur- Stuttgart, Prof. Dr. H. H e 1 1 - Stuttgart, Prof. Dr. B. Klunzinger-Stuttgart, Prof. Dr. A. L e u z e - Stuttgart, Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Schmidt- Stuttgart, Sanitätsrat Dr. W. S t e u d e 1 - Stuttgart. Als Kustoden der Sammlung fungieren und sind als solche Mitglieder des Ausschusses: an der zoologischen Sammlung : Prof. Dr. L a m p e r t , „ „ mineralogisch-palaeontologischen Sammlung: Prof. Dr. E. Fr aas, „ „ botanischen Sammlung : Kustos J. E i c h 1 e r. Vom Ausschuss wurden statutengemäss später gewählt als Sekretäre: Prof. Dr. A. Schmidt, Prof. Dr. E. Fr aas, als Bibliothekar: Kustos J. Eichler, — VI — als Kassier: Dr. C. Beck, als Rechnungsprüfer: Hofrat Ch. C 1 es sl er- Stuttgart. Die Redaktionskommission besteht aus den Herren: Prof. Dr. Eb. Fr aas, Prof. Dr. C. Hell, Prof. Dr. 0. Kirchner, Prof. Dr. K. Lampert, Prof. Dr. Aug. Schmidt. Als Ort der nächstjährigen Generalversammlung wurde auf mehrfach geäusserte Wünsche hin Heidenheim gewählt. Nach Erledigung dieser geschäftlichen Angelegenheiten hielten folgende Herren Vorträge über die nachbezeichnten Gegenstände: Prof. Dr. 0. Kirch ner-Hohenheim: „Aus der Lebens- geschichte der einfachsten Pflanzen." (Den Bericht über diesen Vortrag s. Abt. II dieses Jahresh. S. XLIX.) Medizinalrat Dr. E. Zeller-Winnenthal: „Zur Neotenie der Tritonen." (Der Vortrag ist — mit einem Nachtrag versehen — abgedruckt in Abt. III dieses Jahresh. S. 23—30.) Im Auftrag von Dr. Maria Gräfin v. Linden-Tübingen verlas Dr. Vosseier eine vorläufige Mitteilung: „Beobachtungen über die Ontogenie unserer einheimischen Tritonen." (Die Mitteilung findet sich abgedruckt in Abt. III dieses Jahresh. S. 31—35.) Prof. Dr. Lampert- Stuttgart: „Über das Vorkommen von Dreissensia polymorpha im Heilbronner Hafen." (S. Abt. II S. LH.) Prof. Dr. E. Fr aas- Stuttgart: „Die Bildung der germani- schen Trias." (Der Vortrag findet sich in erAveiterter Form wiedergegeben in Abt. III dieses Jahresh. S. 36—100.) Pfarrer Dr. Engel- Eislingen: „Über den Erhaltungszustand der Ammoniten im schwäbischen Jura." (Der Vortrag findet sich abgedruckt in Abt. III dieses Jahresh. S. 101—132.) Lehrer Hermann-Kocherstetten : „Ceratites nodosus] im Encrinitenkalk." (Der Vortrag findet sich wiedergegeben in Abt. III dieses Jahresh. S. 387.) - VII - Nachdem die Tagesordnung erschöpft war, dankte der Vor- sitzende, Prof. Dr. Kirchner, allen, die sich um das Zustande- kommen und den anregenden Verlauf der Generalversammlung verdient gemacht hatten, insbesondere dem Geschäftsführer Dr. Bilfinger, der unterstützt von Fabrikant Ludv^ig Link die Vorbereitungen in liebenswürdigster Weise übernommen hatte, dem Kgl. Rektorat der Realanstalt, dem städt. Oberbürgermeister, den Rednern, sowie auch den Veranstaltern der eingangs skizzierten Ausstellung. Der langen Sitzung schloss sich ein gemeinsames Mittagessen im schönen Gebäude der Harmonie an , an welchem auch Ober- amtmann Regierungsrat Maier und Oberbürgermeister Hegelmaier teilnahmen. In trefflichen Worten brachte Prof. Dr. Kirchner das begeistert aufgenommene Hoch auf Se. Maj. den König aus, während Prof. Dr. Lampert auf die gute Stadt Heilbronn toastete, die Vater- stadt Robert Mayer's und die thätige Industriestadt, in welcher auch das Interesse an der Naturwissenschaft einen günstigen Boden findet. In freundlichen Worten der Anerkennung der Verdienste des Vereins sprach Oberbürgermeister Hegelmaier seinen Dank aus dafür, dass der Verein nach längerer Zeit wieder einmal Heilbronn zum Ort der Generalversammlung gewählt und brachte sein Glas dem ferneren Gedeihen des Vereins. Pfarrer Dr. Engel erfreute nach altem Brauch die Versammlung wiederum durch einen mit grossem Beifall auf- genommenen poetischen Willkommengruss und von der Moränen- landschaft Oberschwabens überbrachte Fabrikant Krauss von Ravens- burg poetische Grüsse an die unterländische Trias ; wie dem Jura- geologen Engel, so sei auch ihm, dem Eiszeitmann, das sonnige Unter- land zwar ferner gelegen , aber selbst im Muschelkalk der Trias glaube er Spuren seiner geliebten Eiszeit zu finden. Die liebens- würdige Gastfreundschaft der Heilbronner hatte für die Anwesenden noch ein weiteres Vergnügen bereitet. Von mehreren Herren waren Landauer und Jagdwägen zur Verfügung gestellt worden , und in stattlicher Wagenfahrt fuhren nach dem Essen die Teilnehmer an der Generalversammlung durch die sonnige Landschaft am Trappensee vorbei nach Weinsberg mit seiner Weibertreu und wieder zurück über das Jägerhaus. Ein letzter Trunk im kühlen Ratskeller be- schloss den Tag, wobei Prof. Fr aas nochmals der Freundlichkeit des Fabrikanten Ludwig Link gedachte , der in besonderer Weise sich um die Generalversammlung und den geselligen Teil derselben verdient gemacht hatte. — YIII — Verzeichnis der Zugänge zu den Vereins-Samm- lungen während des Jahres 1898. A. Zoologische Sammhing. (Konservator: Prof. Dr. K. Lampert.) Verzeichnis der Geber: Buchner, Dr., Assistent in Stuttgart. E p p 1 e , Reallehrer in Stuttgart. Fischer, Hilfspräparator in Stuttgart. G e i s s e 1 , Gärtner in Stuttgart. Hermann, Lehrer in Murr. Jäger, Gust., Prof. Dr. in Stuttgart. Jäger, Xylograph in Stuttgart. Jun ginger, Forstwart in ünterberken. Kerz, Jos., Präparator in Stuttgart. Kunz, Xylograph in Stuttgart. Lampert, Prof. Dr., Konservator in Stuttgart. Mülberger, Dr., Oberamtsarzt in Crailsheim. Oster tag, Kaufmann in Stuttgart. Raster, Lehrer in Wangen. Schied, Oberförster in Altshausen. Vosseier, Prof. Dr., Assistent in Stuttgart. Wild, Dr. in Heilbronn. I. Säugetiere. Mus rattus L. , Hausratte , Landhaus Karesberg bei Welzheim (Gustav Jäger). Der sehr interessante Fund beweist, dass die in Württemberg als längst verschwunden gegoltene Hausratte doch noch an ein- zelnen einsamen Punkten sich findet. II. VögeL Corviis corone L., Rabenkrähe, Varietät, Gründelwald, Bezirk Crailsheim (Mülberger). Botaurus steUaris Steph. S, Rohrdommel, Altshausen (Schied). Passer domesticus L. 6, Stuttgart (Kerz). III. Reptilien. Coronella laevis Lac, Schlingnatter, Ünterberken OA. Schorndorf (Jun- ginger). IV. Amphibien. Salamandra maculosa Lauk. mit auffallend starker gelber Zeichnung, Stuttgart (Vosseier). IX V. Mollusken. Eine Sammlung von 29 Species in zahlreichen Exemplaren, darunter hervorzuheben Vitrina brevis Ter. mit Eiern und Helix candicans ZiEGL. (Hermann). Anodonta cygnea L., ünio pictorum L. mit var. limosus Nils., Sphaerium ridiculum Pfeiff. und Paludina acJiatina Brug. (= Vivipara fas- ciata V. Frauenf.) , sämtlich aus dem Winterhafen in Heilbronn. Paludina achatina Brug. ist ein Eindringling aus dem Rhein und wahrscheinlich durch Schiffe eingeschleppt; wurde vor mehreren Jahren auch schon von f Graf Gg. Scheler in einigen Exemplaren an gleicher Localität gesammelt. Dreissensia pölymorplia Fall., ein Exemplar an einem im Winterhafen in Heilbronn liegenden Schiff ansitzend. Seit 1867/68 wurde Dreissensia nicht mehr bei Heilbronn gefunden, und auch dieses Mal nur ein Exemplar; eine Einbürgerung hat also bisher nicht stattgefunden (Wild und Lampert). Anodonta cellensis Schroet. von Wolfegg und Helix pomatia L. von Neu- hausen auf den Fildern in verschiedener Färbung und Form (Buchner). VI. Insekten \ Lepidoptera. Vanessa cardui L., Neckarrems (Fischer). Arctia purpurea L., Hohenneuffen (Vosseier). Cossns ligniperda L., Puppe nebst Gespinst, Stuttgart (Jäger). Laria L-nigrum Will., Puppe, Stuttgart (Jäger). Pterophora sp., Puppe, Stuttgart (Kunz). Hyponomeuia malinella Z., Gespinst, Stuttgart (Epple). Coleoptera. Tetrops praeusta L., Murr (Hermann). Pseudocistela niurina L., ,, ,, Apion radiolus Kirb., ,, ,, Meloe variegatus L., ,, Larium sturnus Schall., Niptus hololeucus Fald., JElmis Mangel Ltr., ;, Volkmaeri Pz., Procrmtes coriaceus L., Pogonochaerus bidentatus Thoms Epilachna argas Four., Badister bipustulatus F., Dianous coendescens Gyll., Triplax runica L., OrcJiesia picea L. Württemberg (Hermann). ' Zusammengestellt von Prof. Dr. Vo sseler. — X — MeJolontha vulgaris L., 16. Juli, Hohenneuffen (Vosseier), HopUa squamosa L., „ „ ,, MMzotrogiis „ ,, ,, Dipteren. Eine Anzahl Dipteren aus dem Murgthal. Von diesen ist eine in vier Exemplaren vertretene, aber noch nicht bestimmte, deshalb bemer- kenswert, weil sie offenbar die Hymenoptere Sphecodes ephippium L. nachäfft und mit dieser zusammenfliegt (Ostertag). TepJiritis arnicae L. nebst Puppen aus Arnikablüten von der Alb (Raster). Tachinen aus Sphinx Ugustri L., Stuttgart (Geissei). ,, ,, ,, euphorhiae L., ,, ,, Hymenoptera. Sphecodes ephippium L., Murgthal (Ostertag). Cocons von Ichneumoniden aus TJrapteryx sambucaria L. , Stuttgart (Geissei). Neuroptera. Siälis lutaria L. nebst Eihaufen, Esslingen (Vosseier). B. Botanische Sammlung. (Konservator: Kustos J. Ei eh 1er.) Als Geschenke: Sisymhrium Orientale L., Lauffen a. N. Lepidium perfoliatum L., „ Tunica prolifera Scopoli, „ Potentilla supina L., „ Sedum maximiim Sutton, „ Dipsacus päosus L., „ Aster parviflorus Nees, „ ;, salignus Wildenow, „ Pulicaria vulgaris Gäktnee, „ Myosotis hispida Schlechtendal, „ Linaria spuria Miller, ., Veronica agrestis (L.) Koch, „ Euphrasia lutea L., „ Mentha rotundifolia L., „ Salvia silvestris L., ., Ajuga Chamacpitys Scheebee, Nordheim a. N. AUium rotundum L., Lauffen a. N. Muscari racemosum Dec and olle, ,, Hydnum coralloides Scopoli, Reutlingen. (Reallehrer Offner.) „ erinaceus Bulliaeb, Markung Weissach. (Oberf. Holland.) Folyporus igniarius (L.), ,, ,, ,, ,, „ spumeus Soweeby, ,, .'- ,, „ ,, Apotheker Bader, Lauffen a. N. — XI Professor Rieber, Ehingen a. D. Lenzites trabea (Peesoon), Hechingen. Cetraria sepincöla Ehehakt, Wendthal. Parmelia lifhotea Achaeius, Schelklingen. „ dubia Flöeke, Trillfingen, Ehingen a. D. „ o&scMra f. scias^reZZa Nylandee, ,, Sticta pulmonaria L., Wendthal. Binodina colohina (Ach.) Th. Feies, Burg Hohen- zollern. Callopisma aurantiacum f. coronatum Keempelhubee, Schelklingen. Blastenia sinapisperma Decandolle, Wendthal. Gyälecta truncigena Achaeius, Hechingen. Urceolaria scruposa var. hryopliila Ehehaet, Wend- thal. Toninia syncomista Flöeke, Wendthal. Diplotomma alhoatrum Hoffmann f. corticolum, Ehin- gen a. D. Lecidea parasema Ach. f. areo^ato Hepp, Ehingen a.D. Coniocarpon gregarium Weigel, ,, Calicium trabinellum Schleichek, ,, Catopyrenium lecideoides MassaijOi^go, Schelklingen. „ cinereum Peesoon, Schmiechen. Microglaena muscicola Achaeius, Wendthal. Placyntliium subradiatum Nylandee, Schelk- lingen, Untermarchthal. C. Mineralogisch-palaeontologische Sammlung. (Konservator: Prof. Dr. E. Fr aas.) Infolge einer ausserordentlichen Bewilligung von selten des Hohen Finanzministeriums und dank dem Entgegenkommen der Erben des t E. Koch ist es ermöglicht worden, die grosse und reichhaltige Privatsammlung des f Herrn Buchhändler E, Koch in Stutt- gart für das Kgl. Naturalien-Kabinet zu erwerben. Die Sammlung, welche fast ausschliesslich württembergisches Jura-Material enthält, nachdem die Trias- und Tertiär-Fossilien schon früher erworben worden waren , bildet einen überaus wichtigen Zuwachs für die vaterländische Sammlung und findet ihre Aufstellung und Einreihung in dem Parterre- saale des Kgl. Naturalien-Kabinets, wo bekanntermassen auch die Ver- einssammlung eingereiht ist. Hierbei ist noch zu bemerken , dass die Originale zu Quenstedt's Ammonitenwerk im Austausch an die Tübinger Üniversitäts-Sammlung abgegeben wurden, um dort mit den übrigen Quenste dt 'sehen Originalen eine gemeinsame Aufstellung zu finden. Als Gesche'nke: a) Mineralien: Gips im Jurakalk von Allmendingen, von Herrn Hofrat Dr. G. L e u b e in Ulm ; — XII — Gipsdrusen von ausserordentlicher Schönheit und Grösse aus einer Spalte im Keupermergel, vom Stuttgarter Gipsgeschäft (Direktor Engelhardt); Anhydrit, krystallisiert, von Wilhelmsglück, von Herrn Salinen-Inspektor Holtzmann in Wilhelmsglück; Steinsalz mit verschiedenen Druckerscheinungen aus dem Salzwerk Heil- bronn, von Herrn Direktor Buschmann in Heilbronn. b) Petr efak ten: Eleplias primigenius (2 Backenzähne), Diluvium, Untertürkheim, von Herrn G. Schwarz in üntertürkheim ; G-yrölepis tenuistriafiis, Muschelkalk vom Hühnerfeld bei Hassmersheim, Enalohelia germinans, Weiss- Jura, Nattheim, Craticularia cylmdrotexta, Weiss- Jura, Kohlberg, von Herrn Stud. E. Baur in Stuttgart; Ämnionites Soiverhi/i, Braun- Jura, Gosheim, „ liaslcus, Lias, Frittlingen, von Herrn Lehrer Scheuerlen in Frittlingen; Modiöla dimidiata, unterer Keuper vom Trappensee, von Herrn Lehrer Freu den berger in Heilbronn; Teratosaurus suevicus (Zahn), Stubensandstein, Aixheim, von Herrn Dr. Eytel (Naturhistor. Verein) Spaichingeu; Elephas primigenius (Zahn), Diluvium, Cannstatt, von Herrn Dr. E. Kapff in Cannstatt; Elephas primigenius (6 Zähne), Equus fossiUs (Unterkiefer), Wiinoceros (Atlas und Wirbel), Diluvium, Cannstatt, von Herrn Verwalter Höschle in Cannstatt; Jidus äff. antiquus aus dem Böttinger Sprudelkalk (Original zur Ab- handlung in diesen Jahresh.), von Herrn Ober-Stabsarzt Dr. Dietlen in Ulm; Ammonites rofiformis, krankhaft deformiert, Lias, Vaihingen, Ophiocoma Bonnardi, Rhät, Nürtingen, Gervillia praecursor etc., Rhät, Nürtingen, von Herrn Professor Dr. E. Fr aas in Stuttgart; 3Iyophoria vidgaris, Wellengebirge, Warth bei Wildberg, von Herrn Pfarrer Krieger in Brötzingen ; Palaeomeryx furcatus, 2 Geweihe auf dem Schädel aufsitzend, „ „4 Geweihe, z. T. abnorm, „ emineus (Metatarsus), Bhinoceros hrachypus (vollständige Zahnreihe des Unterkiefers), Vogelknochen, Suiden-Knochen, Zahn von Trochotherium, Miocäner Sand, Steinheim, von Herrn A. Pharion in Steinheim i. Aalb.; Spiriferina hirsuta, grosses llandstück mit vielen Exemplaren, Muschel- kalk, Kocherstetten, von Herrn Lehrer Hermann in Kocherstetten; ■ Lias 05, Neilingen, — XIII - Terebratelnkalk , Block, erfüllt mit Terehratula insignis, Weiss-Jura, Allmendingen, von Freiherrn von Freyberg in Allmendingen; Psilonotenkalk, prächtiges Handstück, Änapti/chus psilonoti, Psiloceraten, krankhaft deformiert, Psiloceras circacostatimi, Ämmonites rotiformis, krankhaft deformiert, Lias, Vaihingen, von Herrn Lehrer Klopfer in Stuttgart; Inuus suevicus, Kieferstück mit 2 Mol. aus dem Heppenloch, von Herrn Helmuth Gussmann in Gutenberg. D. Die Vereinsbibliothek. (Bibliothekar: Kustos J. Eichler.) Zuwachs vom 1. Januar bis 31. Dezember 1898. a. Durch Geschenk und Kauf: Durch Schenkung von Büchern etc. haben sich folgende Mitglieder und Freunde des Vereins um denselben verdient gemacht: Beck, Dr. C, Stuttgart. Fr aas, Prof. Dr. E., Stuttgart. Hoffmann, Dr. J., Stuttgart. Holler, Dr. A., Memmingen. V. Hufnagel, Senatspräsident a. D., Stuttgart. Jäger, Prof. Dr. G., Stuttgart. Janet, Charles, Vice-president de laSoc.zoologique de France, Paris. Klunzinger, Prof. Dr. B., Stuttgart. L a m p e r t , Prof. Dr. K., Stuttgart. V. Martens, Direktorswitwe, Stuttgart. Münzing, Albert, Fabrikant, Heilbronn. Nötling, Dr. F., Palaeontologist, Geological Survey, Calcutta. Rudolph, Dr. E., Oberlehrer, Strassburg i. E. Schips, K., Pfarrverweser. Schübe, Th., Breslau. Spindler, Dr., Hofrat, Stuttgart. Winter 'sehe Verlagsbuchhandlung, Leipzig-Heidelberg. Wurm, Dr. W., Hofrat, Teinach. I. Zeitschriften, Gesellschaftsschriften etc. ,,Aus der Heimat." Organ des Deutschen Lehrervereins für Natur- kunde. Herausgegeben von Dr. K. G. Lutz. 11. Jahrg. 1898. (Lutz.) Monatsblätter, herausgegeben von Prof. Dr. Gust. Jäger. Jahrg. 16 u. 17 z. T. (Jäger.) Oberrheinischer geologischer Verein. Bericht über die 31. Versammlung zu Tuttlingen 1898. (0. g. Verein.) — XIV — Palaeontologia Indica (Memoirs of the geological survey of India) : Cretaceous fauna of southern India. Vol. I— IV. The fossil flora of the Gondwana System. Vol. I, 1—4; II, 1—2; III, 1_3; IV, 1—2. Jurassic fauna of Kach. Vol. I n. IL Indian pre-teitiaiy vertebrata. Vol. I, 5. Indian tertiary and post-tertiary vertebrata. Vol. I— IV. Salt-range fossils. Vol. I; II, 1—2; IV, 1—2. Tertiary and upper cretaceous fauna of western India. Vol. I, 1 — 4. Himalayan fossils. Vol. I. 4; II, 1—2. Balucliistan and N. W. frontier of India. Vol. I, 1. (Nötling.) Societas entomologica. Jahrg. XII. Der Zoologische Garten. Jahrg. 39. Eine Anzahl älterer Jahrgänge dieser Jahreshefte, (v. Hufnagel, v. Mar- tens, Münzing, Spindler.) IL Schriften allgemein naturwissenschaftlichen Inhalts. Klunzinger, C. B. , Die Lehre von den Schwebewesen des Süssen Wassers. 1897. 8^ (Klunzinger.) III. Zoologie (excl. Entomologie). Bronn, Dr. H. G., Klassen und Ordnungen des Thierreiches. Fortgesetzt von Dr. W. Leche. Bd. VI Abt. 5 Lief. 47 — 50. (Winter.) Lampert, Prof. Dr. K., Das Leben der Binnengewässer. Leipzig 1897 ff. Lief. 3 — 9. (Larapert.) V. Linden, Dr. M., Untersuchungen über die Entwicklung der Zeichnung des Schmetterlingsflügels in der Puppe. Leipzig 1898. 8°. (Fraas.) Wurm, W., Jagdtiere Mitteleuropas. Illustriert nach Momentaufnahmen. Leipzig 1897. 8°. (Wurm.) III a. Entomologie. Berge's, Fr., Schmetterlingsbuch, bearbeitet von H. v. Heinemann; durchgesehen und ergänzt von Dr. W. Steudel und Dr. Jul. Hoff- mann. 8. Aufl. Lief. 1 — 5. (Hoffmann.) Fröhlich, Dr. C, Beiträge zur Fauna von Aschaffenburg und Umgegend: Die Käfer. Jena 1897. 8^ Janet, Charles, Sur les limites morphologiques des anneaux du tegu- ment et sur la Situation des membranes articulaires chez les Hymenopteres ä l'etat d'imago. (Extrait des Cptes. rend. hebd. d. Seances de l'Ac. d. Sc. Paris, 31. Jan. 1898.) 4". (Janet.) — Sur une cavite du tegument servant, chez les Myrmicinae, ä etaler, au contact de l'air, un produit de secretion. (Ebendaher. 18. April 1898.) 4°. (Janet.) — Rapports des animaux myrraecophiles avec les fourmis. Limoges 1897. 8°. (Janet.) — Appareils pour l'observation des fourmis et des animaux myrmeco- philes. (Extr. des Mem. d. 1. soc. zool. de France annee 1897. j Paris 1897. 8°. (Janet.) — XV — Jan et, Charles, Limites morphologiques des anneaux post-cephaliques et musculature des anneaux post-thoraciques chez la Myrmica rubra. Lille 1897. 8°. (Janet.) IV. Botanik. Holle, Dr. A. , Die Moosflora von Memmingen und dem benachbarten Oberschwaben. Augsburg 1898. 8°. (Holle.) Obermeyer, W. , Pilzbüchlein: unsere wichtigsten essbaren Pilze. Stuttgart 1898. (Lutz.) Schübe, Theodor, Die Verbreitung der Gefässpflanzen in Schlesien nach dem gegenwärtigen Stande unserer Kenntnisse. Breslau 1898. 8°. (Schübe.) V. Mineralogie, Geologie, Palaeontologie. Schlumberger, C, Revision des Biloculines des Grands fonds. Paris 1891. 8*^. (Beck.) VI. Chemie, Physik, Mathematik, Astronomie, Meteorologie. Rudolph, Dr. E., Fortschritte der Geophysik der Erdrinde. (Sep.-Abdr. aus Geogr. Jahrb. Bd. XX.) (Rudolph.) S Chips, K., Eine mikrobarische Studie für das Krankenzimmer. 1898. (Schips.) b. Durch Austausch unserer Jahreshefte^: American association for the advancement of science: Pro- ceedings of the 46 meeting held at Detroit, Mich. 1897. American geographical society: Bulletins Vol. XXX, 1898. Amiens. Societe Linneenne du nord de la France: Bull. Nos. 271 — 292. Amsterdam. K. Akademie van wetenschappen: Jaarboek voor 1897. — Verhandelingen (Natuurkunde) 1. sectie : deel VI. No. 1 — 5; 2. sectie: deel VI. No. 1 — 2. — Verslagen der Zittingen (Natuur- kunde) deel VL 1897/98. Augsburg. Naturwiss. Verein für Schwaben und Neuburg. Badischer botanischer Verein (Freiburg): Mitteilungen No. 142 — 147. Baltimore. Johns Hopkins University. Bamberg. Naturforschender Verein. Basel. Naturforschende Gesellschaft: Verhandlungen Bd. XII, 1. Bayerische botanische Ges. zur Erforschung der heimischen Flora (München). Bayerisches K. Oberbergamt (München): Geognostische Jahreshefte Bd. 9, 1896. Belgique. Academie R. des sciences etc. (Brüssel). — Societe entomologique (Brüssel) : Annales T. XXX u. XLI. — Memoires T. VI. ^ Von den Gesellschaften, liinter deren Namen sich keine Angaben finden, sind dem Verein während des Jahres 1898 keine Tauschschriften zugegangen. — XVI — Belgique. Societe geologique (Lüttich): Annales T. XXII, 3; XXIII, 3; XXIV, 2: XXV, 1. — Societe R. malacologique (Brüssel): Annales T. XXVIII — XXXI. Bengal. Asiatic society of Bengal (Calcutta). Bergen's Museum: Aarbog for 1897. — Sars, G. 0., an account of the Crustacea of Norway. Vol. II, 9 — 12. Berlin. K. Akademie der Wissenschaften: Mathematische Abhand- lungen a. d. Jahre 1897. — Physikal. Abhandlungen a. d. Jahre 1897. — Sitzungsberichte 1897, No. 40—53 u. 1898, No. 1—39. — Entomologischer Verein : Berliner entomolog. Zeitschr, Bd. XLII H. 3—4; Bd. XLIII H. 1, 2. — K. geolog. Landesanstalt und Bergakademie: Jahrbuch 1895. — Gesellschaft naturforschender Freunde: Sitzungsber. 1897. Bern. Naturforschende Gesellschaft. Bodensee. Verein für Geschichte des B. u. seiner Umgebung (Lindau): Schriften H. 26. Bologna. R. Accad. d. science delF Istituto di Bologna: Memorie T. V u. VI. — Rendiconti, Nuova Ser. Vol. I. Bonn. Naturhistorischer Verein d. preuss. Rheinlande etc.: Verhand- lungen Jahrg. 54 H. 2. — Niederrheinische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde : Sitzungs- berichte Jahrg. 1897 H. 2. Bordeaux. Soc. des sciences physiques et naturelles: Memoires 5. Ser. T. I; II; III, 1. — Observations pluviometriques 1894/95, 1895/96, 1896/97. — Proces verbaux des seances 1894/95, 1895/96, 1896/97. Boston. American Academy of arts and sciences: Proceedings Vol. XXXII, 16—17; XXXIII, 1 — 27; XXXIV, 1. — Memoirs Vol. XII, 4. — Society of natural history : Proceedings Vol. XXVIII, Nos. 1 — 12. — Memoirs Vol. V, 3. Brandenburg. Botanischer Verein für die Provinz B. (Berlin): Ver- handlungen Jahrg. 39. Braunschweig. Verein für Naturwissenschaft. Bremen. Naturwissenschaftlicher Verein: Abhandlungen ßd. XIV, 3; XV, 2. Brunn. Naturforschender Verein: Verhandlungen Bd. XXXV, 1896. — Ber. d. meteorolog. Komm. Bd. XV, 1895. Buenos Aires. Museo nacional : Comunicaciones Vol. I, 1. Buffalo society of natural sciences: Bull. Vol. V, 5; VI, 1. California. Academy of sciences (San Francisco): Proc. 2 ser. Vol. VI; 3 ser.: Botany Vol. I, 1—2; Geology Vol. I, 1—3; Zoology Vol. I, 1—4. Cambridge. Museum of comparative zoology at Harvard College: Bulletins Vol. XXVIII, 4 — 5; Vol. XXXI, 5—6; Vol. XXXII, 1 — f. Canada. The Canadian Institute (Toronto): Proceedings, New series. Vol. I, 1, No. 4 — 6. — Transactions Suppl. to No. 9 (V, 1); No. 10 (V, 2). — XVII — Canada. Geologieal and natural history survey (Ottawa). — Geologieal survey (Ottawa). — Royal Society (Ottawa) : Proc. and Trans, for 1897 (2 ser. Vol. III). Cape of good hope. Geologieal eommission. Cassel. Verein für Naturkunde: Berichte Bd. 42 u. 43. Catania. Aecademia Gioenia di sc. nat. : Atti ser. 4a. Voll. 10 u. 11. — Bulletino, nuova ser. fasc. 50 — 52. Cherbourg. Societe nationale des sc. nat. et math.: Memoires Vol. XXX. Chicago. Field Columbian Museum; Publications No. 21 — 28. Christiania. Archiv for Mathematik og Naturvidenskab. — K. Universität: Programm für das 2. Sem. 1897. Cineinnati. Soc. of natural history: Journal Vol. XIX, 3 — 4. Colmar. Naturhistorisehe Gesellschaft. Cordoba. Academia nacional de cieneias: Boletin Vol. XV, 4 (1897). Costa Rica. Museo nacional. Danzig. Natürforschende Gesellschaft. Darm Stadt. Grossh. Hess. Geolog. Landesanstalt: Abhandlungen Bd. III, 1-3. — Verein für Erdkunde etc.: Notizblatt 4 F. H, 18. Davenport (Iowa). Aead. of nat. seiences. Deutsehe geologische Gesellschaft (Berlin): Zeitschrift Bd. XLIX, 3—4; L, 1—2. Dijon. Acad. des seiences etc.: Memoires ser. 4 Bd. V. Donauesehingen. Verein für Gesch. und Naturgesch. der Baar. D r p a t. Naturforseher-Gesellschaft. — Naturforscher-Gesellschaft b. d. Universität: Sitzungsber. Bd. XI, 3. Dresden. Naturwissenschaftliehe Gesellschaft Isis: Sitzungsber. und Abhandl. Jahrg. 1897 H. 2. Dublin. Royal Dublin Society: Proc. Vol. VIII, 5. — Trans, ser. 2 Vol. VI. 2 — 13. Edinburgh. Geologieal soeiety: Transactions Voll. V, 4; VI; VII, 1 — 3. — R. physical soeiety: Proeeedings Vol. XIII, 3. — Royal Society: Proc. Vol. XXI. — Trans. Vol. XXXVIII, 3—4; XXXIX, 1. Erlangen. Physikalisch-medizinische Societät : Sitzungsber. H. 29. France. Societe geologique (Paris). — Societe zoologique (Paris): Bulletin Tome XXII, 1897. Frankfurt a. M. Senckenbergische naturforschende Gesellschaft: Be- rieht von 1898. — Boettger, 0. Katalog der Reptilien-Samm- lung im Museum der Senck. natf. Ges., II. Teil (Schlangen). 1898. Freiburg i. Br. Natürforschende Gesellschaft: Berichte Bd. X (1897 bis 1898). Geneve. Soc. de physique et d'hist. naturelle. Genova. Museo civico di storia nat. Giessen. Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Glasgow. Natural history soeiety. Görlitz. Naturforschende Gesellschaft: Abhandlungen Bd. 22. Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1899. b — XVIIl — Graubünden. Naturforschende Gesellschaft (Chur): Jahresbericht N. F. Bd. XLI. — Lorenz, P. Die Fische des Kantons Graubünden. 1898. Greifswald. Naturw. Verein von Neu- Vorpommern und Rügen: Mit- teilungen Bd. XXVIII. Halifax. Nova Scotian Institute of Science. Halle. Naturforschende Gesellschaft. — Verein für Erdkunde: Mitteilungen Jahrg. 1898. — Kais. Leopoldinisch-Carolinische Akademie d. Naturforscher: Leopol- dina Bd. XXXIII, 12; XXXIV. — Naturw. Verein für Sachsen und Thüringen : Zeitschrift für Natur- wissenschaften Bd. LXX H. 3 — 6; LXXI, 1 — 3. Hamburg. Naturw. Verein: Verhandlungen 3. Folge Bd. IV — V. — Verein für naturw. Unterhaltung. — Wissenschaftliche Anstalten: Jahrbuch Jahrg. XIV, 1896; Beihefte 1—3. Hanau. Wetterauische Gesellschaft für die gesamte Naturkunde. Hannover. Naturhistorische Gesellschaft: Jahresberichte 44 — 47. — Brandes, W., Flora der Prov. Hannover (1897). — Verz. der im Prov. -Museum zu Hannover vorhandenen Säugetiere (1897). — Katalog der syst. Vogelsammlung des Prov.-Mus. in H. (1897). — Katalog der syst. Vogelsammlung aus der Prov. H. (1897). Harlem. Fondation de P. Teyler van der Hülst: Archives du Musee Teyler, Ser. 2 Vol. V, 4; VI, 1—2. — Societe hollandaise des sciences : Archives neerlandaises des sciences exactes et naturelles, Ser. 2 Tome I, 4 — 5; II, 1. Heidelberg, Naturhist.-medizin. Verein. Helsingfors. Societas pro fauna et flora Fennica : Acta Vol. XIII. u. XIV. — Meddelanden Haft 23. Hermann st ad t. Siebenbürgischer Verein für Naturwissenschaften: Verhandlungen und Mitteilungen Jahrg. 46 u. 47. Hohenheim. Kgl. Württ. landwirtschaftliche Akademie: Programm für 1898. Innsbruck. Naturw. -medizin. Verein. Italia. R. comitato geologico (Roma): Bollettino, anno XXVIII, 3 — 4: XXIX, 1—2. — Societä entomologica (Firenze) : Bollettino, anno XXIX (1897). Karlsruhe. Naturwissenschaftlicher Verein. Kiel-Helgoland. Kommission zur wissenschaftl. Untersuchung der deutschen Meere: Wissenschaftl. Meeresuntersuchungen, N. F.,' Bd. III, Abteilung Kiel. Königsberg. Physikalisch-ökonomische Gesellschaft: Schriften Jahr- gang 38. Landshut. Botanischer Verein: Bericht No. 15, 1896 — 97. Lausanne. Societe Vaudoise des sciences naturelles: Bulletins, 4 ser. Vol. XXXIII No. 126; XXXIV No. 127 — 129. Leiden. Nederlandsche Dierkundige Vereeniging: Tijdschrift ser. 2 Deel VI, 1. Leipzig. Naturforschende Gesellschaft. — XIX - Liege. Societe royale des sciences : Memoires, 2 ser. Vol. XX. Linz. Museum Francisco-Carolinum : Bericht 56. — Beiträge zur Landeskunde 50. — Verein für Naturkunde: Jahresbericht No. 27. London. Geological Society: Quarterly Journal Vol. LIII, 4; LIV. — Geological Literature added to the G. S. library during 1897. — Linnean Society: Journal, a) Botany No. 229 — 233; b) Zoology No. 168—171. — Proceedings Jahrg. 1896/97. — Zoological Society: Proceedings for 1897 No. 4; 1898 No. 1 — 3. — Transactions Vol. XIV, 4—8; XV, 1. Lund. Universitas : Acta Vol. XXXIIL Luxembourg. Institut R. grand-dueal. — Societe de Botanique du Grand-duche de Luxembourg : Recueil des memoires etc. No. XIII, 1890—1896. ■ — Verein Luxemburger Naturfreunde „Fauna" : Fauna Jahrg. VII, 1897. Luzern. Naturforschende Gesellschaft. Lyon. Academie des sciences etc.: Memoires (sciences et lettres) 3 ser. Tome IV. — Musee d'histoire naturelle. — Societe d'agriculture, d'histoire naturelle et des arts utiles : Annales 7 ser. Tome IV. Magdeburg. Naturwissenschaftlicher Verein : Jahresber. u. Abhandl. Jahrg. 1896—1898. Mannheim. Verein für Naturkunde. Marburg. Gesellschaft zur Beförderung der gesamten Naturwissen- schaften. Marseille. Faculte des sciences: Annales Tome VIII, 5 — 10. Mecklenburg. Verein der Freunde der Naturgeschichte (Rostock): Archiv Jahrg. 51 u. 52, Heft 1. Metz. Societe d'histoire naturelle. Mexico. Sociedad Mexicana de historia natural: La Naturaleza, Ser. 2 T. II No. 12; T. III, 1—2. Milano. R. istituto Lombardo di scienze e lettere: Rendiconti, ser. 2a Vol. XXX. Moskau. Societe imperiale des naturalistes : Bulletins 1897, 2 — 4; 1898, 1. Napoli. R. Accad. delle scienze fisiche e mat. : Rendiconti Ser. 3 Vol. IV. — Zoologische Station: Mitteilungen XIII, 1 — 3. Nassauischer Verein für Naturkunde (Wiesbaden): Jahrbücher Jahr- gang 51. Nederlandsch Indie. Natuurkundige Vereeniging i. N. I. (Batavia) : Natuurkundige Tijdschrift deel LVII. Neuchätel. Societe des sciences naturelles. New Haven. Connecticut academy of arts and sciences. New South Wales. Linnean Society of N. S. W. (Sydney): Pro- ceedings Jahrg. 1897 Vol. XXII, 3—4 (No. 87 u. 88). — R. Society : Journals and Proceedings Vol. XXXI. b* — XX — New York Academy of sciences: Annais Voll. IX, 6 — 12; XI, 1 — 2. — Transactions Vol. XVI. — ■ State museum : Annual report 48. New Zealand. Colonial Museum and laboratory of the survey. — Institute (Wellington) : Transactions and Proceedings Voll. XIX u. XXX. Norm an die. Societe Linneenne (Caen): Bulletins 4 ser. Vol. IX, 5 ser. Vol. I. — Societe geologique (Havre) : Bulletins Tome XVII, 1894—95. Nürnberg. Naturhist. Gesellschaft: Jahresber. u. Abhandl. Bd. XI. Offen b ach. Verein für Naturkunde. Padova. Societä Veneto-Trentina di scienze naturali: Bulletino anno 1898 tomo VI, 3. Paris, Societe de speleologie : Spelunca. Tome III, 12 — 14. Passau. Naturhistorischer Verein: Bericht 17 für 1896/97. Philadelphia. Academy of natural sciences: Proceedings Jahrg. 1897 No. 2—3; 1898 No. 1. — American philosophical society: Proceedings No. 153, 155 — 157. — Transactions Vol. XIX No. 2 u. 3. — Wagner Free Institute : Transactions Vol. V. Pisa. Societä Toscana di scienze naturali: Memorie Processi verhall Vol. X p. 243 — Schluss; XI Bogen 1; XII. Prag. Deutscher naturwissenschaftlich-medizinischer Verein für Böhmen „Lotos": Sitzungsberichte Jahrg. 1896 — 1897 (N. F. Bd. XVI u. XVII). Pressburg. Verein für Natur- und Heilkunde: Verhandlungen N. T. Heft 9 (1894/96). Regensburg. Naturw. Verein: Berichte Heft VI. Rheinpfalz. Naturw. Verein „PoUichia" (Dürkheim). Riga. Naturforscher-Verein: Korrespondenzblatt Jahrg. XL u. XLI. Rio de Janeiro. Museu nacional: Revista Vol. I (Archivos Vol. IX). Roma. Accademia Pontificia dei nuovi Lincei : Atti Jahrg. LI. — R. Accademia dei Lincei: Atti Ser. 5, Rendiconti Vol. VII, 1 sem. u. 2 sem. Rovereto. Museo civico: Publicazioni 33. Santiago de Chile. Deutscher wissenschaftlicher Verein. St. Gallische naturwissenschaftl. Gesellschaft: Bericht über 1895/96. St. Louis. Academy of science. St. Petersburg. Comite geologique: Bulletins Vol. XVI, 3 — 9 u. suppL; XVII, 1 — 5. — Memoires Vol. XVL — Russisch-kaiserl. mineralogische Gesellschaft. — Kais. Akademie der Wissenschaften: Bulletins ser. 5 Bd. VII, 3 — 5 ; VIII, 1—4. — Memoires Vol. V, 6, 7, 9. — Physikalisches Central-Observatorium: Annalen Jahrg. 1896 Abt. 1 u. 2. Schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur (Breslau). Schleswig-Holstein. Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig- Holstein (Kiel). — XXI - Schweiz. Allgemeine Schweizer Gesellschaft für die gesamten Natur- wissenschaften (Bern), — Schweizerische botanische Gesellschaft (Zürich) : Berichte H. 8. — Schweizerische geol. Gesellschaft (Bern) : Eclogae geologicae Bd. V, 2—6. — Schweizerische naturforschende Gesellschaft (Bern) : Verhandlungen der 79. Jahresversammlung zu Zürich 1896. — Schweizerische entomologische Gesellschaft (Schaffhausen) : Mittei- lungen Vol. IX, 10 u. X, 2—4. Sitten (Sion). La Murithienne, Soc. valaisanne des sc. nat. : Bulletins Fase. XXVI (1897). Steiermark. Naturw. Verein (Graz). Stockholm. K. Svenska Vetenskaps Akademie : Handlingar Bd. XXIX u. XXX. — Bihänge Bd. XXIII. — Öfversigt Jahrg. 54. — Meteorol. Jakttagelser Bd. XXXIV. — Accessionskatalog af Sveriges offentliga Bibliotek Stockholm, Upsala , Lund : No. 10 — 12 und Register. Stuttgart. Ärztlicher Verein. Tokio. College of science, imperial university, Japan. Torino. R. Accademia delle scienze: Atti Vol. XXXIII. — Osservazioni meteor. 1897. Trieste. Societä Adriatica di scienze naturali : Bollettino Vol. XVI, XVII, XVIII. Tromsö Museum: Aarsberetning for 1894. — Aarshefter Vol. XVIII. Tübingen. K. Universitätsbibliothek: Universitätsschriften a. d. J. 1897/98; — 12 Dissertationen der naturwissenschaftlichen Fa- kultät. Ulm. Verein für Mathematik und Naturwissenschaften: Jahreshefte 8. Jahrg. 1897. Ungarische geologische Gesellschaft (Budapest): Földtani Közlöny Bd. XXVII, 8—12; XXVIII, 1 — 6. — K. geologische Anstalt: Jahresbericht für 1895 und für 1896. — Mitteilungen a. d. Jahrb. Bd. XI, 6 — 8. — Generalregister für Mitt. Bd. I— X. — Karpathen-Verein (Iglö) : Jahrbuch XXV. United States (o. N. Am.). Commission of Fish and Fisheries (Washington): Commissioners report for 1896 (Vol. XXII). — Bulletins Vol. XVI (1896). — Department of Agriculture (Washington) : Yearbook 1897. — Bull. of the Division of ornithology and mammology No. 5 u. 7. — Bull, of the Div. of Chimistry No. 50. — Bull, of the Div. of biological survey No. 9 — 11. — Department of the Inferior (Geological survey) (Washington) : Mono- graphs Vol. XXV— XXVIII und Atlas. — Bulletins No. 87, 127, 130, 135 — 148. Upsala. Regia Societas scientiarum. — Geological Institution of the university: Bulletin No. 6 (Vol. III, 2), Victoria. Public library, Museums and National Gallery. — XXII — Washington. Smithsonian Institution: Proceedings of the U. S. Na- tional Museum Vol. 19. — Smithsonian Contributions to know- ledge Vol. XXIX No. 1126. — - Smithsonian miscellaneous Col- lections No. 1084, 108ü, 1087, 1090, 1093, 1125. Wernigerode. Naturw. Verein des Harzes. Westfälischer Provinzial-Verein für Wissenschaft und Kunst (Münster): Jahresbericht für 1896/97. Wien. Kaiserl. Akademie der Wissenschaften, math. -naturw. Klasse: Sitzungsberichte Bd. CVI ; CVII , 1. Abt. Heft 1—5; 2. Abt. a Heft 1—2; 2. Abt. b Heft 1—3. Register XIV zu Bd. 101 — 105. — • K. K. geologische Reichsanstalt : Jahrbuch 47 No. 3 — 4; 48 No. 1. — Verhandlungen 1898 No. 1 — 13. — K. K. naturhistorisches Hofmuseum: Annalen XII, 2 — 4; XIII, 1. — K. K. zoologisch-botanische Gesellschaft : Verhandlungen Bd. XLVIII. — Verein zur Verbreitung naturw. Kenntnisse: Schriften Bd. XXXVIII. Württemberg. K. statistisches Landesamt (Stuttgart): Württ. Jahr- bücher für Statistik und Landeskunde Jahrg. 1897. — Deutsches Meteorol. Jahrb., Abt. Württemberg Jahrg. 1897. — Atlasblatt Kirchheim, neu bearb. von Prof. Dr. E. Fr aas, 1898, und Be- gleitworte dazu. — Schwarzwaldverein (Stuttg.) : ,,Aiis dem Schwarzwald" Jahrg. VI (1898). Würzburg. Physikalisch-medizinische Gesellschaft: Sitzungsberichte Jahrg. 1897. — Verhandlungen Bd. XXXI (1897). Zürich. Naturforschende Gesellschaft: Vierteljahresschrift Jahrg. 42 Heft 3 u. 4; 43 Heft 1 — 3. — Neujahrsblatt auf das Jahr 1898. Zwickau. Verein für Naturkunde: Jahresberichte 1897. Ferner gingen dem Verein folgende Gesellschaftsschriften zu : Bautzen. Naturw^issenschaftliche Gesellschaft ,,Isis" : Sitzungsberichte und Abhandlungen Jahrg. 1 (1896 u. 1897), Chicago. John Crerar, Library: Annual report for 1895, 1896 u. 1897. Dresden. Genossenschaft ,, Flora", Gesellschaft für Botanik und Gartenbau: Sitzungsber. u. Abh. n. Folge 1. Jahrg, 1896 — 1897. • — Nauman, Dr. Arro, Dresdens Gartenbau bis zur Gründung der Flora (1896). — Poscharsky, G. A. , Beiträge zur Flora von Kroatien und Dalmatien (1896). Genf. Conservatoire et Jardin botanique : Annuaire 2^^™® annee (1898). Göteborg. Kungl. Vetenskaps-och Vitterhets-Samhälles Handlingar ser. 4 Haft I. Greifswald, Geographische Gesellschaft: Jahresberichte Vol. VI. Kansas. Kansas University (Lawrence): Quarterly Vol. VII No. 4 (Okt. 1898). Krefeld. Verein für Naturkunde: Jahresber. III für 1896/98. Madras. Government Museum: Bulletins 1 — 3. ^ Maryland. Geological survey (Baltimore): Reports Vol. I. Massachusetts. Tufts College: Studies No. 2, 4, 5. Meriden. Scientific association : Transactions Vol. VIII. Montevideo. Museo nacional : Anales Vol. VI — IX (1896 — 98). - XXIII — Der Rechiuings-Abschluss für das Vereinsjahr 1. Juli 1897/98 stellt sich folgendermassen : Einnahmen: Kassenstand am 1. Juli 1897 1524 M. 05 Pf. Zinsen aus den Kapitalien 616 ,, 94 ,, Mitgliederbeiträge 4065 ,, — ,, 6205 M. 99 Pf. Ausgaben: Vermehrung der Bibliothek 67 M. 70 Pf. Verleger-, Buchdrucker- und Buchbinderkosten . . . 3525 ,, 25 ,, Schreibmaterialien, Kopialien, Porti 440 ,, 21 ,, Gehalte, Saalmiete, Inserate 288 ,, 80 ,, Erdbebenkommission, Zweigvereine . 67 ,, 30 ,, Steuer, Bankierkosten 47 ,, 35 ,, Anschaffung von Wertpapieren 1516 ,, 98 ,, 5953 M. 59 Pf. Einnahmen 6205 M. 99 Pf. Ausgaben 5953 ,, 59 ,, Kassenvorrat 252 M. 40 Pf. Vermögensberechnung. Kapitalien nach ihrem Nennwert 17 600 M. — Pf. Kassenvorrat 252 ,, 40 ,, 17 852 M. 40 Pf. Das Vermögen betrug am 1. Juli 1897 17 624 „ 05 „ somit Zunahme gegen das letzte Jahr — ; • 228 M, 35 Pf. Im Vereinsjahr 1896/97 betrug die Mitgliederzahl .... 741 Hierzu die 87 eingetretenen Mitglieder: Durretsch, Professor in Reutlingen. Hory, Paul, Prof. cand. in Tübingen. Holzer, E. C, Professor in Ulm. Mineralogisches Institut in Tübingen. Halm, Wilh., Dr. med., prakt. Arzt in Crailsheim. Nördlinger, Oberförster in Pfalzgrafenweiler. Stettner, Lehrer in Metzingen. Scheuerlen, Dr., Medizinalrat in Stuttgart. B hn enb er ger , Revieramtsassistent in Stuttgart. Wolf, Oberamtswegmeister in Öhringen. v. Fischbach, Oberforstrat in Stuttgart. Steichele, Louis, Apotheker in Freudenstadt. Vay hinger, Eugen, Dr. med. in Schramberg. Klett, Ernst, Kaufmann in Stuttgart. — XXIV — Übertrag . . 741 Stark, Dr., Distriktsarzt in Forchtenberg. Kaldewey, R., Dr. phil., Zahnarzt in Stuttgart. Lutz, K. G., Dr. phil., Schullehrer in Stuttgart. Ulmer, Eugen, Buchhändler in Stuttgart. Tietz, Rudolf, Rentner in Stuttgart. Schneyder, Eberhard, Zahnarzt in Tübingen. Trips, Tierarzt in Reichenberg OA. Backnang. Basler, Wilhelm, Dr. in Tübingen. Klett, Professor Dr. in Stuttgart. R o m m e 1 , Forstassistent in Urach. Schanz, Franz, Landgerichtsrat in Tübingen. Blaich, C. Fr., Hauptmann in Tübingen. Muth, Franz, Apotheker in Stuttgart. Loebell, Dr., Chemiker in Stuttgart. Correns, Carl, Dr. phil., Privatdozent in Tübingen. Weissen rieder, Dr. med. in Liebenau OA. Tettnang. Lerch, Eduard, Hüttenverwalter in Schussenried. Faiss, Theodor, Betriebsbauinspektor in Aulendorf. V. Koenig-Warthausen, Fritz, Freiherr in Sommers- hausen. Wölffle, Carl, Oberförster in Schussenried. Wolfarth, Ökonomieverwalter in Schussenried. Kohl er, Martin, Seminaroberlehrer in Esslingen. Reinert, Emil, Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. Königshöfe r, Oskar, Dr., Sanitätsrat in Stuttgart. Lautenschlager, Herm., Dr. med. in Stuttgart. Lang, Robert, Professor in Heilbronn a. N. Epp, C, Dr. in Neudenau a. d. Jagst. Kröner, Alfred, Buchhändler in Stuttgart. Mehmke, Rud., Dr. Professor in Stuttgart. Reichert, Carl, Hüttenverwalter in Ludwigsthal. Werlitz, Arthur, Buchhändler in Stuttgart. Übele, G., Dr. in Stuttgart. Lueger, Otto, Prof. Dr., Civilingenieur in Stuttgart. Lehner, Carl, Schlossgärtner in Aulendorf. Krieg, Ernst, Privatier in Stuttgart. V. Schübler, Adolf, Geh. Regierungsrat a. D. in Stuttgart. Stirm, Albert, Ökonomierat in Stuttgart. Merkel, Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. Bohnert, August, Salinenverwalter in Jagstfeid. Morgenstern, Carl, Ingenieur in Stuttgart. Reusch, Hermann, Dr., Chemiker in Cannstatt. Eberle, Gustav, Dr., Chemiker in Stuttgart. Kauffmann, Hugo, Dr., Privatdozent in Stuttgart. Ewert, Dr., Stationschemiker in Hohenheim. Kurtz, Paul, Buchhändler in Stuttgart. Erhard, Rud., Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. Übertrag . . 741 Waidelich, Carl, Lehrer in Grossbettlingen. Englert, Carl, Forstreferendär I. Cl. in Stuttgart. Amann, Emil, Fabrikant in Bönnigheim. Becker, Richard, Kaufmann in Heilbronn. Brüggemann, L., Fabrikant in Heilbronn. B ruckmann ju^n., P., Fabrikant in Heilbronn. Dittmar, Gustav, Fabrikant in Heilbronn. Knorr, Carl. Fabrikant in Heilbronn. Langer, Carl, Kaufmann in Heilbronn. Mayer, Ernst, Fabrikant in Heilbronn. Meissner, Wilh., Geh. Kommerzienrat in Heilbronn. Rümelin, Richard, Bankier in Heilbronn. Schau ff elen, Richard, Fabrikant in Heilbronn. Seh Hz, Alfred, Dr. med., Stadtarzt in Heilbronn. Schmid, Adolf, Kommerzienrat in Heilbronn. Seelig, Emil, Fabrikant in Heilbronn. Sperling, Rudolf, Kaufmann in Heilbronn. Hinderer, Dr. med., prakt. Arzt in Heilbronn. Mayer-Blaess, Fabrikant in Heilbronn. Otto, Hermann, Apotheker in Heilbronn. Stoll, Dr. med., prakt. Arzt in Heilbronn. Bettinge r, Professor in Heilbronn. Lehrerverein für Naturkunde in Besigheim. Sommer, Johs., Landtagsabgeordneter, Schultheiss in Beiz- kofen b. Saulgau. Graf Adel mann von Adelmannsfelden, Gustav, in Landshut. Deffner, Richard, in Esslingen. Stadtgemeinde Ulm. 87 828 Hiervon ab die 46 ausgetretenen und gestorbenen Mit- glieder: Mennet, F., in Buchau. Eissner, Rechtsanwalt in Ludwigsburg. Finckh, C, Apotheker in Stuttgart. Hartmann, Pfarrer in Hausen o. Verena. Kollros, Schultheiss in Wolfegg. Walker, Dr., Ükonomierat in Ellwangen. Ott, Traugott, Fabrikant in Ehingen, f D i e 1 1 e n , Forstrat in Urach, f Mörike, Dr., Privatdozent in Freiburg, f V. Gaisberg, Premierlieutenant in Wiblingen. Lehrerverein für Naturkunde in Stuttgart Rau, Eugen, in Stuttgart, f Koch, Eduard, Buchhändler in Stuttgart, f — XXVI — Übertrag . . 828 V. F r a a s , Direktor Dr. in Stuttgart, f Hahne, Maschineninspektor a. D. in Aalen, f Mörike, Friedrich, Privatier in Stuttgart. Sattele, Forstwart in Bietigheim. Erhardt, Albert, Oberbergrat in Stuttgart, f Schlesinger, Kunsthändler in Stuttgart, f V. Zeppelin, Max, Graf Dr., Hofmarschall in Stuttgart, j Bürger, Oberförster in Langenau. f Scheiffele, Jakob, Dekorateur in Stuttgart, j Prescher, Forstmeister in Heidenheim, f Schnitzer, Guido, Fabrikant in Hall, j Kern, Hofkameralverwalter in Altshausen. Simon, Joh., Reallehrer in Aalen. Metzger, Oberförster in Wildberg. Eimer, Professor Dr. in Tübingen, f Hopfengärtner, H., Forstrat a. D. in Stuttgart. Mayser, Professor in Heilbronn a. N. Staudacher, Musikdirektor in Ravensburg. V. Imle, Oberstlieutenant z. D. in Reichenau. Obermüller, Ludwig, Professor in Stuttgart. Stähle, Carl, Fabrikant in Degerloch. Kuli, Ludwig, Lithograph in Stuttgart. Kaufmann, Richard, Buchhändler in Stuttgart. Gessler, Oberpräzeptor in Stuttgart. Sigloch, Regierungsbaumeister in Friedrichshafen. Bengel, Dr., Oberamtsarzt in Enzweihingen. f Schöffe r, Ökonomierat in Kirchberg, f Locher, Georg, in Tettnang. Hofele, Dr., Pfarrer in Ummendorf. Saltes, S., Realitätenbesitzer in Wien. Gabriel, Gutsbesitzer in Schomburg. 4(J 782 Es verbleiben daher am Ende des Rechnungsjahres . 782 Mitglieder, gegenüber dem Vorjahre mit 741 ,, eine Zunahme von 41 In der Sitzung des Ausschusses am 15. Februar 1899 w^urde von Herrn Prof. Dr. Kl unzin ger der Entwurf zu einem Gesuch an den Deutschen Reichstag, betr. Abänderung des Reichsgesetzes über Vogelschutz vom 22. März 1888, vorgelegt und beantragt, dieses Gesuch, das in derselben Form schon am 20. Dezember 1898 von dem Vogelschutz-Verein zu Hannover und am 28. Januar 1899 von dem neugegründeten „Bund für Vogelschutz" zu Stuttgart an — XXVII — den hohen Reichstag gerichtet worden war, auch im Namen des Vereins für vaterländische Naturkunde dem Reichstag zu unterbreiten. Der Antrag wurde nach eingehender Begründung und Befürwortung seitens des Antragstellers einstimmig angenommen, und es wurde demgemäss vom Vorstand das folgende Gesuch an den Reichstag gerichtet : Gesuch des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg um Ab- änderung des Reichsgesetzes über den Vogelschutz v^om 22. März 1888. An den hohen deutschen Reichstag gestattet sich der Verein für vaterländische Naturkunde in Württem- berg — in Übereinstimmung mit der Petition des Vogelschutz-Vereins zu Hannover vom 20. Dezember 1898 und des „Bundes für Vogel- schutz" in Stuttgart vom 28. Januar 1899 — die Bitte zu richten: das Reichsgesetz vom 22. März 1888 so abzuändern, dass 1. das Fangen und Erlegen von Vögeln — mit den in § 5 und § 8 bestimmten Ausnahmen — gänzlich verboten wird, oder wenigstens 2. im Sinne des § 3 Abs. 2 weitergehende Bestimmungen zum Schutze der nützlichen Vögel erlassen werden. Bezüglich der Begründung unseres xlntrags erlauben wir auf die Punkte zu verweisen, die in der Petition des Vogelschutz- Vereins zu Hannover vom 20. Dezember 1898 und in der gemein- samen, dem hohen Reichstag vorgelegten Petition des Vereins der Vogelfreunde und des Vereins für vaterländische Natur- kunde in Württemberg vom 1. Januar 1893 geltend gemacht wurden. Wir bitten besonders, die vorgeschlagenen Abänderungen ohne Rücksicht auf die noch unbestimmte Vollziehung der Pariser Kon- vention vom Jahre 1895 zur Annahme empfehlen zu wollen. Stuttgart, 15. Februar 1899. Verehrungsvoll Der Vereinsvorstand: Prof. Dr. 0. Kirchner in Hohenheim. — XXVIII — In derselben Ausschusssitzung wurden vom Vorsitzenden die unten (S. XXIX— XLVIII) folgenden Vorschläge des Herrn Stadt- pfarrers Dr. Gradmann, betreffend eine planmässige pflanzengeo- graphische Durchforschung Württembergs , zur Beratung vorgelegt. Auf warme Befürwortung seitens mehrerer anwesenden Aus- schussmitglieder wurde beschlossen, diesen Vorschlägen Folge zu geben, und es wurde zunächst auf Grund des § 6 der Vereinssatzungen eine Kommission, bestehend aus den Herren Stadtpfarrer Dr. Gradmann-Forchtenberg und Kustos J. Eichler- Stuttgart bestellt mit dem Auftrag, den in den Vorschlägen angedeuteten Plan auszuführen und die gewünschten Untersuchungen einzuleiten ^ ^ Die Kommission wird dieser Aufgabe sobald als möglich nachkommen und richtet einstweilen an alle die Herren, die geneigt sind, sich an den Unter- suchungen und Beobachtungen zu beteiligen, die Bitte, Mitteilung hierüber an einen der beiden genannten Herren gelangen lassen zu wollen. Genauere An- weisungen werden den Herren Mitarbeitern in einiger Zeit zugehen ; vorläulig sei bemerkt, dass es sich bei den Beobachtungen nur um etwa 60 — 100 Arten — je nach den Florenverhältnissen des einzelnen Bezirks — handeln wird und dass insbesondere schwer erkennbare und sogen, kritische Arten von den geplanten Erhebungen ganz ausgeschlossen sind. Vorsehläge zu einer planmässigen pflanzen- geographisehen Durchforschung Württembergs. Von Stadtpfarrer Dr. G-radmann in Forchtenberg. 1. Die Bedürfnisfrage. Wohl jeder, der sich heutzutage mit pflanzengeographischen Arbeiten beschäftigt, wird es als einen schmerzlichen Mangel em- pfinden , dass es auch in den bestdurchforschten Ländern an einer der wichtigsten Grundlagen für dieses Forschungsgebiet noch immer fehlt, nämlich an einer genügenden Verbreitungsstatistik. Die grösseren F'lo renwerke, auf die man in erster Linie angewiesen ist, die Landes- oder Provinzialfloren, leisten nicht das, was der Pflanzengeograph braucht. Genaue Verbreitungsangaben bringen sie in der Ptegel nur für die eigentlich seltenen, nur mit wenigen Fundorten vertretenen Arten. Die üblichen allgemeinen Andeutungen des Häufigkeitsgrades (gemein, häufig, verbreitet u. s. w,) genügen allerdings in den Fällen , wo eine Art wirklich mehr oder weniger gleichmässig über das ganze Gebiet verteilt ist. Ungenügend und ergänzungsbedürftig dagegen sind die Angaben bezüglich der sogenannten zerstreuten Arten fast durchaus, und gerade diese sind für den Pflanzengeographen in der Regel die wichtigsten. Denn nur selten sind sie im eigentlichen Sinn des Wortes, das ja den NebenbegrifP des Zufälligen in sich schliesst, über das ganze Land verstreut; sie weisen in ihrer Verbreitung meistens grosse, oft sehr charakteristische Lücken auf, kommen vielleicht nur in einem be- schränkten Teil des Gebietes vor, finden unter Umständen hier sogar ihre absolute Verbreitungsgrenze, ohne dass dies bei der herkömm- lichen Darstellungsweise irgendwie hervortritt. Im Rahmen einer Flora im gewöhnlichen Sinn ist dem Mangel nicht wohl abzuhelfen. Mehr als 20 bis 30 Fundorte aufzuzählen, geht, auch wenn der Raum dazu vorhanden wäre, nicht wohl an, weil auch der Landeskundigste und mit dem besten Gedächtnis Begabte nicht mehr im stände ist, sich im Geist ein übersichtliches Bild daraus zu formen. Man hat daher längst zu dem Auskunfts- mittel gegriffen, für Arten mit lückenhafter oder sonst beschränkter Verbreitung das Vorkommen statt nach Einzelfundorten vielmehr nach grösseren Bezirken anzugeben. Entweder wird, und das ist das primitivste Verfahren, einfach die politische Einteilung zu Grunde gelegt ; oder teilt man das Gebiet in eine grössere Anzahl numerierter Quadrate, wodurch bei äusserster Kürze des Ausdrucks immerhin eine höhere Genauigkeit erzielt werden kann ; oder endlich versucht man zu diesem Zweck eine natürliche Gliederung des Gebiets, wie wir sie für Württemberg längst haben ^ oder wie sie in weiter- gehender Teilung für Bayern durch die Bayrische botanische Ge- sellschaft durchgeführt worden ist ^. Das letztere Verfahren, an und für sich das vollkommenste von allen, leidet an einem methodischen Fehler. Solange es nämlich an einer genauen Verbreitungsstatistik noch fehlt, muss eine solche Emteilung notgedrungen eine künstliche sein ; sie muss sich an anderweitige bereits kartographisch festgelegte Linien orographischer, hydrographischer, geognostischer Art unselb- ständig anschliessen. So beruht unsere alte Einteilung Württembergs in vier natürliche Bezirke wesentlich auf geognostischer Grundlage. Hier liegt zweifellos eine petitio principii vor. Ein solcher Fehler bleibt auch nicht ohne Folgen; es entsteht dadurch unwill- kürlich der Schein einer viel stärkeren Abhängigkeit der Pflanzen Verbreitung vom geognostischen Substrat, als sie in der Natur thatsächlich vorhanden ist. Die Thatsachen sind durch eine Theorie verdunkelt. Der Grundfehler jedoch, der allen diesen abgekürzten Dar- stellungsmethoden anhaftet, liegt einfach darin, dass sie zu ungenau sind. Dem unmittelbaren Zweck, eine gewisse Übersicht über die Verbreitungsverhältnisse der einzelnen Art innerhalb eines engeren Gebiets zu gewähren, mögen sie wohl genügen, aber zu weiterer pflanzen geographischer Verarbeitung sind sie ganz ungeeignet. Diese Behauptung hat keineswegs bloss Bestrebungen im Auge, die sich eine Vertiefung ins topographische Detail zum Ziel gesetzt haben : auch für Arbeiten , die ein grösseres Länder- gebiet umfassen, die also sozusagen mit einem kleineren Massstab sich begnügen können, ist eine Verbreitungsstatistik, welche die ^ Unterland, Schwarzwald. Alb. Oberschwaben; so schon in der ersten Auflage der Flora von Württemberg von Schübler imd Martens 1834. ^ 18 Bezirke mit mehreren Unterbezirken. Ber. der Ba3r. bot. Gesellsch. Bd. II. 1892. Beil. — XXXI — Genauigkeit nicht weiter treibt als bis auf politische Verwaltungs- bezirke oder auch sogen, natürliche Bezirke, noch ganz ungenügend. Vollends mit der Quadrierungsmethode , die voraussetzt , dass der Leser das betreffende Specialwerk beständig zur Hand hat, ist für einen pflanzengeographischen Bearbeiter gar nichts anzufangen. Die Flächeneinheit, welche zur Darstellung pflanzengeographischer Grenz- linien allein genügt und daher jeder Verbreitungsstatistik, die ihren Zweck erfüllen soll, zu Grunde gelegt werden muss, ist die Ortsmarkung. Sobald es sich darum handelt, den Ursachen der Pflanzenverbreitung nachzuforschen, die pflanzengeographischen Linien mit solchen klimatischer, geognostischer, orographischer Art zu ver- gleichen, sobald eine derartige Linie auf einer Karte eingezeichnet werden soll, stellt sich das Bedürfnis nach Verbreitungsangaben von der angedeuteten Genauigkeit sofort und unabweisbar heraus. Zum Beleg wird es hier genügen, an die Darstellungsmethode der Vege- tationslinien zu erinnern; diese werden stets durch Aufzählung von Ortsnamen wiedergegeben und zwar nicht bloss für die dicht- bevölkerten und wohldurchforschten Länder Mitteleuropas , sondern ebenso für die wenig zugänglichen Landstriche des nördlichen Skan- dinaviens, Russlands und, soweit dies möglich ist, selbst Sibiriens ^ Für derartige Untersuchungen muss man die Thatsachen zum grösseren Teil ausserhalb der Landesfloren zusammensuchen. Auch hier fliessen die Quellen spärlich. Die besten Dienste leisten noch Lokal floren, vorausgesetzt, dass sie gut gearbeitet sind. Aber sie sind dünn gesät und ungleich verteilt , umfassen imnler nur eng umschriebene, oft nicht einmal genau begrenzte Gebiete und gewähren daher nur ein äusserst lückenhaftes Bild. Ergänzend kommen hinzu Pflanzenverzeichnisse, welche sich auf die wichtigeren Arten eines kleinen Bezirks beschränken , wie wir sie z. B. in unseren Oberamtsbeschreibungen finden; endlich Ex- kursionsberichte. Letztere sind namentlich im französischen ' Als klassische Zeugen seien genannt: Grisebacli, Vegetationslinien des nordwestlichen Deutschlands 1838 (Gesammelte Abhandl. 1880); Gerndt, Gliederung der deutschen Flora 1876/77 ; Koppen, Holzgewächse des euro- päischen Russlands (Beitr. zur Kenntn. des Euss. Reichs, 3. Folge. Bd. 5. 6. 1888. 1889). — Neuerdings werden auch im Rahmen von Florenwerken absolute Verbreitungsgrenzen nach der l^Iethode der Yegetationslinien angegeben, z. B. bei Ascherson und G r a e b n e r , Flora des Nordostdeutschen Flachlandes 1898. Voraussetzung für dieses ganz zweckmässige Verfahren ist. dass die Einzelfund- orte, die Avir für unser Gebiet erst ermitteln wollen, den Verfassern bereits voll- ständig bekannt sind. — XXXII — Sprachgebiet beliebt, werden aber auch von einzelnen deutschen botanischen Vereinen gepflegt. Beide Klassen von botanischen Ver- öffentlichungen zeigen in der Regel eine verhängnisvolle Abhängig- keit von der floristischen Methode : sie berücksichtigen nur die seltenen Arten, die schon in der Landesflora mit genauen Fundorts- angaben bedacht sind, und lassen alles andere als unwichtig bei Seite. Sie entsprechen dann im besten Fall einer neuen Auflage der Landesflora für das beschränkte Teilgebiet und teilen deren natürliche Mängel. Wird der Kreis weiter gezogen, so tritt ein anderer Fehler zu Tage, der Mangel an festen Grundsätzen darüber, was als wichtig und was als unwichtig anzusehen ist; der eine ver- liert sich in einen Kleinkram, der kaum die Druckerschwärze wert ist, ein anderer lässt wirklich Wichtiges vornehm bei Seite, und fast stets ist die Auswahl nur durch subjektive Eindrücke bestimmt. So kommt es, dass auch derjenige, der die einzelnen Angaben einer weit zerstreuten Litteratur, den Ekel vor den endlosen Wieder- holungen überwindend, jahraus jahrein in mühsamer Arbeit sammelt und ordnet, doch immer nur zu einem unvollkommenen Ergebnis gelangt, selbst für die wichtigsten Arten. Für das Vorgetragene hier nur noch wenige Belege. Alphonse De Candolle hat in seinem grossen, die allgemeine Pflanzengeographie umfassenden Werke ^ die Ostgrenzen von Hex aquifolium und Helle- horus foetidus für wichtig genug befunden, um sie unter Heran- ziehung der gesamten zugänglichen Special-Litteratur so genau als möglich festzustellen und durch Zeichnung wiederzugeben. Beide Linien ziehen durch unser Vereinsgebiet; sie sind auf dieser Strecke bis zum heutigen Tage noch nicht genau bekannt. — In neuester Zeit hat Gunnar Andersson in einer wertvollen Arbeit^ die Verbreitung der wichtigsten Florenelemente Skandinaviens auf einer Karte ziemlich kleinen Massstabes darzustellen versucht. Für eine wichtige und sehr häufige Arten umfassende Gruppe war er genötigt, eine seltene und darum weniger bezeichnende Art {Daphne mezereuw) als Typus aufzustellen, weil nur für diese die genügenden Angaben in den Florenwerken aufzutreiben waren ^. Gerade das ist der missliche und allenthalben schwer empfundene Übelstand, der, an und für sich widersinnig genug, doch innerhalb der herkömmlichen * Geographie botanique raisonnee. 1855. Vol. I. ■^ Die Geschichte der Vegetation Schwedens. — Engler" s Botan. Jahrb. 22 (1897). S. 433. 3 a. a. 0. S. 463 f. — XXXIII — und kaum zu ändernden Einrichtung unserer Florenwerke schwer zu vermeiden ist: dass zwar für die seltenen Arten, diese Schoss- kinder der Floristik, die genaue Verbreitung mühelos festgestellt werden kann, nicht aber für die verbreiteteren und eben darum von allgemeineren Gesichtspunkten aus gewiss ungleich wichtigeren Formen. Dass es sich in unserem Vereinsgebiet nicht anders ver- hält, kann ich aus eigener leidiger Erfahrung bezeugen. — Ein weiterer Zeuge dafür wenigstens, dass viele Arten, die bei uns für allgemein verbreitet gelten, in Wirklichkeit recht bedeutende Lücken aufweisen, ist L. HerterV — Schliesslich sei auf die in den letzten Jahren seitens der forstlichen Versuchsstationen vorgenommenen Er- hebungen über die Verbreitung der forstlich oder pflanzen- geographisch wichtigen Holzarten hingewiesen. Auch dieses Unternehmen beweist, dass sogar bezüglich der allerwichtigsten Be- standteile unserer heimischen Pflanzenwelt unsere Kenntnisse von den Verbreitungsthatsachen noch keineswegs abgeschlossen, vielmehr eigentlich erst zu begründen sind. Es ist zugleich ein Beleg dafür, dass man anderwärts bereits am Werk ist, durch planmässige Forschung die Lücken unserer Kenntnisse auszufüllen. Aus Nord- und Mitteldeutschland besitzen wir bereits eine ganze Litteratur von Specialarbeiten über die dort verlaufenden Pflanzengrenzen. Es sei in dieser Hinsicht nur an die Namen Grisebach, H. Hoffmann, Gerndt, Drude, Loew, Ernst H. L. Krause, Hock, August Schulz, Gräbner erinnert. Müssen auch, weil es dort ebenso wie bei uns an einer genügenden Verbreitung.s- statistik mangelt, die Angaben der Natur der Sache nach immer noch unvollständig sein, so ist doch die Aufmerksamkeit der Be- obachter auf die wichtigen Punkte gelenkt, und die Lücken werden daher verhältnismässig bald ausgefüllt sein. Für Südbayern hat Sendtner schon 1854 die horizontalen und vertikalen Verbreitungs- grenzen aufs genaueste bearbeitet, ebenso später für den Bayrischen Wald ; von den Arbeiten über das Alpengebiet der Schweiz und Öster- reichs ganz zu schweigen. Bei uns ist in dieser Richtung noch gar nichts geschehen. Dies ist um so bedauerlicher, als an Beobachtungen thatsäch- lich kein Mangel ist. In einem Lande, das mit Naturkundigen so dicht besät ist, wird man mit der Annahme kaum fehlgreifen, dass es überhaupt keinen pflanzengeographisch wichtigen Punkt mehr giebt. 1 Diese Jahreshefte 44 (1888). S. 177 ff. Jahreshefte d. Vereins f. yaterl. Naturkunde in Württ. 1899. — XXXIV — der nicht einzelnen Beobachtern bereits bekannt wäre. Aber die wenigsten finden es der Mühe wert oder finden den Mut dazu, ihre Beobachtungen für die Wissenschaft nutzbar zu machen. Was uns demnach fehlt, ist erstens die Sammlung, zweitens die geeignete Veröffentlichung der beobachteten Thatsachen. Was den zweiten Punkt betrifft, so will ich sofort meine Über- zeugung aussprechen: die einzig befriedigende Form der Veröffent- lichung ist die Karte. Es ist ja bereits zur Sprache gekommen, was es mit allzulangen Fundortslisten auf sich hat; sie sind unüber- sichtlich und daher zumal für den mit der Topographie nicht Ver- trauten fast unbrauchbar. Der Gedanke , das geographische Dar- stellungsmittel ersten Ranges, die Karte, auch zur Wiedergabe der Verbreitungsverhältnisse von Pflanzenarten zu benützen, ist so ausser- ordentlich einfach und naheliegend, dass es schon seine besonderen Gründe haben muss, wenn derselbe bis jetzt noch so wenig zur Ver- wirklichung gekommen ist. Und diese Gründe liegen auch offen da. Das Bedürfnis nach pflanzengeographischen Karten ist schon früh hervorgetreten. Schon im ersten Jahrzehnt des ablaufenden Jahrhunderts hat der ältere De Candolle den Plan zu einem grossen pflanzengeographischen Atlas von Frankreich gefasst'; also noch ehe es irgendwo geognostische Karten gab. Der Plan kam aber aus verschiedenen Gründen nicht zur Ausführung und ist erst neuerdings wieder aufgenommen worden^. Inzwischen ist allerdings eine ganze Reihe von pflanzengeographischen Karten entstanden, meist die ganze Erde^, teilweise auch kleinere Ländergebiete* umfassend, durchweg aber in sehr kleinem Massstab und in hohem Grad schematisch ge- halten. Auch die Verfasser von Florenwerken über beschränkte Ge- biete haben häufig das Bedürfnis nach Kartenbeilagen wohl gefühlt; aber fast nie ist eine wirklich pflanzengeographische Karte daraus * A. P. De Candolle, Memoires et Souvenirs 1862. p. 205 et suiv. — Plahault, Bull, de la Soc. botan. de France 41 (1894). p. LIX ff. ^ Flaliault, Projet de carte botanique, forestiere et agricole de la France. 1. c. p. LVI ff. ' z. B. G r i s e b a c b , Vegetation der Erde 1872 ; E n g 1 e r , Versuch einer Entwickelungsgeschichte der Pflanzenwelt 1879 — 82; Drude in Bergbaus" Physikal. Atlas und Handbucb der Pflanzengeograpbio 1890; neuestens Scbim- p e r , Pflanzengeograpbie auf pbysiolog. Grundlage 1898. '' Scbweiz: Cbrist, Pflanzenloben der Scbweiz, 1879; Österreich-Ungarn: Kern er, Florenkarte v. Österr.-Ung. 1887; Deutsches Reich: Drude, Deutsch- lands Pflanzengeographie Bd. 1 1896 ; Skandinavien : Gunnar Andersson in Engl.'s Bot. Jahrb. 22 (1897). Taf. V. — XXXV - geworden. Topographische , geognostische , Höhenschichtenkarten mussten deren Stelle vertreten \ Auch der Beschluss des Pariser Botanischen Kongresses vom Jahre 1889 auf Herstellung pflanzen- geographischer Karten hat bis jetzt keine sichtbaren Erfolge ge- zeitigt. Allen diesen Unternehmungen fehlt es an der wichtigsten Grund- lage, an genauen Arealkarten, welche die Verbreitung der ein- zelnen Art zunächst innerhalb beschränkter Gebiete in grösserem Massstab zur Anschauung bringen. Der bekannte kartographische Grundsatz vom grossen ins kleine muss auch hier zur Geltung kommen, wenn eine wirklich gute Karte entstehen soll. Dass wir solche genaue Arealkarten nicht längst haben, das liegt ohne Zweifel an der Grösse , um nicht zu sagen Ungeheuerlichkeit der Aufgabe angesichts der Thatsache, dass ein Land wie Württemberg gegen 1500 wildwachsende Gefässpflanzen ^ beherbergt. Es ist ganz klar, dass eine Beschränkung dieser Aufgabe, wenn sie ausführbar sein soll, durchaus notwendig ist. Man kann daran denken, sich mit einem geringeren Grad der Genauigkeit zu begnügen. Dieser Gedanke ist bereits mehrfach verwirklicht. H. Hoffmann giebt in seinen Beiträgen zur Flora des Mittelrheingebietes ^ zu jeder Art ein kleines Arealkärtchen , das in ebenso einfacher wie sinnreicher Weise mit Hilfe der Quadrierungs- methode^ die Verbreitung übersichtlich darstellt. Ebenso verwendet die Bayrische botanische Gesellschaft ihre Bezirkseinteilung zu graphischer Darstellung der Areale ^. Endlich giebt es viele Kärtchen von Gesamtarealen einzelner Arten, durchweg in sehr kleinem Mass- stab und durch einfache, mehr oder weniger schematische Verbindung der Punkte des äussersten Vorkommens hergestellt, so dass das Ge- samtareal als zusammenhängende Fläche erscheint *". Von allen diesen ^ Eine rühmliche Ausnahme macht z. B. Beck, Flora von Hernstein in Niederösterreich 1884. Aber auch dort findet sich nur eine Vegetationskarte, keine Florenkarte. ^ Nur um diese kann es sich hier handeln; mit den Thallophyten und Moosen sind wir noch lange nicht so weit. ^ Berichte der Oberhess. Gesellsch. f. Natur- und Heilkunde 6—13, 18—26 (1857—1889). * vergl. oben S. XXX. ^ Ber. d. Bayr. bot. Gesellsch. Bd. IV. 1896. ^ z. B. Kerner, Abhängigkeit der Pflanzengestalt von Klima und Boden 1869; Wettstein, Die europ. Arten der Gattung Gentiana, Sekt. Endotricha, Denkschr. Akad. Wien 64 (1897) u. v. a. — XXXVI — Auskunftsmitteln gilt, was über die vereinfachten Darstellungsmethoden bereits früher (S. XXX) gesagt worden ist: sie mögen dem aller- nächsten Bedürfnis des Lesers genügen ; für weitere pflanzengeogra- phische, namentlich auch kartographische Verarbeitung sind sie zu ungenau, zu schematisch. Sollen die Arealkarten allen Bedürfnissen entsprechen , dann müssen sie genau genug sein, um die Ablesung der Ortsmarkungen, auf denen die betreffende Art vorkommt, unmittelbar zu gestatten. Da es unmöglich ist, für sämtliche Arten der Flora solche Karten zu beschaffen, so muss eine Vereinfachung auf andere Weise versucht werden. 2. Begrenzuiija: der Aufgabe. Was zunächst wieder den ersten Teil der Aufgabe, die Samm- lung der Beobachtungen, betrifft, so ist von einem gesteigerten Be- trieb der floristischen Methode kaum etwas zu hoffen. Gewiss wäre allen Anforderungen genügt, wenn es gelänge, das ganze Land mit einem Netz von Lokalfloren zu überziehen von der Art, wie wir sie für die Umgebungen von Stuttgart, Ulm, München bereits be- sitzen. Ein derartiges Unternehmen müsste ich jedoch für ebenso aussichtslos wie überflüssig halten. Aussichtslos, weil die Abfassung einer Flora, worin jede Art gleichwertig auftritt und auch mit gleicher Sorgfalt behandelt werden muss, viel zu hohe Anforderungen an die wissenschaftliche Erfahrung und vor allem auch an die Ar- beitskraft stellt, als dass man hoffen dürfte, überall geeignete Be- arbeiter zu finden ; überflüssig aber , sofern die Wissenschaft gar kein Interesse daran hat, das Vorkommen von allverbreiteten Arten wie etwa Foa pratensis, Carex hirta, Chenopodmm album, Hieracium mnrorum für jeden Oberamtsbezirk oder gar jede Ortsmarkung aus- drücklich festgestellt zu sehen. Derlei Feststellungen jedoch — ■ ähnliche Fälle giebt es noch hunderte — würden eine nicht geringe Summe von Arbeit verschlingen ; denn bekanntlich ist die Beherrsch- ung der Gramineen, Cyperaceen, Chenopodiaceen und Kompositen, woraus die obigen Beispiele genommen sind , durchaus nicht jeder- manns Sache. Mit Rücksicht hierauf und zugleich auf die Schwierigkeit einer geeigneten Veröffentlichung der Beobachtungsergebnisse für eine so grosse Artenzahl möchte ich beantragen: die Kräfte auf eine beschränkte Anzahl von Pflanzenarten, die pflanzengeo- graphisch wichtig und hinsichtlich ihrer Verbreitung noch — XXXVIT — ungenügend bekannt sind, zu versammeln, dafür aber diesen dann auch wirklich planmässig nachzuforschen und die Ergebnisse in möglichst vollkommener Form zu ver- öffentlichen. Dieser Vorschlag liegt so nahe, dass man sich sofort die Frage vorlegen muss, warum er nicht schon anderwärts, wo doch das Programm einer systematischen Landesdurchforschung durchaus nicht neu ist, bereits ausgesprochen und erprobt worden ist. Ich suche den Grund in der Schwierigkeit, sich über den Begriff des pflanzen- geographisch Wichtigen zu einigen, derselben Schwierigkeit, die den Zustand unserer floristischen Zeitschriften -Litteratur so un- erquicklich macht, den einzelnen Mitteilungen den Charakter des Zufälligen aufdrückt und überhaupt, wie ich glaube, einer wirklich systematischen Erforschung der Pflanzen Verbreitung bisher am meisten im Wege gestanden ist. Diese Schwierigkeit dürfte heute nicht mehr unüberwindlich sein. Dass der Kreis enger oder weiter ge- zogen werden kann je nach dem Mass der Kräfte, auf die man rechnen zu dürfen glaubt, ist richtig. Aber so weit sind die An- schauungen der Pflanzengeographie nun doch allmählich geklärt, dass man feste Grundsätze dafür aufstellen kann , was in erster Linie als wichtig zu bezeichnen ist, was erst in zweiter oder dritter Linie. Über einen festen Grundstock also wird man sich jedenfalls einigen können. Auch das gilt allerdings zunächst nur für den Stand und die Richtungen der gegenwärtigen pflanzengeo- graphischen Forschung; allein mehr kann man billigerweise auch nicht verlangen. Für eine ferne Zukunft zu sorgen, von der wir noch gar nicht wissen können, wofür sie sich interessieren wird, haben wir keinen Anlass , solange die wichtigsten Forderungen der Gegenwart noch nicht befriedigt sind; durch planlose Anhäufung von Beobachtungen, so viel redliches Bemühen oft darin steckt und so nützlich derlei Arbeiten gelegentlich werden können, hat die Wissenschaft noch nie eine wichtige Förderung erlebt. Es ist vielleicht nützlich, an dieser Stelle zu betonen, dass der ausgesprochene Vorschlag sich zu den eigentlich floristischen Bestrebungen in keinerlei Gegensatz stellt. Die Floren im bisherigen Sinn bleiben nach wie vor unentbehrlich; sie sollen nur ergänzt werden in einer Richtung, deren Pflege ihnen ihrer Natur nach ver- sagt bleiben muss. Wie sich noch ergeben wird, hätte die Floristik sogar in mehr als einer Hinsicht eine unmittelbare Förderung zu erwarten. — XXXVIII — Als Richtlinie für die Auswahl der zur besonderen Nachforschung bestimmten Arten wird sich vor allem der Begriff der pflanzen- geographi sehen Genossenschaft (Association) brauchbar er- weisen. Man versteht darunter, nachdem sich der Begriff von einer früher häufig begegnenden unklaren Verquickung mit dem Begriff der Pfianzenformation allmählich gereinigt hat, eine Gruppe von Arten, die regelmässig in geselligem Verband auftreten und zugleich in ihrem Gesamtareal gewisse charakteristische Züge unter sich gemein haben \ Das Zusammengehen ist teils auf die Gemeinsam- keit der Lebensbedürfnisse, teils auf eine, sei es einseitige, sei es gegenseitige ökologische Abhängigkeit zurückzuführen. Eine ge- meinsame Einwanderungsgeschichte ist für die Glieder einer Ge- nossenschaft als Regel anzunehmen^. Wie sich von vornherein erwarten lässt, gehen nun die Bestandteile einer solchen Genossen- schaft auch hinsichtlich ihrer topographischen Verteilung über ein kleineres Gebiet wie etwa Württemberg treulich Hand in Hand. Dadurch erhalten wir auf der einen Seite ein wichtiges Erkennungs- mittel für Arten von lückenhafter Verbreitung; denn hat es sich einmal herausgestellt, dass die Glieder einer bestimmten Genossen- schaft gewisse Landstriche meiden, so lässt sich auch für diejenigen Bestandteile, die bisher für allgemein verbreitet galten, mit grosser Wahrscheinlichkeit'vermuten, dass diese Angabe irrtümlich ist, dass die betreffenden Arten vielmehr in ihrer Verbreitung die gleichen charakteristischen Lücken aufweisen werden. Diese Vermutung wird, soweit meine Erfahrungen reichen , auch stets in schönster Gesetz- mässigkeit bestätigt ^. Zweitens aber bietet sich in der topo- graphischen Verteilung der Genossenschaften eine Thatsache dar, welche an Bedeutung die Verbreitungsverhältnisse der einzelnen Art weit übersteigt und zu einer wirklich rationellen Gliederung und ^ Es ist Loew's Verdienst, den Beü^riif in voller Klarheit herausfff stellt zu haben (Loew, Über Perioden und Wege ehemaliger Pflanzenwanderungeu im norddeutschen Tiet'Iande. Linnaea. Bd. 42. 1878/79). Neuestens braucht Schim- per (Pflanzeng-eographie auf physiologischer Grundlage 1898 — übrigens auch schon in früheren Arbeiten) das Wort in völlig anderem Sinne, nämlich für das, was man sonst Vegetationsform genannt hat. Sollte dieser Sprachgebrauch Nachahmung finden, so wäre man genötigt, stets zwischen Genossenschaften im systematisch-ptianzengeographischen und im physiologischen Sinn zu unterscheiden. '^ Es giebt aber auch Ausnahmen, und nur selten lässt sich für die Einwande- rungsgesclüchte der einzelnen Art ein strenger Beweis führen. Daher ist es nicht ratsam, diesen Punkt als konstituierendes ]\lerkmal in den Begriff aufzunehmen. ^ Beispiele weiter unten. — XXXIX — kartographischen Darstelhing eines Florengebiets von der Grösse unseres Landes vorzüglich geeignet ist. Nun sind die Genossenschaften von allgemein mitteleuropäischer oder gar allgemein nordischer Verbreitung mehr oder weniger gleich- massig über das ganze Land verteilt. Hierzu gehört die Mehrzahl unserer Wald-, Wiesen-, Ufer-, Ried- und Wassergewächse ^. Ihr Fehlen an einzelnen beschränkten Stellen ist mehr von lokalem, nicht von allgemein pflanzengeographischem Interesse ; sie kommen daher für unsere Erhebungen nicht in Betracht. Umsomehr die Ge- nossenschaften von lückenhafter Verbreitung : Gebirgspflanzen, atlan- tische, südeuropäische und pontische Genossenschaften. Am unmittelbarsten muss das Bedürfnis bezüglich der ersten Gruppe, der Gebirgspflanzen, einleuchten. Gerade von den wichtigsten unter diesen ist noch nicht einmal die horizontale, ge- schweige denn die vertikale Verbreitung bekannt. Dazu gehören ausser der Fichte und Weisstanne, deren ursprüngliches Vorkommen auch noch genauer erforscht werden dürfte^, Prenanthes piirpiirea, Centaurea montana, TrolUus Europaeus^ Phyteuma orbiculare, Gentiana verna, Polygonum bistorta, Polygonatum verticülatum. Von anderen sind zwar die Fundorte in einzelnen Landesteilen bekannt; dagegen dort , wo sie häufiger auftreten , ohne doch allgemein verbreitet zu sein, wie im Schwarzwald oder auf der Alb, sehen wir uns auf un- bestimmte Angaben angewiesen, so bezüglich der Arten Ämelanchier vulgaris, Arnica montana, Astrantia major, JBelUdiastrum Michelii, Carduus dofloratns, Gentiana lutea, Euhus saxatilis, Saxifraga aizoon, Stacliys alpinus, Valeriana tripteris. Besonders wünschenswert wäre es, die Verbreitung der bei uns durchaus montanen Hochmoor- genossenschaft {EriophoruDi vaginatHm , Vaccinium tdiginosum, V. oxycoccos, Andromeda polifolia) möglichst genau zu kennen. Aus der atlantischen Abteilung seien hier nur die berühmten Charakterpflanzen des westlichen Europa, Hex aquifolitwi und Digi- talis purpurea, genannt. Unter dem Namen der südeuropäischen Gruppe fasse ich 1 Näheres s. Gradmann, Pflanzenleben der Schwab. Alb. 1898. I. S. 238 ff. ^ Eine derartige Untersuchung erfordert freilich umfassendere Hilfsmittel, namentlich historischer Art. Aus diesem Grunde haben wir die beiden Arten nicht in den Kreis des gegenwärtigen Arbeitsplans aufgenommen. Die einzige Untersuchung über die spontane Verbreitung unserer wichtigsten Holzarten ist die Arbeit von Tscher ning, Beiträge zur Forstgeschichte Württembergs 1854 (Hohenheimer Programmschrift). - XL — die Arten zusammen , die diesseits der Ostsee , also noch innerhalb des Deutschen Reiches, ihre Polargrenze erreichen. Gewöhnlich gelten sie allesamt für wärmebedürftig; mit wie wenig Recht, das zeigt unsere Schwäbische Alb, auf deren Höhen sie besonders zahlreich vertreten sind, während sie in manchen tieferen Landesteilen fehlen. Ähnlich verhält es sich mit den pontischen Arten, deren euro- päisches Wohngebiet mit einer Nordwestgrenze abschUesst^ Auch diese entziehen sich jedem Versuch, ihre Verbreitungsverhältnisse auf das gegenwärtige Klima oder auch auf die Bodenbeschaffenheit zurück- zuführen, und liefern eben damit ein interessantes Problem. Zugleich sind es diese beiden Gruppen, die durch die eigentümlich zerstückelte Form ihrer Areale am meisten Leben und Charakter in die mittel- europäische Flora bringen und darum auch bei jeder pflanzengeo- graphischen Einteilung eine wesentliche Rolle werden spielen müssen, wie sie überhaupt von jeher ein Gegenstand besonderer Beachtung und mannigfacher Erörterung seitens der Botaniker gewesen sind. Die Bestandteile gewisser Genossenschaften von südeuropäischem und pontischem Charakter sind bei uns , soweit ihre Verbreitung genau bekannt ist, nicht bloss vom Schwarzwald, sondern ebenso vom Innern der Keuperhöhen, des Schönbuchs, Schurwalds, Mainhardter und Welzheimer Walds , der Limpurger und EUwanger Berge , der Frankenhöhe , wie auch vom eigentlichen Allgäu ausgeschlossen. Von anderen, deren Verbreitung erst genau festgestellt werden soll (z. B. Äster amellus, Buphuriim falcatum, Inula salicina, Peuce- danum cervaria, Polygonatum ofßcinale, Pulsatilla vulgaris), ist mit Bestimmtheit zu erwarten, dass sie sich ähnlich verhalten; aber an einem vollständigen Nachweis und an einer genauen Feststellung der Verbreitung dieser so merkwürdigen Genossenschaften überhaupt fehlt es noch durchaus. Solange diese Lücke nicht ausgefüllt ist, kann an die Herstellung einer wirklich guten Florenkarte für unser Vereinsgebiet nicht gedacht werden. Neben, ja noch vor solchen Bestandteilen pflanzengeographisch wichtiger Genossenschaften müssten diejenigen Arten, die innerhalb des Gebiets ihre absolute Verbreitungsgrenze erreichen, in erster ^ Der Ausdruck politisch stammt von Anton Kerner (Pflanzenloben der Donauländer 18()3). Ich Inauche denselben in stark erweitertem Sinn, wie dies bei den norddeutschen Botanikern längst üblich geworden. Über den Ursprung der betr. Arten soll damit zunächst gar nichts ausgesagt, vielmehr nur die Richtung, in der das Verbreitungscentrum liegt, ungefähr angedeutet werden. Das Wort soll gleichbedeutend sein mit dem blasseren Ausdruck südöstlich. — XLI — Eeihe in Betracht kommen. Diese linden jedoch ausnahmslos schon vermöge ihrer Genossenschaftszugehörigkeit Berücksichtigung und beanspruchen daher keine besondere Sorge mehr. Es ist wohl richtig, dass es auch sonst noch pflanzengeographische Gesichtspunkte giebt, welche eine genauere Erforschung dieser oder jener Art wünschenswert erscheinen lassen, und dass hier für die Auswahl ein gewisser Spielraum bleibt. Ebenso gewiss ist aber auch die Anzahl der Arten, die noch etwa in Betracht kommen können, eine beschränkte , und da es niemand viel verschlagen kann , wenn im Zweifelsfall eher ein paar Arten mehr hereingenommen werden, so ist kaum Gefahr vorhanden , dass an dieser Klippe die erstrebte Einigung scheitern könnte. 3. Das Verfahren. Befriedigende Ergebnisse sind ohne Zweifel nur dann zu er- zielen, wenn es gelingt, zwei Hauptgrundsätze, die sich von Hause aus zu widerstreiten scheinen, miteinander zu versöhnen. Der erste Grundsatz heisst: Heranziehung aller verfügbaren Quellen und Kräfte; der andere: strengste Kritik. Die letztere kommt im allgemeinen um so eher zu ihrem Recht, je mehr man sich auf einen kleinen Stab von wirklich erprobten Mitarbeitern beschränkt. Das mag für ein Florenwerk empfehlens- wert sein; ein solches braucht ja auf absolute Vollständigkeit der Verbreitungsangaben gar keinen Anspruch zu machen. Für eine pflanzengeographische Karte dagegen haben negative Thatsachen, d. h. Lücken eines Areals, fast das gleiche Gewicht wie die posi- tiven, und es muss daher, wenn nicht absolute, so doch die menschen- mögliche Vollständigkeit erstrebt werden. Aber die Kritik darf darunter nicht notleiden. Ausserhalb unseres Vereinsgebiets haben sich, wie bereits erwähnt, verschiedene botanische Landes- und Provinzialvereine die Erschliessung und Samm- lung der weit zerstreuten Einzelbeobachtungen gleichfalls zur Auf- gabe gemacht, indem sie die Spalten einer Vereinszeitschrift für floristische Veröffentlichungen aller Art möglichst weit öffnen. Ich möchte bezweifeln, ob dieses Verfahren zu weiterer Nachahmung sich empfiehlt. Abgesehen von dem schon wiederholt beklagten Übel- stand, dass die Auswahl der zu berücksichtigenden Arten hier stets eine mehr oder weniger willkürliche ist, kommt dabei gerade auch die Kritik zu kurz. Niemand giebt die Gewähr dafür, dass nicht auch ein minder zuverlässiger Sammler seine zweifelhaften Beobach- — XLII — tungen einfliessen lässt. Den Herausgebern von umfassenderen Floren- werken kann man es darum nicht verargen, wenn sie oft auch wirk- lich gediegene Beiträge dieser Art unberücksichtigt lassen; der Ferner- stehende ist eben nicht in der Lage, die Spreu vom Weizen zu sondern. Wie ist nun aber der Grundsatz einer möglichst ausgebreiteten Mitarbeiterschaft mit dem der Kritik zu verknüpfen? Sicher führen viele Wege nach Rom. Es würde aber kaum nützlich sein, die ver- schiedenen Möglichkeiten hier eingehend zu erörtern und die eigenen Vorschläge ausführlich zu entwickeln. Nur um überhaupt die Aus- führbarkeit nachzuweisen, will ich einen Weg hier angeben, von dem ich glaube, dass er gangbar ist und zum Ziele führt. Einer späteren Entscheidung soll damit in keiner Weise vorgegriffen werden. Mein Antrag ist: 1. Vom Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg bezw. von dessen Ausschuss wird eine pflanzengeographische Kommission eingesetzt. Diese bezeichnet die Arten, die zum Gegen- stand planmässiger Nachforschung gemacht werden sollen, und sucht eine Anzahl von etwa 30 möglichst gleichmässig über das Land ver- teilten Vertrauensmännern zu gewinnen, denen ein bestimmter Be- zirk zugeteilt und die Artenliste übergeben wird. 2. Den Vertrauensmännern fällt die Aufgabe zu, innerhalb ihres Bezirks die Quellen zu erschliessen und zugleich sie zu prüfen. Sie stellen die eigenen Beobachtungen zusammen , suchen die vor- handenen Sammlungen auf, knüpfen mit Hilfe der Lokalvereine, durch persönliche Vermittlung, unter Umständen auch durch öffentlichen Aufruf möglichst vielseitige Verbindungen an und erteilen den ein- zelnen Beobachtern, die sich zur Verfügung stellen, Rat und Aus- kunft. Die kritische Behandlung wird dadurch gewährleistet, dass von den Beiträge liefernden Beobachtern mindestens ein Belegexemplar für jede Art, von der überhaupt Fundorte mitgeteilt werden, ein- zufordern ist. In zweifelhaften und besonders wichtigen Fällen wird der Vertrauensmann auch noch weitere Auskunft verlangen , unter Umständen den angegebenen Fundort persönlich aufsuchen. Schliess- lich werden die Fundorte für jede einzelne Art, nach Markungen ge- ordnet, in ein Formular eingetragen und der Centralstelle übergeben. 3. Die von der Kommission zu bestimmende Centralstelle nimmt die Beiträge der Vertrauensmänner entgegen und besorgt den Eintrag der Ergebnisse in die Karte. Für jede einzelne Art wäre eine besondere Karte in Aussicht zu nehmen; als Grundlage etwa die Markungskarte Württembergs im Massstab 1 : 350000. So ent- — XLIII — stehen, zunächst handschriftlich, topographische Arealkarten. Hiermit wird zweierlei bezweckt. Erstens erhält man damit ein kostbares Material für alle späteren Studien und Veröffentlichungen, und zwar in einer übersichtlichen Form , wie sie auf keine andere Weise zu erzielen ist. Zweitens aber, und das ist ebenso wichtig, wird hie- durch eine weitere Kontrolle ermöglicht. Denn es ist bestimmt vorauszusehen, dass sich für jede Art eine gewisse Gesetzmässigkeit der Verbreitungsverhältnisse herausstellen wird ; Angaben , die von dieser Gesetzmässigkeit abweichen, fallen durch ihre Vereinzelung sofort ins Auge und können durch Einforderung der Belegexem- plare u. s. f. nachgeprüft werden, was unter allen Umständen wert- voll ist, sei es, dass eine Berichtigung oder auch eine Bestätigung des aussergewöhnlichen Vorkommens sich als Endergebnis heraus- stellt. In der Meteorologie wird ja ebenfalls ein kartographisches Verfahren angewandt, um die Angaben der einzelnen Beobachter sich gegenseitig kontrollieren zu lassen, nur dass man dort nicht in der günstigen Lage ist, über eine zweifelhafte Angabe sich nach- träglich noch direkte Gewissheit schaffen zu können. 4. Die Veröffentlichung der Ergebnisse soll gleichfalls in Form von Karten erfolgen, natürlich mit beigegebenem Begleitwort. Ist es nicht möglich, sämtliche handschriftlich hergestellten Areal- karten, nachdem sie revidiert sein werden, vollständig heraus- zugeben, so lässt sich um so gewisser eine Auswahl der wichtigsten zusammenstellen. Darunter dürfen vor allem die Arten , deren ab- solute Verbreitungsgrenze durch das Gebiet geht, nicht fehlen. Ist für diese mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der geographischen Botanik (Konstruktion von „Vegetationslinien") eine besondere Ver- öffentlichung der Arealkarte unerlässlich , so wird dagegen der bo- tanischen Geographie des Landes selbst mit einer zusammenfassenden Florenkarte am besten gedient sein. Eine solche wird am zwöck- mässigsten die Verteilung der Genossenschaften zum Hauptgegenstand der Darstellung machen, wofür der handschriftliche Arealkarten-Atlas neben den Angaben der Floren über die seltenen Arten die wichtigste Quelle sein wird. Zu bemerken ist noch: Zu Ziff. 1. Die Vermittlung durch Vertrauensmänner^ hat nicht bloss den Zweck der Arbeitsteilung; sie soll vor allem die Vorteile genauer topographischer Kenntnisse, der persönlichen Be- ^ Die Bayrische botan. Gesellschaft hat eine ähnliche Organisation, aller- dings mit wesentlich anderem Arbeitsplan, längst diuxhgeführt. — XLIV — kanntschaft mit den Sammlern sowie der Möglichkeit eigener Be- augenscheinigung der Sammlungen und Fundorte für die Sache nutzbar machen, Vorteile, die für eine Centralstelle nie in annähernd dem gleichen Mass erreichbar sind. Dass eine Zahl von dreissig Sachverständigen in unserem Vereinsgebiet zu finden sein wird, dürfte kaum bezweifelt werden, um so weniger als die Beherrschung von 80 — 100 Arten, von denen alle sogen, kritischen Formen grund- sätzlich ausgeschlossen bleiben, gewiss keine allzu hohen Anforde- rungen stellt. Die Fläche von durchschnittlich etwa zwei Oberamts- bezirken , wie sie auf einen Vertrauensmann käme , ist bei den gegenwärtigen Verkehrsmitteln auch zu bewältigen. Übrigens brauchen die Vertrauensmannsbezirke nicht gleich gross zu sein ; ihre Umgrenzung kann sich jeweils nach dem Mass der Arbeitskraft des einzelnen richten und wird überhaupt ausschliesslich nach prak- tischen Rücksichten erfolgen. Zu Ziff. 2. Die Arbeit, die hiermit den Vertrauensmännern zugemutet wird, ist allerdings nicht gering, sie ist aber auch un- gewöhnlich dankbar und anregend; sie gewährt die Möglichkeit, sich einen umfassenden Überblick über die floristischen Verhältnisse einer weiteren Umgebung zu verschaffen und, durch den Auftrag des Vereins gedeckt, überall Verbindungen anzuknüpfen und Erkundi- gungen einzuziehen. Die Besorgung einer meteorologischen Station fordert ein viel grösseres Mass von Opferwilligkeit und Selbst- verleugnung; und doch hat es hiefür an Freiwilligen nie gefehlt. — Noch weniger wird an Beobachtern Mangel sein, die sich für eine solche Sache zur Verfügung stellen. Es liegt im Lande eine un- gezählte Menge von Kräften brach, welche Lust und auch die Fähig- keit dazu hätten , sich in derlei wissenschaftlichen Hilfsdiensten zu bethätigen; sie finden nur den Weg nicht. — Als Fundbeleg seitens der Beobachter genügt in der Mehrzahl der Fälle ein einzelner blühender Spross ; von einer Ausrottungsgefahr kann daher nicht die Rede sein. — Als Rubriken für die auszugebenden Formulare denke ich mir etwa folgende : Artname Vorkommen Markung Nähere Bezeichnung des Fundorts Bemerkungen (fakultativ): Standortsverhältuisse, Substrat, Meereshöhe, Exposition u. s. w. — XLV — Die Sammler geben als Fundort gern Flurnamen, Wald- oder Bergnamen an. Die, zumal für die kartographische Darstellung, un- umgängliche Feststellung der Ortsmarkung ist in solchen Fällen für den Fernerstehenden schwierig und zeitraubend, häufig überhaupt unmöglich, da oft sehr geläufige Lokalnamen auch auf der topo- graphischen Karte nicht zu finden sind. Den mit den Örtlichkeiten genau bekannten Vertrauensmännern kann dagegen die Arbeit nicht schwer fallen ; ihnen soll sie deshalb auch zugewiesen werden. — Anderseits ist von den Beobachtern eine genauere Bezeichnung des Fundorts schon aus dem Grunde zu fordern, um Angaben aus unbestimmter Erinnerung thunlichst auszuschliessen und zugleich dem Vertrauensmann eine Nachforschung an Ort und Stelle zu er- möglichen ; ausserdem können solche Angaben für eine spätere genauere Feststellung der topographischen Verbreitungsgrenzen von grösster Wichtigkeit werden. Dagegen möchte ich vor dem Ver- langen nach Standortsangaben im eigentlichen Sinn, namentlich was das geognostische Substrat und die Meereshöhe betrifft, entschieden warnen. Diese Dinge sind nicht jedermanns Sache. Wird eine derartige Forderung allgemein gestellt, so werden dadurch viele, die sich dieser Aufgabe nicht gewachsen fühlen und doch sonst zur Mitarbeit wohl befähigt wären, abgeschreckt; ausserdem, was er- heblich schlimmer ist, würde man sich damit eine Menge irrtümlicher Angaben auf den Hals laden, welche auch die wirklich zuverlässigen Beobachtungen um ihren Kredit bringen müssten. Wer den Gegen- stand beherrscht und sorgfältige Beobachtungen angestellt hat, wird manche wertvolle Thatsache beibringen können; für alle andern ist Schweigen Gold. Was die unter Ziff. 3 und 4 empfohlenen Karten betrifft, so ist deren Herstellung durch die Centralstelle eine ganz geringfügige Arbeit, da man die von den Vertrauensmännern bereits nach Mar- kungen geordneten Fundortsangaben nur mechanisch zu übertragen braucht. Auch die Kosten der Veröffentlichung von solchen Areal- karten sind nicht bedeutend; die Anwendung eines erheblich ver- kleinerten Massstabs wie auch der billigsten Vervielfältigungsmethode (Zinkätzung) begegnet durchaus keinem Anstand. Nur für die vor- geschlagene Florenkarte wäre ein feineres Verfahren und die An- wendung von Farben erforderlich. Bedenkt man, welche Summen zur Förderung der Geologie und der Meteorologie aufgewendet worden sind und noch immer aufgewendet werden, so können derlei Pläne, die nur einen verschwindenden Brachteil jener Kosten be- — XLVl — ansprachen, gewiss weder unbescheiden noch unzeitgemäss genannt werden. Immerhin dürfte es angesichts des Apparats , den die Sache erfordert, nicht überflüssig sein, die zu erhoffenden Vorteile, um ethche weitere Gesichtspunkte vermehrt, noch einmal kurz zusammen- zustellen. 4. Der Nutzen des Unternehmens. 1. Die möglichst genaue Feststellung der Verbreitungsthat- sachen behält schon an und für sich ihren unbestreitbaren Wert für die Pflanzenkunde. 2. Durch eine Verbreitungsstatistik in der vorgeschlagenen Form wird zum erstenmal eine wirklich objektive Grundlage für eine rationelle pflanzengeographische Gliederung des Landes geschaffen. 3. In einer solchen kartographisch festgelegten Gliederung wird die Floristik künftig ein bequemes Mittel besitzen, um in grösster Kürze und Übersichtlichkeit die Verbreitungsverhältnisse der einzelnen Arten genauer, als dies bisher in gleicher Kürze möglich war, an- zugeben. 4. Die sogenannten Vegetationslinien können aus den Arealkarten unmittelbar abgelesen werden, womit der geographischen Botanik ein wesentlicher Dienst geleistet wird. 5. Da gewisse Genossenschaften (z. B. die Hochmoor- und Heidegenossenschaften) für eine bestimmte Pflanzenformation konsti- tuierend sind, so zeigt ihre Verbreitung direkt auch die Verbreitung der betreffenden Formation an , und die vorgeschlagene Florenkarte würde daher gleichzeitig zu einer wichtigen Vorarbeit für etwaige später herzustellende, auf die Formationslehre zu begründende Vege- tationskarten^ 6. Die Arealkarten liefern einerseits die bisher gänzlich fehlende topographische Grundlage für alle umfassenderen pflanzengeogra- phischen Übersichtskarten und gewähren anderseits die Möglich- keit eines späteren topographischen Ausbaues bis zu jeder gewünschten Genauigkeit. Sie lassen die (absoluten wie lokalen) Verbreitungsgrenzen der einzelnen Art deutlich genug erkennen, um später, zumal mit Hilfe der genaueren Aufzeichnungen aus der Hand der Vertrauensmänner, die Grenzen ohne allzu grossen Zeitaufwand * Über die Begriffe Flora und Vegetation vergl. z. B. Drude. Hand- buch der Prianzengeographie 1890; Christ, Pflanzenleben der Schweiz 1879. Eiül. — XLVIl — durch Abgehen genau bestimmen und in eine Karte beliebig grossen Massstabes eintragen zu können. Vielleicht wäre eine solche genauere Grenzbestimmung für die wichtigeren Arealkarten sogar schon vor der ersten Veröffentlichung durchzuführen. 7. Die gleichen Karten liefern eine Förderung zur Feststellung der vertikalen Verbreitungsgrenzen, indem sich durch Ver- gleich mit der Höhenkarte Fingerzeige dafür ergeben, in welchen Landesteilen die oberen und unteren Grenzen der einzelnen Art überhaupt zu suchen sind, so dass dieselben an Ort und Stelle nicht allzuschwer festgelegt werden können, 8. Auch für biologische Untersuchungen liefern die Areal- karten ein wichtiges Hilfsmittel. Die beste, erst neuerdings syste- matisch angewandte Methode zur Erforschung der Verbreitungsgesetze besteht in dem Studium des biologischen Verhaltens der Pflanzen- arten (Verkümmerung, eigentümliche Wuchsformen, Samenbildung, Erfrieren u. s. w.) an den äussersten Grenzen ihres Vorkommens ^ Derartige Grenzlinien werden durch unsere Arealkarten in hin- reichender Genauigkeit angezeigt, um ein Studium des Verhaltens der Pflanzen zu Klima und Boden, sowie zu den organischen Mit- bewerbern an den entscheidenden Punkten zu ermöglichen. Mit den Punkten 6 — 8 dürften anregende und dankbare Auf- gaben für künftige Lokalforschung angedeutet sein, 9. Durch die beantragten Erhebungen wird sich ungezwungen auch noch eine weitere Förderung der Floristik ergeben. Ver- trauensmänner wie Beobachter werden gewiss gerne bereit sein, bei dieser Gelegenheit neue Funde auch von sonstigen, kurz ausgedrückt, nicht obligatorischen Arten, der richtigen Stelle zu übergeben, Ent- deckungen , die sonst allzuleicht in Privatsammlungen vergraben bleiben. 10. Nicht die Botanik allein, auch Klimatologie und Geolo- gie, ja selbst die historischen Wissenschaften können aus den Er- gebnissen Anregung schöpfen, wie auch eine gewisse Bedeutung für den praktischen Pflanzenbau nicht zu bestreiten sein wird. Es ist schon oft beklagt worden, dass die meteorologischen Beobachtungen den Bedürfnissen der Pflanzengeographie zu wenig entgegenkommen, trotzdem die Klimatologie die Erforschung der Beziehungen zum ' Vergl. bes. Kihlman, Pflanzenbiologische Studien aus Russisch-Lapp- land 1890. S. n. Übrigens hat schon v. Middendorff in gleicher Richtung gearbeitet , wie auch z. B. N ö r d I i n g e r auf die Notwendigkeit solcher Unter- suchungen im pflanzengeographischen Abschnitt seiner Forstbotanik hinweist. — XLVIII — organischen Leben unter ihren Aufgaben nennt ; man kann aber auch nicht viel mehr erwarten, solange der Meteorologie die pflanzen- geographischen Probleme nicht greifbar in Gestalt von kartographisch festgelegten Verbreitungslinien dargeboten werden. Es wäre nicht übel, wenn z. B. die Stechpalmengrenze, sobald sie einmal genau bestimmt ist, auch mit meteorologischen Hilfsmitteln untersucht würde oder wenn überhaupt die wichtigeren pflanzengeographischen Linien in der Disposition von meteorologischen Nebenstationen berück- sichtigt werden könnten. Solche Linien können unter Umständen geradezu einen Fingerzeig zur Auffindung und genaueren Festlegung klimatischer Scheidelinien geben. Und was die Geologie betrifft, so zeigen die alpinen Pflanzengenossenschaften in ihrer gegenwärtigen Verbreitung unverkennbare Beziehungen zur ehemaligen Gletscher- bedeckung, die südeuropäischen und pontischen Genossenschaften zur Verbreitung des Löss und der diluvialen Steppenlandschaft wie auch zur Topographie der ältesten Besiedelung des Landes ^ Dem- nach darf der Gegenstand ein über den Kreis der botanischen Fach- wissenschaft hinausgreifendes allgemein geographisches Interesse beanspruchen. — Gefahr ist im Verzug. Fast jeder Fortschritt der Bodenkultur geschieht auf Kosten der interessantesten Standorte unserer alt- einheimischen Pflanzen. Mit jedem Jahr, um das wir die botanische Landesaufnahme hinausschieben , muss das Ergebnis dürftiger und lückenhafter ausfallen. Das Unternehmen scheint vielleicht gewagt, weil es bis jetzt ohne Vorgang ist. Allein — si parva licet com- ponere magnis — warum sollen die Schwaben nicht wieder einmal die Reichssturmfahne vorantragen? Es wäre nicht das erste Mal bei einer Unternehmung, die der Landeskunde zu dienen berufen ist, und in unserem Lande, wo sich die Gegensätze auf besonders engem Raum zusammendrängen, sind ja solche Unternehmungen auch be- sonders lockend und lohnend. Wenn es freilich gelänge, ein gemein- sames Vorgehen mit den massgebenden Kreisen unserer Nachbar- länder zu vereinbaren , so wäre damit der Wert der Ergebnisse so- fort um ein Mehrfaches erhöht. ' Gradraann a. a. 0. S. 807 ff., 321 ff. II. Sitzungsberichte. (Zusammengestellt von Kustos J. Eich 1er.) 1. Generalversammlung am 29. Juni 1898 in Heilbronn. (Über die Vorträge der Herren M.-R. Dr. Zell er, Prof. Dr. E. Fr aas, Pfarrer Dr. Engel, Lehrer Hermann, sowie des Frl. Dr. M. v. Linden, vergl. Abt. HI dieser Jahresh. S. 23, 36, 101, 387 u. 31.) Prof. Dr. Kirchner : Aus der Lebensgeschichte der einfach- sten Pflanzen. Von Zoologen und Botanikern werden mit Vorliebe die niedersten Organismen studiert, weil die Lebenserscheinungen und die Lebens- organe hier in einfachster Form vorliegen. Eine solche Gruppe bilden die ohne Zweifel auf einer der untersten Stufen des Lebens stehenden Spaltalgen, Cyanophyceen oder Schizophyceen, eine Schwester- abteilung gegenüber den Spaltpilzen (Schizomyceten, Bakterien). Die nahe Verwandtschaft dieser beiden Abteilungen, deren eine man oft zu den Algen stellt, während die andere meist zu den Pilzen gerechnet wird, erkannte zuerst der jüngst verstorbene, bekannte Breslauer Botaniker Ferdinand Cohn, der beide als Spaltpflanzen, ScMzophyia^ zusammenfasste, wie das auch im neuesten Pflanzensystem ^ geschieht. In der That sind gewisse Fadenbakterien, wie Ber/giatoa, Leptofhrix, Spirochaeta, lediglich durch ihren Mangel an gefärbten Plasmapartien (Chromatophoren) von den parallelen Gattungen der Spaltalgen zu unterscheiden. — Die ältere, d. h. früher bekannte Schwester, die Ab- teilung der Spaltalgen, ist von der jüngeren, den Spaltpilzen, schnell an Popularität und Ruhm überflügelt worden, aber auch sie bietet manches Bemerkenswerte, bei grosser Einfachheit im Aufbau des ganzen Pflanzenkörpers. Für das unbewaffnete Auge werden die Spaltalgen erst bemerk- lich, wenn sie in grösseren Massen auftreten; dann stellen sie sich dar als schleimige oder gallertige Massen , als Häute oder Rasen von dunkler Farbe: blaugrün, olivengrün, braun und schwärzlich herrschen * A. Engler, Die natürlichen Pflanzenfamilien. I. Teil 1. Abteilung a. Leipzig 1896—98. {Schizomycetes von W. Migula; Schizophyceae von 0. Kirchner.) Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1899. d vor. Ihre Zellen leben nicht selten einzeln für sich , oft in grösserer Anzahl durch ausgeschiedene Gallerte zusammengehalten; bei den höheren Formen bleiben die Zellen zu Fäden miteinander verbunden, die perl- schnurartig oder feinen Haaren vergleichbar sind; endlich können diese Zellreihen sich auch verästeln, mit dem unteren Ende festwachsen und auch äusserlich ansehnlicher werden. (Diese Dinge werden für die Systematik benützt, auf die Redner aber nicht näher eingeht; es werden jedoch zur Orientierung Herbarexemplare und Abbildungen herum- gegeben.) Die Vermehrung der Spaltalgen beruht auf dem einfachsten be- kannten Vermehrungsvorgange, der Zellteilung, daher der Name Spalt- algen, Schizophyceae. Die Zellen sind dadurch ausgezeichnet, dass das in ihnen enthaltene Chlorophyll mit einem zweiten Farbstoff ver- mischt ist, welcher gewöhnlich schön blau ist und deshalb Phykocyan genannt wird, aber auch in gelben, braunen und roten Modifikationen vorkommt, und mit dem grünen Chlorophyll Mischfarben verschiedener Art bildet. Das Phykocyan ist in seinem Vorkommen fast ausschliess- lich auf die Spaltalgen beschränkt. Ausser der vegetativen Zell- teilung besitzen viele Spaltalgen die Fähigkeit, Dauerzellen (Sporen) zu bilden, welche eine Ruhezeit durchmachen; sie bilden eine dicke, resistente Zellhaut und einen an Reservestoffen reichen, dichten Inhalt aus, und keimen später, indem sie sich teilen. Durch Geissein bewegliche Zustände, S ch wärmzellen, wie sie bei den Bakterien so häufig sind , giebt es bei den Spaltalgen nicht. Dagegen sind die fadenförmigen Arten mit einer eigentümlichen Bewegung begabt, welche zugleich der Ausbreitung der Arten dient. Bruchstücke der Zellfäden lösen sich nämlich vom ganzen ab, schlüpfen aus den scheidenartigen Röhren heraus, von denen die Fäden umgeben sind, und bewegen sich mit einer sanften gleitenden Bewegung durchs Wasser dahin. Man nennt sie Keimfäden; sie kommen später zur Ruhe und indem sie wachsen und sich vermehren , geben sie neuen Kolonien den Ursprung. Bei manchen Gattungen besitzen die Fäden ihr ganzes Leben lang diese Art von Bewegung; so namentlich bei den Oscillatorien (Schwingfäden), die ihren Namen davon haben. Die schwingende Bewegung befähigt die Fäden der letzteren auf ihrer Unterlage aus den gallertigen Scheiden hervorzukriechen oder am Rande strahlig in Fasern auseinander zu fahren. Diese Vorwärts- bewegung erfolgt unter Drehung um die Längsachse; doch findet sie nur bei Berührung mit festen Körpern statt, und zwar indem eine sehr zarte klebrige Scheide ausgesondert wird, aus der sich der sehr elastische Faden in schlängelnder Bewegung hervordrängt. Um 1 cm weit zu kriechen sind 40 — 70 Minuten erforderlich. Die Spaltalgen sind über die ganze Erde verbreitet und kommen mit Vorliebe an nassen Lokalitäten vor, wo sie zugleich der Luft aus- gesetzt sind, also auf feuchtem Boden und im Wasser selbst, namentlich an der Oberfläche desselben. Auf feuchtem Boden (Feld, Wege) ist besonders die Gattung Kostoc auffallend , deren grünliche oder bräun- liche Gallertmassen früher für Sternschnuppen-Gallerte gehalten wurden. - LI - Andere wachsen zwischen Moosen, an Baumrinden, an feuchten Steinen, Mauern und Felsen. In grossen Massen tritt im Hochgebirge an nackten, feuchten Felsen Gloeocapsa auf, dunkelbraune oder schwarze Überzüge bildend. Solche an der Luft lebende Spaltalgen aus den Gattungen Nosfoc und Anahaena nisten sich regelmässig zwischen den Zellen vieler Leber- moose ein, auch in den Geweben höherer Pflanzen, wie Gunuera und verschiedener Cykadeen. Sie suchen dort nur geschützte Plätze auf: „Raumparasiten". Derartige Vorkommnisse machen uns die Rolle verständlich , welche zahlreiche Spaltalgen (neben grünen Algen) im Flechtenkörper spielen, in welchem sie als „Gonidien" in Sym- biose mit dem pilzlichen Element der Flechten lebend, vorkommen. Die im Wasser wachsenden Spaltalgen finden sich im süssen und im salzigen Wasser; viele von ihnen bevorzugen Wasser, welches durch organische Substanzen verunreinigt ist, auch hierdurch an ihre Verwandtschaft mit den Spaltpilzen erinnernd. So Osciüatoria in schmutzigen Pfützen , ursprünglich am Boden kriechend , dann bei hellem Wetter durch Sauerstoft'blasen samt dem an ihnen haften- den Schlamm an die Oberfläche gehoben und unappetitliche, grün- liche, braune oder schwärzliche, schwimmende Fladen bildend, die un- angenehm moderig (nach Characin) riechen. Bei Regen werden sie zerstreut und sinken wieder unter. In dem neuerdings so viel untersuchten Plankton finden sich bisweilen in Menge auch Spaltalgen und spielen also eine wichtige Rolle als Urnahrung. Im Süsswasser sind es hauptsächlich Arten von Ana- haena und Clathrocystis , im Meere die neuerdings erst aufgefundenen Gattungen XantJiotrichum und Heliotriclnim. Unter den frei im Wasser schwimmenden Spaltalgen giebt es solche, welche sich immer an der Oberfläche halten, und wenn sie sich ■unter günstigen Bedingungen stark vermehren, sogenannte „Wasser- blüten'" bilden, die meist von blaugrüner, seltener von anderer Farbe sind; so giebt es im Süsswasser eine 2Iicroc//sfis ßos aqiiae , Anahaena ßos aquae, Aphanizomenon ßos aquae; besonders häufig ist die blaugrüne oder gelbliche Clathrocystis aerw/inosa (z. B. voriges Jahr im Starnberger See). Im Roten Meere bildet Trichodesmium eri/thmeum eine rote Wasser- blüte , woher der Name des Meeres kommen soll. — Zum Schwimmen an der Oberfläche sind sämtliche Wasserblüten bildende Spaltalgen (wie Klebahn nachwies) dadurch befähigt, dass sie in ihrem Zellinnern kleine Lufträume (Gasvakuolen) ausbilden. Unter den im Wasser vorkommenden Arten haben schon seit langer Zeit diejenigen die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, welche in den Thermen, und zwar in warmem bis heissem Wasser, leben. Schon in den Karlsbader Quellen und ähnlichen sind sie die einzigen Organis- men, welche die hohen Temperaturen ertragen können; in den Thermen von Valdieri findet sich PhormkUum valderianum bei einer Temperatur bis zu 55^ C; eine andere P/;or>» /r/in»?- Art aber, PJi. laminosum, wächst in den Geysirn des Yellowstone-Parkes bei 30 — 85° C, am schönsten ■entwickelt bei 54 — 68" C. — Hierauf gründet sich die Hypothese, d* - LII — dass derartige Spaltalgen wohl die ursprünglichsten Pflanzen auf der Erde gewesen sein möchten, zu einer Zeit, als die Temperatur der Erdoberfläche noch bedeutend höher war als jetzt. Endlich können Spaltalgen auch gesteinsbildend auftreten. Dies beruht darauf, dass sie dem Wasser, in Avelchem sie wachsen, durch ihre Assimilation Kohlensäure entziehen , und wenn das Wasser kohlen- sauren Kalk gelöst enthielt , so fällt dieser dann aus. Manche Spalt- algen , deren Fäden in schleimigen Scheiden stecken , häufen den kohlensauren Kalk in und zwischen ihren Scheiden in grossen Massen an und lassen ihn als Gestein zurück, wenn sie selbst allmählich ab- sterben. So erzeugen sie die inkrustierten Steine an den Ufern der Alpenseen, während insbesonders die festen Krusten an Wasserfällen und ähnlichen Orten dort wachsenden Bmdaria-Kvten (namentlich 7?. haemafites im Rheinausfluss aus dem Bodensee) ihre Entstehung verdanken. In grosser Mächtigkeit sind solche Niederschläge durch Vermittelung von Spaltalgen nachgewiesen als Travertin von Tivoli, Marmorterrassen der Mammuth-Springs im Yellowstone-Park; auch die Oolithe am Ufer des Grossen Salzsees in Utah und des Roten Meeres verdanken nach Rothpletz ihren Ursprung der Thätigkeit einzelliger Spaltalgen. Viel studiert wurde in neuerer Zeit der feinere Bau des Zell- inhaltes der Spaltalgen; durch seine grosse Einfachheit zeigt er eben- falls die tiefe Stufe dieser Pflanzen : höchst einfache Chromatophoren und vielleicht kein Zellkern. Prof. Dr. Lampe rt wies darauf hin, dass früher im Hafen von Heilbronn Dreissensia pölymorpha gefunden worden sei. Diese zu den Miesmuscheln gehörige Muschel ist vom Osten her vom Schwarzen und Asow'schen Meer in die Flüsse durch die Schiffahrt verschleppt worden, ebenso drang sie vom Rhein her flussaufwärts, gelangte so bis Hüningen und drang auch in die Nebenflüsse ein. So ging sie in den Main und von diesem durch den Donau-Mainkanal in die Donau ; im Neckar nun gelangte sie bis Heilbronn. Redner bittet die Heilbronner Herren, ihr Augenmerk auf das interessante Vorkommnis richten zu wollen. 2. Wissenschaftliche Abende des Vereins in Stuttgart. Sitzung am 13. Oktober 1898. 'e Die ersten Minuten nach der Begrüssung durch den seitherigen Vorsitzenden, Prof. Dr. Fr aas, galten dem Wahlgeschäft. Zum 1. Vor- sitzenden wurde Prof. Dr. v. Branco, zum 2. Vorsitzenden Prof. Dr. Klunzinger gewählt; das Schriftführeramt behielt Prof. Dr. Lam- pert bei. Als erster Redner sprach Herr Regierungstierarzt Henning, ein Stuttgarter Landsmann, der seit Jahren in Südafrika seine zweite Heimat gefunden hatte, über ,,Die Rinderpest in Südafrika". Der Redner hat die ganze grosse Kalamität der Rinderpest Süd- — LIII — afrikas mitgemacht und war als Assistent Geheimrat Koch's an her- vorragender Stelle mitbeteiligt an der Bekämpfung dieser Seuche. So viel auch die Blätter über die Rinderpest, die vor einigen Jahren in ganz Südafrika wütete, berichteten, jeder der Anwesenden wird einen vollen Eindruck der Grösse des Unglücks erst erhalten haben aus den lebenswarmen Schilderungen des Redners. Ungeheuer war die Sterblich- keitsziffer der befallenen Tiere; von Herden von 1500 — 2000 Stück kam öfters kaum ein Dutzend davon ; die Flüsse führten Tausende von ertrunkenen Tieren, welche das Fieber in das Wasser getrieben hatte, mit sich. Auf ungeheure Strecken war das Land verpestet vom Geruch der gefallenen Tiere. Im Anfang 1896 wurde der Vortragende von der kapländischen Regierung nach Norden gesandt, um die dies- seits des Zambesi ausgebrochene und von Jägern und Händlern als ,,Galleziekte" bezeichnete Rindviehkrankheit näher zu untersuchen. Henning fand, dass es die echte Rinderpest war. Die daraufhin von den verschiedenen südafrikanischen Regierungen erlassenen seuchen- polizeilichen Vorschriften, deren Ausführung die Kapkolonie allein über 20 Mill. Mk. kostete, waren nicht im stände, die äusserst ansteckende Krankheit auszurotten. Die Verhältnisse liegen eben hier ganz anders wie in Europa ; das Land ist ungeheuer gross und sehr wasserarm ; das Thun und Treiben von Schwarzen und Weissen ist schwer kon- trollierbar und Raubvögel verschleppen nicht selten die Seuche. Den Ausführungsbestimmungen der Seuchenpolizei wurde da und dort pas- siver, nicht selten aber auch aktiver Widerstand entgegengesetzt. Eine Rettung des Landes konnte nur von einer baldigen Auffindung einer praktischen Impfmethode kommen. Die südafrikanischen Regierungen wandten sich an Koch in Berlin. Auf einer ohne Rücksicht auf die Kosten vorzüglich eingerichteten Rinderpeststation in Kimberley experi- mentierte Koch mit seinen Assistenten Kohlstock und dem Redner, und schon 6 Wochen später konnte er 2 Immunisierungsmethoden be- kannt machen : die Blutserummethode und die Gallenimpfung. Da die letztere in ihrer Ausführung sehr einfach ist und da sie einen nicht unbeträchtlichen Grad von Widerstandsfähigkeit gegen das Rinderpest- gift in den damit geimpften Rindern erzeugt, so wurde besonders von dieser sehr ausgiebig Gebrauch gemacht. Bei weitem die Mehrzahl der Tiere des Oranje-Freistaats, des Basutolandes und der Kapkolonie wurde mit Galle geimpft und viele von der Pest heimgesuchten Distrikte haben heute noch 75 — 85 ''/o ihres ursprünglichen Bestandes. Wenn die Gallen auf einer sogen. Gallenstation gewonnen, dann gemischt und erst nach 24 Stunden verimpft werden, dann beträgt die durch die Impfung entstehende Verlustziffer nur 1 — 5°/o. Manche hielten das für zu viel und griffen daher zur Blutserumsmethode, deren Ausführung viel komplizierter ist, wenn damit eine einigermassen starke Immunität erzielt werden soll. Redner ist der Ansicht, dass es von grösserem Vorteil für das Land gewesen wäre , wenn man einzig und allein bei der von Koch besonders empfohlenen Gallenmethode geblieben wäre. Auch einer von den Buren selbst entdeckten Impfart wurde kurz ge- dacht. Dabei wird eine Mischung von Blut, Darminhalt und Galle — LIV — nach deren mehr oder weniger vollständigen Zersetzung in Wattekügel- chen aufgesogen und dann unter die Haut der armen Tiere gebracht. Wegen ihrer Unzuverlässigkeit hat die Methode jedoch keine Zukunft. Obwohl man dank den von Koch erfundenen Massregeln zur Zeit nur wenig mehr von der Rinderpest in Afrika sieht und hört, so ist doch zu fürchten , dass der Kampf gegen die Seuche bald wieder von neuem entbrennen wird. Es existieren schon wieder eine Masse noch ungeimpfter junger Tiere, und die Impfung allein ohne gleichzeitige Anwendung von anderen veterinärpolizeilichen Massregeln genügt nicht, diese Seuche aus Südafrika zu verbannen. Aber solche in Kraft zu setzen, ist nicht leicht, da die meisten Buren sagen: ,,daar is net een baas op myn plaats , en dit is ik" , d. h., es giebt nur Einen Herrn auf meiner Farm, und das bin ich. Der Vortrag rief eine angeregte Besprechung hervor, in der der Redner auf Anfragen von verschiedenen Seiten noch weiterhin Mit- teilungen gab , besonders über die Krankheitserscheinungen und die Veränderungen der einzelnen Organe. Die Krankheit beginnt mit Temperaturerhöhung, dann stellt sich ein charakteristischer kurzer Husten ein , der ganz verschieden ist vom Lungenseuchehusten. Am 3. Tag erfolgt Ausfluss aus dem Maul und Augen , dann lässt der Appetit nach ; es entstehen Darmstürungen und gewöhnlich nach 7 bis 10 Tagen nach Beginn der Krankheit stirbt das Tier. Die Krankheit wird auch verschleppt durch die wilden Büffel, durch Antilopen und Vögel. Der Erreger dieser, den Wohlstand Südafrikas schwer schädigen- den Seuche ist trotz eifrigen Suchens bis jetzt noch nicht gefunden. (Schwab. Kronik. No. 245 vom 20. Okt. 1898, pag. 2189.) Als zweiter Redner sprach Prof. Dr. Klunzinger über das Thema „Naturgeschichtliches aus Venedig". Redner gab zunächst als Einleitung eine kurze Schilderung des topographischen Aufbaues- der Stadt und Umgegend, der Bildung der Lagune mit dem Lido und deren Erhaltung durch die Kunst des Menschen. Insbesondere wurde die Bodenbeschaffenheit der Lagune geschildert mit ihrem Adernetz von Furchen oder Kanälen, ihren sumpfigen, meist nur zur Ebbezeit ent- blössten Vorragungen, den Barene, Velme und Paludi, und den mehr oder weniger ausgedehnten tieferen Räumen und Strecken, den für die Fischerei (s. unten) so wichtigen Valli, Die Stadt selbst steht auf 118 Inseln, deren grösste und älteste der Rialto ist; der Rest des Zwischenwassers derselben, welches durch Pfahlgrund immer mehr zu- gebaut und verengert wurde , sind die kleineren Kanäle : Venedig ist Insel- und Pfahlbaustadt zugleich. Von Säugetieren findet man in der Stadt nur Hunde und Katzen und zum Milchverkauf Kühe und Ziegen, sehr viele Ratten. Pferde und Esel jetzt nur auf dem Lido, wo sogar eine Pferdebahn ist; jene dienten aber noch vor nicht gar langer Zeit, als die Strassen, Gässchen und Plätze der Stadt noch nicht gepflastert waren, wesentlich als Kommunikationsmittel durch den Sumpf und Kot. Die Tauben von S. Markus, keck und zudringlich, werden einer geschichtlichen Erinnerung wegen bekanntlich sehr geschont und gefüttert. In der Lagune reiche Jagd auf Wasservögel. — LV — Der grosse Fischmarkt in der Nähe der Rialtobrücke war in der Karwoche sehr reich besetzt. Die Lagune liefert Flachfische (eine Art Flundern und Rochen), kleine Haifische, Meergrundeln, Seehahn, Froschfisch, Petersfisch, Seebarben, Goldbrassen, Meeräschen, viele Aale. Hauptstücke waren die zahlreichen , oft über 1 m langen Seebarsche (Lcibrax lupus) und einige Störe. — Die offene See brachte Sardinen und Sardellen, Makrelen und Thunfische, das süsse Wasser, wohl des Gardasees, Seeforellen. Eine hübsche Seltenheit war die Figa (Stroma- teus fiatola). In grosser Menge lagen Tintenfische da, und in grösster die Krabben, granzi (Carclnus maenasj, viele davon eben in der Häutung und weich, als Moleccas, in diesem Zustand eine besondere Lieblings- speise der Venetianer. Die Krabbe zeichnet sich aus durch ihre Ubiquität in Venedig: im Schlamm, am Strand und am Ufer. Der Umsatz, da sie ebenso zum Essen wie als Lockspeise dient und weithin ausgeführt wird , beträgt mehrere hunderttausend Centner und Mark im Jahre. Ausserdem Garnelen und Heuschreckenkrebse. Andere frutti di mare sind mancherlei Muscheln, cape, und Meeresschnecken, besonders Mnrex. In einigen grösseren Fischläden daselbst findet man auch einige getrocknete Ware, wie Schalen von Taschenkrebsen, Langusten, See- pferdchen u. dgl. In Volksküchen ebenda kann man sich all diese Darbietungen des Fischmarkts aus erster Hand schmecken lassen und bekommt als Basis noch Pollenta dazu. — Als Vor- oder Nachstudium für die Fische ist der Besuch der zoologischen und vergleichend- anatomischen Sammlung im Institut der Wissenschaften zu empfehlen; man findet eine nahezu vollständige Lokalsammlung der Fische hier: die grossen, oft sehr seltenen Exemplare gut aus- gestopft, die kleineren in Weingeist und neuerdings in Formalin. Der Direktor, E. F. Tkois, hauptsächlich Ichthyolog, verzeichnet alle seltenen und merkwürdigen Formen, die eingehen, sorgfältig in den Schriften des Instituts, so dass kein Vorkommnis der Wissenschaft entgeht. Sehr sehens- wert sind die von demselben gefertigten anatomischen Fischpräparate, be- sonders Injektionen der Lymphgefässe mit einer gelben Masse von Chrom- blau oder Kadmium gefüllt iind auf Glasplatten getrocknet, zierlicher und feiner als die berühmten Spitzen von Burlano. Reich und vollständig ist auch die Lokalsammlung der Vögel von Venedig und Umgegend, besonders der Wasser- und Stelzvögel. Die Sammlung ist nicht für jedermann zugänglich, für Fachmänner macht der Direktor den liebens- würdigen Führer. Sehenswert für die, welche sich für Fischerei inter- essieren, ist die Sammlung von Schiffsmodellen und Fischerei- gerätschaften, welche sich im Museo Correr oder civico befindet, vor einigen Jahren von Präparator Minotto hergestellt. Über die Fischerei u. dgl. erhält man beste Auskunft bei Dr. Levi-Moeenos , dem Gründer und Vorstand des Fischereivereins in Venedig (der societä regionale di pesca ed agricultura oder valli- cultura) und Herausgeber der Zeitschrift ,,Neptunia". Der Verein bezweckt Verbesserung der Fischpflege , Aufklärung der Fischer und strengere Beobachtung der auch hier bestehenden Fischereigesetze (von 1877). Leider war genannter Herr infolge eines Armbruchs verhindert. - LVI — mit dem Verfasser eine Fahrt in die Lagune zu machen, um die Fischerei und insbesondere die Valli-cultura zu zeigen. Ich bekam aber doch eine Übersicht über die Lagune und die Fischerei daselbst durch eine Rundfahrt (giro) auf einem Dampfer, der nach Burano und Torello bis ins offene Meer hinaus und durch den Hafen bei S. Nicolo wieder zurückfuhr. Zur Zeit der Ebbe, welche hier fast 1 m beträgt, heben sich jetzt grössere Strecken entblössten Landes von dem tieferen Wasser ab , die Barene und Paludi , es zeichnen sich deutlicher die ,, Kanäle", die grösseren, als Fahrstrassen benützten, mit hochaufragen- den Pfosten begrenzt, man kann auch die Valli unterscheiden: grössere oder kleinere, tiefere Gründe, gewissermassen kleinere Lagunen in der allgemeinen Lagune, umgeben von einem mehr oder weniger vorragen- den Wall, fast atollartig. Diese dienen seit uralten Zeiten, eine Eigentümlichkeit Venedigs, zur Fischerei, sie sind Eigentum oder ver- pachtet, und ihre Pflege ist durch besondere Gesetze geregelt. Man unterscheidet offene und geschlossene Valli : bei letzteren wird auf den seichteren Wall, der zur Ebbezeit bloss liegt, ein Gitterwerk (grisiula) von Rohr und Pfählen aufgesetzt , damit die Fische zur Flutzeit nicht entweichen können, während das frische Wasser zutritt; andere sind ganz umwallt und haben nur eine Schleuse als Zugang. Man fischt innerhalb oder von auf den Wall aufgesetzten Fischerhütten aus, die auch zur Jagd dienen. In die offenen kann man zur Flutzeit hineinfahren und mit Netzen fischen. Die Valli dienen als Streich- , Aufzachts-, Streck- und Abwachsteiche, wie bei der Teichfischzucht am Lande: man fängt mit besonderer Erlaubnis Brut oder junge Fische (pesci noveli) und setzt sie in die Valli, welche reich au pflanzlicher und tierischer Nahrung sind, und so werden sie ohne Fütterung gross- gezogen. Die erwachsenen marktfähigen Fische kann man jederzeit bei Bedarf, zumal in den als Abwachsteichen benutzten, in dem verhältnis- mässig engen Raum, mit Netz oder Angel fangen: es sind besonders Aale {Angtiilla vulgaris, auch Mioriena), Meeräschen (Mugil), Goldbrassen, die sich hierfür eignen. Künstliche Befruchtung wird bis jetzt noch nicht vorgenommen. In der Lagune kann man die Fischer bei ihrer Hantierung vom Dampfer aus beobachten : von 1 oder 2 Booten aus wird das Zugnetz mit Sack ausgeworfen , auf dem Grund hin- und wieder auf- gezogen; andere angeln oder fischen mit Senknetz. Wieder andere fangen im Schlamm zur Ebbezeit kleine Fische oder frutti di raare, mit der Hand oder mittels Rechens und angesetztem Sack, so besonders in der Laguna morta, wie man bei der Fahrt auf der Eisenbahnbrücke sehen kann. Die Lagunenfischerei wird von Venetianern betrieben, die auf dem Meere aber seit alten Zeiten von den Fischern von Chioggia, welche die Märkte von Triest bis Ravenna versorgen, und mehr auf dem Meere als am Lande leben. Die jeweilige Beute wird durch be- sondere Schiffe abgeholt und den Märkten zugeführt. Eine Fahrt auf einem kleinen Fischerboot (Sandel, nicht Gondel!) in der Lagune mittels feinen Netzes ergiebt reichliches Plankton, mit Calaniden (nicht C'i/clops und Daplmia) , wenigen Ceratien und einigen — LVII — Polythalamien. Beim Einfahren in einen der engen Stadtkanäle zur Ebbezeit sieht man an den Mauern der Häuser die Flutmarke, zu oberst eine 20 cm hohe Schicht von Meereicheln, dann eine grössere, die Laminarienzone, mit grünen, braunen und rötlichen Algen, und da- zwischen Schnecken (Patella, Nassa) und, kleinen Actinien besetzt; namentlich wimmelt es hier von rasch laufenden Meerasseln (Ligia) ; und die gemeine Krabbe, s. o., darf nicht fehlen. Im grünlich schimmernden Wasser, hier und in der Lagune, treibt sich ein silberglänzendes Fischchen herum : man möchte es für das ,, Laugele" unseres Bodensees halten ; es gehört aber zu einer ganz andern Abteilung und hat nur Aussehen und Lebensweise mit jenem gemeinsam: das Ährenfischchen (Athcrina liepsetus , die ,,anguela"). Blickt man an den Häusern und Palästen empor, so sieht man, selbst wenn sie aus dem reinsten weissen Marmor gemacht sind, überall schwarze, graue Flecken, ,, altersgrau", wie man meint , die Ursache ist nicht mineralischer Staub oder Kohle, sondern es sind niedere Algen : Gomphosphaeria und Gloeocapsa , welche auch in Kalkgebirgen und an Mauern bei uns das Gestein schwärzen. Sieht man abwärts, so möchte man wohl gern das Pfahl werk, worauf die Mauern der Häuser und der Uferstrassen (Fundamenta) ruhen, erblicken, aber vergebens; wie man auch in unseren Alpenseen die Pfahlbauten nur bei ganz besonders niederem Wasserstand sehen kann, und die Gelegenheit, neu errichtetes Pfahlwerk oder Ausbesse- rungen mit anzusehen, ist eine seltene. Aber man kann sich eine Vor- stellung davon machen durch Betrachtung eines Modells: im Arsenal- museum findet man ein solches von einer Arsenalschmiede im Durch- schnitt mit allen Einzelheiten. Zur Ausführung des Pfahlwerks muss erst, wie bei Erbauung anderer Wasserwerke, z. B. eines Wehres, das Wasser an der Stelle abgedämmt werden; dann werden starke Pfähle von Eichenholz eingerammt und durch die mächtigen Schichten weichen und festen Schlammes bis zu einer Tiefe von 3 — 9 m durchgetrieben, bis sie das Liegende , die Grundschicht, einen harten Thonmergel er- reichen, das sogen, caranto. Nun werden sie oben gleichmässig ab- gesägt und durch Querpfähle verbunden, und so ein Rost gebildet, der noch mit starken Dielen von Lärchenholz belegt wird. Hierauf erst kommt ein Fundament aus Quadersteinen oder Cement (Terrazzo), worauf man ohne Gefahr die Mauern aus Werkstein oder Marmor, die aus den Alpen oder dalmatinischen oder istrischen Bergen kommen, aufsetzen kann. Die Pfähle werden gar nicht vom Pfahlwurm (Teredo) angegriffen, da sie nicht im frischen Wasser, sondern im Schlamm liegen, während die Pfähle in der Lagune, welche zur Bezeichnung der Uferstrassen, oder zum Anbinden der Schiffe dienen und hervorragen, alle 12 Jahre erneuert werden müssen. Jene Pfähle werden im Gegen- teil durch Imprägnierung mit einer salzigen Kruste hart und fest wie Eisen. Von dieser Seite steht Venedig auf festem Grund. Die Pilo- tierung ist aber sehr teuer, und kommt oft teurer als das Haus, selbst als ein Marmorpalast. Daher baut man keine neuen Häuser, und sind die alten so hoch, die Gässchen so eng. Bei einer Fahrt auf den Lido geht man über die schmale Land- — LVIII — zunge bis zum Strand , wo das offene Meer brandet. Hier kann man ausser der Strandflora Strandkrabben und ausgeworfene Muscheln und Schnecken, Sepienschulpen u. dergl. sammeln; solche sind hier in grosser Zahl und Mannigfaltigkeit zu finden, im Gegensatz zu dem muschel- armen Strand der Riviera des Tyrrhenischen Meeres. Immer sind Ver- käufer von Muscheln da. Nicht zum geringsten sind des Studiums wert die längst abgestorbenen Schalen mit den angesetzten Serpulen, Bryozoen, kleinen Austern oder den Anbohrungen durch Bohrmuscheln oder Bohrschwämme fVioa), wodurch sie oft siebfürmig durchlöchert sind. Auffallend arm ist der Sand daselbst an Fo raminif er en oder Thala- mophoren , während von anderen Orten angegeben wird, dass 1 g 50 000 Schalen enthalten könne. (Autorreferat.) Ausserordentliche Versammlung am 10. November 1898 o Herr Hofrat Prof. Dr. 0. L e h m ann - Karlsruhe sprach über ,,Krystallstr uktur und flüssige Krystalle". Zu dem Vortrag, der im Vortragssaal des Landesgewerbemuseums stattfand, waren auch die Mitglieder des Stuttgarter ärztlichen Vereins, sowie viele Damen erschienen; eine sehr geschickte Aufstellung, die der Vortragende bezüglich der Sitzplätze treffen Hess, ermöglichte es, dass trotz dieser grossen Zuhörerzahl jeder der Anwesenden den Demonstra- tionen gut folgen konnte. Nach einleitenden Bemerkungen über die Wichtigkeit mikrosko- pischer Untersuchungen der für die physikalischen und technischen Eigenschaften massgebenden inneren Struktur der Stoffe, Untersuchungen, die zu.gleich eine so angenehme und unterhaltende Beschäftigung bilden, dass eine im vorigen Jahrhundert erschienene Beschreibung sogar den merkwürdigen Titel führt: ,, Mikroskopische Gemüts- und Augen- ergötzung", wandte sich der Vortragende zunächst zur Erörterung der Frage : Sind die Krystalle , aus welchen sich die meisten Körper zu- sammensetzen, und welche, wie an einem salzartigen Präparat gezeigt wurde, die Fähigkeit haben, zu wachsen und Verletzungen auszuheilen, Einzelwesen , vergleichbar niedersten Organismen , oder sind sie selbst zusammengesetzt ? Die Bildung von Krystallskeletten, speciell beim Eis als ,, Schneesterne" allgemein bekannt, scheint für die erstere Annahme zu sprechen , welche früher — man denke an die Krystallisation des ,,Homunculus" im 2. Teil von Goethe's Faust — sehr verbreitet war, aber auch heute noch Anhänger zählt. Sie ist heute widerlegt, inso- fern die mikroskopischen Versuche gezeigt haben, dass jene merk- würdigen Gebilde, deren Entstehung bei Salmiak und Zinn demonstriert wurde, lediglich durch äussere Umstände hervorgebrachte Missbildungen sind. Die Erkenntnis dieser Thatsache führte bereits zu Nutzanwendungen bei der chemischen Analyse und in der chemischen Industrie zur Er- zielung vollkommener Krystalle. Darauf, dass die Krystalle zusammen- gesetzt sind und eine feinere unsichtbare innere Struktur besitzen, weist namentlich die Thatsache hin, dass nicht alle sonderbaren Formen, — LIX — z. B. die farnkraut- oder blumenkohlähnlichen Krystallbildungen , die sogen. „Eisblumen", die wir im Winter an gefrorenen Fensterscheiben beobachten, sich auf Störungen durch äussere Umstände zurückführen lassen. Auch Gründe mehr philosophischer Natur führen zu der An- nahme , die Krystalle seien regelmässige Aggregate von gleichartigen Atomgruppen ,, Molekülen", aus der sich die Zahl der Krystallsysteme, die Gestalt der möglichen Krystallformen, das eigentümliche Verhalten krystallisierter Körper gegen mechanische Kräfte und insbesondere ihr Verhalten im polarisierten Lichte , welches an zwei farbenprächtigen Präparaten demonstriert wurde, ohne Schwierigkeit ableiten lassen. Sind nun die Moleküle , welche einen Krystall zusammensetzen, stets sämt- lich gleich, oder können auch fremde Moleküle in einem Krystall Auf- nahme finden? Man nahm bisher an, nur Moleküle isomorpher, d. h. gleichkrystallisierender und chemisch verwandter Körper könnten sich am Aufbau eines Krystalls beteiligen , dem Vortragenden ist es aber gelungen , nachzuweisen , dass selbst ganz fremdartige Moleküle ein- krystallisieren können, doch nur unter mehr oder minder beträchtlicher Störung der Struktur des Krystalls, welche zur Entstehung gekrümmter oder moosartig verzweigter oder völlig kugelrunder centralfaseriger Aggregate, sogen. Sphärokrystalle führen kann. Auf das Gesetz des Iso- morphismus stützt sich namentlich die Systematik der Mineralogie, und es lag daher die Vermutung nahe , dieselbe müsse eine durch- greifende Änderung erfahren , nachdem das genannte Gesetz als nicht vollkommen zutreffend erkannt war. Diese Befürchtung ist unbegründet, da normal ausgebildete Mischkrystalle stets isomorphe Mischungen sind, mit einer einzigen, nur scheinbaren, Ausnahme, falls nämlich der eine oder beide Bestandteile dimorph sind, d. h. in verschiedenen Systemen krystallisieren können. Nachdem dies an einer Reihe von Präparaten, welche meist sehr schön gefärbte, zierliche, bald sehr regelmässig ge- formte, bald merkwürdig verzerrte Krystalle ergaben, demonstriert war, wandte sich der Vortragende zur Erörterung der weiteren Frage , wie hat man sich die Konstitution dimorpher Modifikationen eines Körpers vorzustellen? Ist nur die Anordnung der Moleküle verschieden oder der innere Bau derselben ? An einer Reihe von Präparaten, welche höchst merkwürdige Umwandlungen derartiger Modifikationen ineinander im festen Zustande zeigten, wurde dargelegt, dass die Umwandlungen mit einer so eingreifenden Änderung sämtlicher Eigenschaften verbunden sind, wie sie durch künstliche Störung der Molekularanordnung, z, B. durch Ausschmieden der Krystalle, nicht erzielt werden können, somit der Unterschied der Modifikationen in einer Verschiedenheit der Mole- küle beruhen muss. Hochinteressant waren die nun folgenden Vor- führungen, durch welche der klare Beweis erbracht wurde, dass Krystalle existieren, welche so weich sind, dass sie dem geringsten Druck nach- geben und zum Fliessen gebracht werden können , wie etwa Sirup, dabei aber ihre innere Struktur nicht einbüssen und sie, falls sie allzu- sehr gestört würde, im Ruhezustande wieder herzustellen suchen. Zwei solche Krystalle können zu einem grösseren zusammenfliessen; unregel- mässige Fragmente eines Krystalls kommen so lange nicht zur Ruhe, — LX — bis sie wieder normale Struktur erlangt haben. Durch Zusammen- fliessen eines Krystalls mit beiden Enden oder mehrerer Krystalle können kugelförmige Krystalle entstehen , die kein Bestreben mehr zeigen , in die normale Form zurückzukehren. Solche ,,Krystalltropfen" wurden bei einem Präparat gezeigt , welches keine Spur von Festigkeit mehr erkennen Hess, vielmehr flüssig war wie Wasser. Solche Krystalltropfen können zusammenfliessen oder in kleinere Tropfen zerteilt werden und zeigen dann fortdauernde Änderungen der Struktur bis eine Gleich- gewichtslage erreicht ist , bei welcher die Moleküle entweder parallel oder senkrecht zur Oberfläche gestellt sind. Durch angrenzende feste Körper, welche eine dünne Molekülschicht festhalten oder durch Lösung fremder Stoffe in diesen ,, flüssigen Krystallen" kann die Herstellung jener normalen Orientierung der Moleküle begünstigt oder gehindert werden. Ist das Auftreten der ,, flüssigen Krystalle", deren innere Struk- tur nicht durch elastische Kräfte erklärt werden kann (der Vortragende sieht die Ursache in den gegenseitigen Stössen der Moleküle , welche die Moleküle parallel zu richten suchen, wie etwa Drahtstifte, die man in einer Schachtel schüttelt, den Wänden parallel werden) schon an sich sehr merkwürdig und im Widerspruch mit den bisherigen Vor- stellungen über das Wesen der Krystalle , so sind es nicht minder die sich daraus ergebenden Konsequenzen , welche sich dahin zusammen- fassen lassen: der Satz ,, Jeder Körper hat drei Aggregatzustände" ist unrichtig; es giebt Körper, die scheinbar sechs und noch mehr Aggregatzustände haben. In Wirklichkeit kann jeder Körper nur in einem Aggregatzustand, in einer Kyrstallform auftreten; die sogen, verschiedenen Aggregatzustände sind nicht durch die Anordnung der Moleküle , sondern durch den inneren Bau verschieden , es sind somit geradezu verschiedene Stoffe. Die nicht krystallisierten sogen, amorphen Körper, wie z. B. gewöhnliches Glas, sind weder, wie man angenommen hat, Aggregate unsichtbar kleiner Kryställchen , noch auch sehr zähe Flüssigkeiten. Es sind Mischungen, in denen die Parallelrichtung der Moleküle durch fremde Moleküle gehindert ist, und es lässt sich schon daran , ob sie bei längerem Stehen eine vollkommen ebene Oberfläche annehmen oder nicht, mit Sicherheit angeben, ob ihr Aggregatzustand flüssig oder fest ist. Die bisherigen Definitionen hatten zu dem ab- surden Resultat geführt, dass z. B. ein Trinkglas, mit jener demon- strierten leichtflüssigen krystallinischen Flüssigkeit gefüllt, als ,, flüssig" bezeichnet werden musste, der leichtflüssige Inhalt dagegen als ,,fest". Durch die neuen Versuchsergebnisse ist dieser Widerspruch beseitigt. Sie machen ausserdem wahrscheinlich , dass auch in festen Körpern die Moleküle noch wandern können , und in einem sehr auffälligen Fall , Durchwandern eines Silberstabes durch einen Jodsilberkrystall in völlig unsichtbarer Form, d. h. in Atome aufgelöst, lässt sich dies auch direkt experimentell mittels des Mikroskops erweisen. Zum Schluss machte der Vortragende nochmals darauf aufmerksam , wie wichtig solche Untersuchungen für die Erkenntnis der Konstitution der Materie und die Abhängigkeit der Eigenschaften von derselben sind, wie einfache , jedem zugängliche Mittel zur Durchführung derselben — LXI — ausreichen und eine wie unterhaltende und angenehme Beschäftigung diese Studien bilden. (Schwab. Kronik No. 259 vom 5. Nov. 1898, S. 2313.) Sitzung am 17. November 1898. o Zu Beginn der Sitzung gedachte der Vorsitzende, Prof. Dr. Klunzinger, zunächst mit warmen Worten des vor kurzem verstorbenen langjährigen Vereins- und Ausschussmitgliedes Dr. Fr. Ammermüller, indem er in Kürze auf dessen Lebensgang und naturwissenschaftliche Bestrebungen hinwies. Sodann sprach Prof. Dr. G m e 1 i n - Stuttgart über ,,Die An- passung des Neugeborenen". Der Redner führte aus, dass es sich nicht um Anpassung im DAKWiN'schen Sinne handle, sondern vor allem um Anpassungsmechanismen , daneben aber um Anpassung persönlicher Art durch Gewöhnung auf vegetativem Gebiet oder Übung auf animalem Gebiet. Die sinnfälligste Anpassung erfolgt durch An- passungsmechanismen ; durch diese besteht der Fötus die Kata- strophe der Geburt ohne Schaden für sein Leben und findet den Übergang von der placentaren Atmung und Ernährung zu der Lungen- atmung und Ernährung durch den Darm. Die wichtigsten Unterschiede machen sich geltend im Cirkulationsapparat. Der Redner erinnert zu- nächst an die Verhältnisse beim entwickelten Organismus und bespricht sodann die Abweichungen beim Fötalkreislauf. Es lässt sich bei dem- selben kein kleiner und grosser Kreislauf unterscheiden, beide Vor- kammern erhalten venöses Blut, beide Kammern versorgen das Aorten- system, der Lungenkreislauf ist nur ein Anhängsel. Der fötale Blutdruck charakterisiert sich besonders durch den Mangel eines negativen Druckes, weil noch keine thorakale Aspiration erfolgt. Das fötale Blut enthält weniger Blutkörperchen, als das Blut der Mutter, dagegen mehr Hämo- globin ; auch sind sie kernhaltig, während den Blutkörperchen der Geborenen der Kern bekanntlich fehlt; weisse Blutkörperchen wandern von der Mutter zum Fötus hinüber als Träger des Nährmaterials. Der Übergang vom fötalen Kreislauf zum ausgebildeten vollzieht sich langsam. Es fliesst allmählich mehr Blut nach den Lungen, das ovale Loch wird enger , ebenso wie der für den Fötalkreislauf charakteristische Ductus ßotalli. Erfolgt die Loslösung der Placenta , so hört der Zufluss von der Nabelvene auf; das Blut geht jetzt von der rechten Kammer nach der Lunge. Im rechten Herzen sinkt der Blutdruck , links steigt er. Mit dem ersten Atemzug tritt der negative Druck ein. Wie kommt der erste Atemzug zu stände ? Redner führt des Nähern aus, dass mit Loslösung der Placenta sehr rasch Verarmung an Sauerstoff auftritt, während das Blut vorher sauerstoffreich war und dadurch das Atem- centrum erregt und die Atembewegung hervorgerufen wird. Auch im Darmkanal vollziehen sich Anpassungen. Der Darm wird zu der peri- staltischen Thätigkeit, die Darmdrüsen zur Sekretion durch Aufnahme der Amnionflüssigkeit angeregt. Beim Mundspeichel stellt sich die — LXII — zuckerbildende Eigenschaft erst allmählich ein ; im Magen neugeborener Kinder findet sich eiweissverdauendes Ferment zuerst in geringer, nach einigen Tagen in nicht unbeträchtlicher Menge. Tiere verhalten sich abweichend ; bei neugeborenen Hunden lässt sich kein Pepsin nach- weisen und auch bei jungen Katzen findet sich eine stufenweise Ent- stehung desselben. Auch die zuckerbildende Wirkung des Pankreas- saftes ist nicht von der Geburt an vorhanden ; beim Kind tritt sie erst vom 2. Monat an auf. Viel diskutiert wurde die Frage, ob die Nieren regelmässig während des Fötallebens funktionieren. Dass sie funktionieren und ihre Thätigkeit analog ist der im späteren Leben, ist zweifellos, aber von einer regelmässigen Funktion wird man wohl kaum reden können. Was die Anpassung der animalen Funktionen anbelangt , so ist hierüber ein reiches Material in Pkeyee's Werk ,,Die Seele des Kindes" vereinigt, einem Buche, welches nicht bloss eine Menge sorg- fältiger Beobachtungen enthält, die Pkeyek als Physiologe und als Vater gemacht hat, sondern uns auch Anregung zu eigener Beobachtung und höchst wertvolle Winke für die Überwachung der geistigen Ent- wickelung unserer Kinder giebt. Das Grosshirn ist beim Neugeborenen als Seelenorgan, als Organ des Willens und der Intelligenz noch voll- ständig ausser Funktion. Die Thätigkeit des Centralnervensystems ist durchaus niederer Art. Von den Sinnesfunktionen ist am frühesten entwickelt und zur Zeit der Geburt bereits vorhanden der chemische Sinn. Auf süss und bitter reagiert selbst der zu früh Geborene mit aller Deutlichkeit. Auch der chemische Sinn für Gase, das Geruchs- vermögen, ist schon zur Zeit der Geburt vorhanden. Der Gesichtssinn ist zwar beim neugeborenen Menschen schon vorhanden, allein es besteht eine bis zur Lichtscheu gesteigerte Lichtempfindlichkeit und das Kind kann nicht richtig sehen ; es sieht keine Farben, keine Abstände, keine Grenzen, nur verschwommen helle und dunkle Stellen in seinem Gesichts- feld. Das Gehör entwickelt sich beim Menschen verhältnismässig am spätesten ; der neugeborene Mensch ist taub. Wenn auch die Tiere in dieser Beziehung im allgemeinen besser daran sind, so hören doch auch sie anfangs sehr schlecht. Auch das Tastgefühl ist beim Neu- geborenen sehr unvollkommen. Früher als die Sensibilität stellt sich die Motilität ein. Die vom Kind im Mutterleib ausgeführten Bewegungen sind rein impulsive, sie werden auch noch nach der Geburt ausgeführt. Sie vollziehen sich alle unter der Schwelle des Bewusstseins. Dies gilt auch noch von den Reflexbewegungen der Neugeborenen. Diese Be- wegungen setzen voraus, dass zwei verschiedene Centren niederer Ordnung, sensible und motorische, miteinander verbunden sind. Weiterhin können noch instinktive Bewegungen, z. B. das Greifen, und vorgestellte Be- wegungen , Nachahmungen auftreten. — Der instruktive , mit grossem Beifall aufgenommene Vortrag, welcher durch Zeichnungen und Demon- strationen an verschiedenen Apparaten erläutert wurde, rief eine lebhafte Besprechung hervor , welche sich besonders um die Einleitung der Atmung drehte. (Schwäbische Kronik No. 276 vom 25. November 1898, S. 2459.) — LXIII — Sitzung am 8. Dezember 1898. Prof. Dr. W. v. Branco sprach über die Frage: „Ist das neuzuerschliessende Salzbergwerk Kochendorf durch Wasser bedroht?" Der Vortrag, über den ein Bericht in der „Schwab. Kronik" No. 292 vom 14. Dezember 1898 abgedruckt ist, bildet einen Auszug der in diesem Jahresh. Abt. III S. 133 ff. veröffentlichten grösseren Arbeit V. Branco's; in dem der letzteren angefügten ,, Anhang" findet der Leser Auskunft und Nachweis über die an den Vortrag sich anschliessende Erörterung. Sitzung am 12. Januar 1899. Prof. Dr. Miller-Stuttgart sprach über ,,die Lagerungsver- hältnisse unseres Steinsalzes^." In seinem Vortrag versuchte der Redner, die herrschende Ansicht von der linsen- oder mandel- förmigen Ablagerung des Steinsalzes zu widerlegen. Alle schwäbi- schen Geologen lehren bis jetzt, dass das Salz in der Tiefe stockförmige Massen, linsenförmige oder elliptische Anschwellungen mit Mulden, Sätteln und Vorsprüngen bilde und unregelmässig gestaltet sei. Zu diesen Vor- stellungen führte die ungleiche Mächtigkeit der Salzlager, die in jedem Bohrloch wieder andere Zahlen ergab und jeder Vorausbestimmung zu spotten schien. Miller stellt nun den Satz auf, dass das in der Muschel- kalkformation sich findende Steinsalz in einem grossen Becken und in einer auf grosse Strecken gleichbleibenden Mächtigkeit abgelagert worden sei, und dass das plötzliche Fehlen wie das rasche Auskeilen des Salzes stets Folge von später erfolgter Auslaugung sei. Als Beweise führt Redner an: 1. die Schichten des Heilbronner Salzwerkes, die bis jetzt in Schwaben die einzigen bekannten unveränderten Salzablagerungen darstellen. Heil- bronn hat drei übereinander liegende Salzlager, von denen die mittlere Abteilung wieder aus vielen Schichten besteht, mit einer Gesamtmächtig- keit von 40 m. Diese Schichten sind in späterer Zeit nie mehr einer Wassereinwirkung unterworfen gewesen , und sie zeigen innerhalb des Bergwerkes auf eine Länge von 550 m (so viel beträgt bis jetzt der Abbau) kaum minimale Änderungen , insbesondere aber keine Spur von Auskeilen. 2. Die Umgebung des Salzwerks Heilbronn zeigt in den Bohrlöchern Biberach 38 m, ßöllingerbach 38 m, BöUingermühle 36,8 m und Frankenbach 38 m Salzmächtigkeit. Somit haben wir auf eine Erstreckung von etwa 6 km nach allen vier Richtungen dieselbe Mächtigkeit des Salzes. Dagegen trifft man wenigstens nach drei Rich- tungen von den Grenzen dieses Salzgebietes an auf 1 bis 2 km Ent- fernung Auskeilen und gänzliches Verschwinden des Salzes. Hier können also unmöglich ursprüngliche Verhältnisse vorliegen. 3. Das Muschel- kalksalz gehört einer Meeresformation an: Meeresschichten aber halten ^ Der Vortrag findet sich mit „nachtr anglichen Bemerkungen'^ versehen abgedruckt in der Sonntags-Beilage zum ,.Deutsclien Volksblatt" No. 5, Stuttgart 5. Februar 1899. — LXIV — auf grosse Strecken an und ihre Mächtigkeit ändert sich erst auf grössere Entfernungen; es muss sich mindestens um Stunden oder Meilen handeln, nicht um ein paar Kilometer. Ob es sich nun um einen Teil des eigentlichen ^leeres, Lagune oder einen grossen salzreichen Binnensee handelt, macht hier keinen wesentlichen Unterschied. Die Erstreckung des Salzvorkommens im gleichen Horizonte von Thüringen bis in die Schweiz, also auf 5 bis 600 km, zeigt, dass es sich nicht um kleinliche Verhältnisse handelt. 4. Überall, wo das Salz rasfch wechselnde Mächtigr- keit zeigt, lässt sich beweisen, dass gestörte Verhältnisse vorliegen; man denke an das Fehlen des Salzes überall da, wo der Muschelkalk zu Tage tritt, an die Solquellen von Sulz, Hall, Offenau, Niedernhall, wo die Salzlager fehlen, an die durch Dr. Endriss erbrachten Beweise sekundärer Bildung, die Rutschflächen, die Lösungsrückstände, welche Buschmann nachgewiesen hat u. s. w. Sodann glaubt der Redner an einer kartographischen Skizze zeigen zu können, wie durch Darstellung der geologischen Grenzschichten in der Heilbronner Gegend das Fehlen oder Auskeilen des Steinsalzes sich schon äusserlich markiere. Bisher, seit Alberti's Entdeckung vor 70 Jahren, schliesst der Redner, hat man sich begnügt, ja glücklich geschätzt, auf der Ebene der Lettenkohle mit einiger Sicherheit in der Tiefe Salz finden zu können, alles weitere aber hing vom guten Glücke ab. Für künftige Salinenanlagen dagegen erwächst die neue Aufgabe, nicht nur auf ein abbauwürdiges Lager, sondern wesentlich auf ungestörte Lagerungsverhältnisse das Auge zu richten. Dem Redner erwiderte Prof. Dr. v. Branco, dass angesichts der leichten Löslichkeit des Steinsalzes es eine jedem Geologen geläufige Thatsache sei, dass Salzlager überall da vom Wasser angefressen, eventuell aufgelöst werden, wo das Wasser Zutritt habe, ebenso wie über Tage Gebirge durch Erosionen in einzelne Teile zerschnitten werden, so selbstverständlich auch die Salzlager unter Tag. Auf solche Weise kann ein grosses Salzlager in kleinere Teile zerschnitten werden, aber eine Verallgemeinerung, dass nun alle kleineren Salzlager nur als Erosions- reste eines ehemaligen grossen aufgefasst werden müssten, wie Vorredner im vorliegenden Fall will, weist Branco mit vollster Entschiedenheit zurück. Branco sagt daher, dass der von Milleb geäusserte Ge- danke, von Thüringen bis in die Schweiz hinein habe einst ein einziges, grosses zusammenhängendes Salzlager bestanden, durch absolut nichts bewiesen sei und eine ganz beliebige Annahme bilde, der daher ein wissenschaftlicher Wert nicht zukommen könne. Es bestehe vielmehr eine grosse Anzahl von Gründen, die es sehr wohl denkbar machen, dass hier von Anfang an getrennte linsen- oder stockformige Salzlager sich gebildet hätten. Zweifellos wird das bewiesen allein schon durch die Verhältnisse, welche zwischen Rappenau und Friedrichshall obwalten. In Rappenau ein unaufhörlicher Wechsel von Steinsalz und Anhydrit, also steter Wechsel zwischen Konzentration der Sole und Verdünnung derselben durch Einströmung des Süsswassers. Li Friedrichshall, noch nicht 6 km davon entfernt, reines Steinsalz, also nicht die Spur mehr von einströmendem Süsswasser. Wenn aber Millek den Wechsel bei — LXV — Rappenau zwischen Salz und Anhydrit als sekundär entstanden betrachten wolle, so sei dies doch wohl nicht recht glaublich. Auch die Behauptung Millek's, dass das mittlere Muschelkalksalz eine reine Meeresbildung sei, sei durch nichts bewiesen. Heutzutage entstünden fast alle Salz- lager in Salzseen auf dem Festlande, und da nun der Geologe stets von gegenwärtigen Zuständen auf vergangene schliesst, so spricht sehr viel dafür, dass auch frühere Salzlager wesentlich in Salzseen des Fest- landes entstanden seien. Privatdozent Dr. Endriss kann sich in Bezug auf die hydro- logischen Verhältnisse im mittleren Muschelkalk Württembergs den Aus- führungen Bkanco's nicht anschliessen und hebt insbesondere hervor, dass bei Beurteilung bestimmter geologischer Lokalitäten, wie im ge- gebenen Falle der Salzgebiete Württembergs, nur von den an den betreffenden Lokalitäten beobachtbaren thatsächlichen Verhältnissen ausgegangen werden darf, sofern man nicht Gefahr laufen will, durch zu vieles Theoretisieren falsche Schlüsse zu ziehen. Endriss hat die feste Überzeugung, dass der BRANCo'schen Annahme einer Zuheilung der Spalten im schwäbischen Hauptanhydrit durch Vergipsung keine allgemeine Bedeutung zugemessen werden kann. ,,Ist eine grössere Spaltung im Gebiete der in Aussicht genommenen Grube vorhanden, so ist ein Eindringen des unter hohem Druck stehenden Kochendorfer Tiefenwassers in die späteren Abbauorte unausbleiblich." Endriss verweist diesbezüglich auf eine von ihm und Prof. Dr. Lueger verfasste Schrift. ,, Bemerkungen zum Bericht des Herrn v. Branco über seinen am 8. Dezember 1898 abgehaltenen Vortrag, betreffend das Salzwerk Heilbronn." (Stuttgart, bei A. Zimmer. 1899. 8°. 11 S.) Die Klar- legung der Frage: ,,Ist das Salzbergwerk Kochendorf durch Wasser bedroht?" wird von Dr. Endriss von einer genauen Untersuchung des betreffenden Gebietes abhängig gemacht, wovon sich Redner auch allein eine gewisse Sicherstellung für das künftige Bergwerk versprechen kann. Prof. V. Branco antwortete, dass er sich eine abermalige Wider- legung der ENDRiss'schen Ansichten in seiner im Druck befindlichen Arbeit vorbehalte (s. diese Jahresh. Abt. HI S. 194 ff.). Hier wolle er nur auf einen Punkt antworten: Er erkläre den Anhydrit als von Natur dicht; Endriss erkläre denselben für undicht, weil er Spalten bekommen habe. Branco sagt, diese Spalten seien doch etwas später hinzugekommen, erst Gewordenes, nicht aber etwas in der Natur des Anhydrits Begründetes. Die Sache sei genau dieselbe, als wenn Branco behaupte, ein Gummimantel schütze seinen Träger gegen Regen, also sei er wasserdicht; Endriss aber sage, wenn ich Löcher in den Mantel reisse, so lässt er das Wasser durch, also ist er von Natur aus nicht wasserdicht. Zum Schluss der sehr angeregten Erörterung bemerkte Prof. Dr. Fr aas noch in Bezug auf den Vortrag von Prof. Dr. Miller, dass das von diesem gegebene Profil nicht den Anspruch auf Richtigkeit erheben könne, da für eine Profilierung des zwischen den beiden Salz- schächten liegenden Gebietes jede Grundlage fehle. (Schwäbische Kronik No. 29 vom 19. Januar 1899, S. 129.) Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1899. — LXVI - Sitzung am 9. Februar 1899. Als erster Redner sprach Assistent Dr. B u c h n e r - Stuttgart über „Ästhetische Natur betrachtung der Vogel weit". Der Redner begann damit, dass unser ästhetisches Gefühl von der An- schauung der Schönheit der menschlichen Figur ausgehe und hiernach die Tierwelt beurteile. Es erklärt sich hieraus, dass uns die unpro- portionale Gestalt des Vogelleibes, welche einzig nur der Flugbewegung angepasst ist, zunächst als Karikatur jener menschlichen Figur er- scheinen müsste, wie bei den Fledermäusen, wenn nicht das Federkleid diese Formenverzerrung in den meisten Fällen fast gänzlich verdecken würde. Dazu kommt noch, dass auch die vielfach wunderbare Farben- pracht des Gefieders erhöhend auf den ästhetischen Genuss wirkt. Weiterhin kam Dr. Buchner auf die funktionellen Verhältnisse des Vogelleibes zu sprechen, wobei er auf die so vielbewunderte Flug- bewegung, auf die rasche Nahrungsaufnahme und Abgabe der Auswurf- stoffe, namentlich aber auf das Liebes- und Geschlechtsleben in der Vogelwelt hinwies. Indem das erstere bei den Vögeln in wunderbar schöner Weise teils mit Flugspielen, Balzen und Entfalten der Gefieder- pracht, teils mit reizendem Gesang verbunden ist, erhebt es die Vogel- welt in ästhetischer Beziehung weit über die übrigen Ordnungen der Wirbeltiere, besonders über die Säugetiere, bei welchen die geschlecht- liche Verbindung meist mit widerwärtigen, unästhetischen Erscheinungen eingeleitet wird. Ferner kam der Redner noch auf die entwickelungs- geschichtlichen Erscheinungen zu sprechen, die sich in der Form des Eierlegens und Brütens und in der oft reizenden Brutpflege in weit mehr ästhetischer Weise abspielen, als bei dem Lebendiggebären des Säugetieres mit seinen meist abstossenden Begleiterscheinungen. Indem er zum Schluss noch auf den sogenannten Gesang der Singvögel, als die einzig wirklich angenehme Stimmäusserung in der Tierwelt besonders hinwies, endete der Redner seinen Vortrag mit der Aufforderung an die Anwesenden, sich an den neuesten Bestrebungen zum Schutz unserer gefiederten Sänger thunlichst zu beteiligen. Über die letzteren machte in der sich anschliessenden Diskussion Prof. Dr. Klunzinger einige nähere Mitteilungen, indem er die Ver- sammlung auf den kürzlich gegründeten Bund für Vogelschutz und dessen zeitgemässe Bestrebungen zum Schutze der Vögel aufmerksam machte, die sich besonders auch gegen das Tragen von Vogelbälgen als Hut- schmuck richten. Der Aufforderung des Redners zum Beitritt wurde von vielen der Anwesenden Folge geleistet, auch wurde angeregt, dass der Verein sich an der geplanten Petition an den Deutschen Reichstag beteiligen möge, in der besonders für die Abschaffung des Krammetsvogel- fanges und für baldigste internationale Regelung der Vogelschutzfrage eingetreten wird. Als zweiter Redner sprach Prof. Dr. Fraas-Stuttgart über ,,Land- und Wassersaurier". Redner erinnert an die grosse Formenmannig- faltigkeit dieser Reptiliengruppe und charakterisierte zunächst die Land- bewohner, indem er einige der sonderbarsten und zugleich gewaltigsten — LXVII — ■dieser ausgestorbenen Saurier näher schilderte ; so den Brontosaurus, den Stegosaurus mit seinen mächtigen, den Rücken kammförmig zierenden Platten, und andere Repräsentanten der Schreckensaurier oder Dino- saurier. Viele Meter lang und hoch müssen diese gewaltigen, besonders aus Amerika in Riesendimensionen bekannt gewordenen Formen den Eindruck wandelnder Häuser gemacht haben. Zu den eigenartigsten Landsauriern zählen auch die Iguanodonten mit unserem "Württemberger Zanclodon, welche mit ihren kolossalen Hinterbeinen, dem dicken Schwanz und den kleinen Vorderbeinen den Känguruhtypus unter den Sauriern darstellen. Bei den Wasserformen ist der ganze Körper dem Wasser- leben angepasst, aber es lassen sich hier zweierlei Formen der An- passung an die Bewegung im Wasser unterscheiden. Bei der einen sehen wir am Ende des spindelförmigen Körpers eine Flosse, mit der das Tier sich fortbewegt nach dem Prinzip des langgestreckten schmalen Schraubenbootes. Der klassische Vertreter dieser Gruppe ist unser alt- bekannter Iclüliyosaurus , die Fischechse. Die zweite Gruppe wird repräsentiert durch die Seeschildkröten ; sie erinnern an ältere Fahr- zeuge, an das breite Boot, welches durch zwei Paar seitlich angebrachte, weit auslangende Ruder fortbewegt wird. Wir haben in den beiden Oruppen, wie Redner am Schluss seines durch zahlreiche Abbildungen erläuterten Vortrags bemerkte, Anpassung ursprünglicher Landtiere an das Wasserleben zu sehen. Ausserordentliche Versammlung am 15. Februar 1899. Zu dieser Versammlung waren auch die Mitglieder des Stuttgarter ärztlichen Vereins und der württ. Sektion des deutschen Chemiker- Vereins, sowie die Damen der Vereinsmitglieder eingeladen und zahl- reich erschienen. Herr Prof. Dr. Koch von der Kgl. technischen Hochschule in Stuttgart hielt einen durch zahlreiche interessante Demonstrationen erläuterten Vortrag über ,,die Verflüssigung der Luft". In der Einleitung erörterte der Vortragende anknüpfend an die Lehre von den gesättigten und überhitzten Dämpfen den Begriff der kritischen Temperatur, d. h. derjenigen Temperatur, bis zu welcher ein ringen. Es wurden alljährlich ein oder zwei Versammlungen an Orten des Schwarzwalds: Nagold, Horb, Calw, Teinach, Neuenbürg, Wildbad, Freudenstadt, auch in Reutlingen, gehalten. Den rechten Griff that er aber dadurch, dass er seit 1891 den Sitz nach Tübingen verlegte, wo die alljährlich im Winter (meist am 21. Dezember) stattfindenden Versammlungen durch die Kräfte befreundeter Kollegen der naturwissenschaftlichen Fakultät mit Vorträgen und Demonstra- tionen unterstützt wurden : solche Tage wurden auch immer mehr das willkommene Stelldichein der Freunde der Naturwissenschaft aus Hauptstadt und Land mit den Trägern der Wissenschaft an der Universität. Seit 1892 (48. Jahrgang) werden auch die hier ge- haltenen Vorträge als Sitzungsberichte in den Jahresheften des (all- gemeinen) Vereins f. vaterl. Naturkunde mitgeteilt, nachdem sie bis- her ungedruckt nur in den Protokollen des Zweigvereins und in den Tageszeitungen (Schwab. Merkur, Tübinger Chronik, Schwarzwälder Boten) zu finden waren. Zugleich trat Eimer in den Ausschuss des allgemeinen Vereins ein. So ist auch nach dieser Seite hin durch den Tod Eimer"s eine schwer auszufüllende Lücke entstanden. Der hohen Bedeutung Eimers für die Wissenschaft ent- sprechend soll hier eine etwas eingehender, als sonst in Nekrologen, behandelte Darstellung seiner Werke und seiner Lehre nach ihrem allmählichen Werden gegeben werden. Voran — 9 - aber gehe zum besseren Überblick und behufs späterer Bezugnahme ein Verzeichnis seiner sämthchen pubhzierten Arbeiten in chrono- logischer Folge, wie er es selbst 1894 in einem Vorwort in dem 1. Band und Heft der oben erwähnten „Tübinger zoologischen Arbeiten" gab ^. 1) Zur Fettresorption und zur Entstehung der Schleim- und Eiter- körperchen. (Virchow's Archiv f. pathologische Anatomie Bd. 38, 1867.) S. 428 — 432 (unter den kleineren Mitteilungen) : Unter- suchungen angestellt im pathologischen Institut in Berlin von Th. Eimer aus Lahr im Breisgau. 2) Zur Becherfrage. (Ebenda Bd. 40, 1867, S. 282—283.) 3) Zur Geschichte der Becherzellen, insbesondere derjenigen der Schleimhaut des Darmkanals. (Inauguraldissertation z. Erlangung d. Doktorwürde in d. Medizin u. Chirurgie bei der medizinischen Fakultät in Berlin, seinem Vater gewidmet.) 4) Über Becherzellen. (Virchow's Archiv Bd. 42, 1868, S. 490—545 mit 1 Taf.) 5) Die Wege des Fettes in der Darmschleimhaut bei seiner Re- sorption. (Ebenda Bd. 48, 1869, S. 49—176 mit 2 Taf. Zugleich als Dissertationsschrift zur Erlausjuno; des Doktorgrades bei der philosophischen Fakultät zu Würzburg. Würzburg, Thein, 1870.) 6) Über die ei- oder kugelförmigen sogenannten Psorospermien der Wirbeltiere , ein Beitrag zur Entwickelungsgeschichte der Gregarinen und zur Kenntnis dieser Tiere als Krankheitsursache. Würzburg, Stuber, 1870. Von Dr. med. et phil. Th. Eimer, Prosektor der Zootomie in Würzburg. 7) Die Schnauze des Maulwurfs als Tastwerkzeug. (Archiv f. mikro- skop. Anatomie Bd. 7, 1871, S. 181 — 191 mit 1 Taf. Von Dr. Th. Eimer, Privatdozent u. Prosektor in Würzburg.) 8) Zur Kenntnis vom Bau des Zellkerns. (Ebenda Bd. 8, 1872, S. 141 — 144 mit Holzschnitt.) 9) Nesselzellen und Samen bei Seeschwämmen. (Ebenda Bd. 8, 1872, S. 281—294 mit 2 Holzschn.) lU) Untersuchungen über die Eier der Reptilien I. (Ebenda S. 216 — 243 mit 2 Taf.) 11) Untersuchungen über die Eier der Reptilien II, zugleich Be- obachtungen am Fisch- und Vogelei. (Ebenda 1872, S. 397 — 434 mit 1 Taf. Von Th. Eimer, Privatdozent in Würzburg.) 12) Über die Nervenendigung in der Haut der Kuhzitze. (Ebenda S. 643— (;46.) 13) Vorläufige Mitteilungen über die Nerven von Beroc. (Ebenda S. 647—651.) ' Ich gebe hier zu besserer Würdigung die Seitenzahl und die Abbil- dungen an, und verbessere einige in der Liste gefundene Unrichtigkeiten. Aus der Anführung seiner Titel geht auch das allmähliche Vorrücken Eimer's hervor. — lU — 14) Bemerkungen über das Leuchtorgan von La)U2)j/ris splcncVuhila . (Ebenda S. 652 — 653.) 15) Zoolofische Studien auf Capri. I. über Jicror orntus . ein Beitrag zur Anatomie der Rippenquallen. Leipzig, Engelmann, 1873, 4", S. 1 — 91 mit 9 Taf. Herrn Dr. med. J. Cerio auf Capri gewidmet. K!) ( ber Bau und Bewegung der Samenfäden. (Verhandl. d. phys.- med. Gesellsch. in Würzburg N. F. 6. Bd. 1874, 44 S. mit 1 Taf.) 1 7) Über künstliche Teilbarkeit von Änrelia aurita und C/jcüiea capil/afa in physiologische Individuen. (Ebenda 1874, 24 S. mit 1 Taf. Mit No. 15 zusammen auch erschienen als: Zoologische Unter- suchungen, mit besonderer Berücksichtigung der Biologie. Würz- burg, Stahel, 1874.) 18) Zoologische Studien auf Capri. II. Laccrfa mitraUs coerulea. ein Beitrag zur Darwin 'sehen Lehre. Leipzig, Engelmann, 1874, in 4°, 46 S. mit Titelbild: Die Faraglionifelsen u. 2 Taf. ge- malt von Anna Eimer. 19) Über amöboide Bewegungen des Kernkörperchens. (Archiv f. mikroskop. Anat. Bd. 11, 1875, S. 325—328 mit 4 Holzschn.) 20) Weitere Nachrichten über den Bau des Zellkerns, nebst Be- merkungen über Wimperepithelien. (Ebenda Bd. 14. 1877, S. 94 — 118 mit 1 Taf. Von Dr. Th. Eimer, Prof. in Tübingen.) 21) Über künstliche Teilbarkeit und über das Nervensystem der Medusen. (Ebenda S. 213 — 240 mit 2 Holzschn. Auch im amtlichen Bericht über die Naturforscherversammlung zu München, Vortrag in der zoolog. Sektion 1877.) 22) Die Medusen, physiologisch und anatomisch auf ihr Nerven- system untersucht. Tübingen. Laupp"sche Buchhandlung, 1878, in 4*^, 277 S. mit 13 Taf. ,, Seinem Lehrer und Freunde Herrn Dr. Weismann, Prof. in Freiburg, in Verehrung gewidmet." 23) Über das Variieren einiger Tierarten. (Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturk. in Württemb. 1879, S. 48 — 49, besonders Äyiou cmpirkormn und Lacerta miiralis.) 24) Über die Fortpflanzung der Fledermäuse. (Ebenda 1879, S. ")() u. Zoolog. Anzeiger 1879.) 25) Über fadenspinnende Schnecken. (Ebenda S. 50—52.) 26) Beobachtungen über die Züge von Distelfaltern. (Ebenda 18^0, S. 88—93 u. im Biolog. Centralblatt 1881.) 27) Versuche über künstliche Teilbarkeit von Bcror urahis (angestellt zum Zweck der Kontrolle seiner morphologischen Befunde über das Nervensystem dieses Tiers). (Archiv f. mikroskop. Anatomie Bd. 17, 1879, S. 213 — 240.) 28) Über Tastapparate bei Eucharls multicornis. (Ebenda S. 342 — 346 mit 3 Holzschn.) 29) Eine Dipteren- und Libellenwanderung, beobachtet im September 1880. (.Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturk. in Württemb. 1882 u. Biolog. <;entralblatt 1881.) — 11 - 30) Über das Variieren der Mauereidechse, ein Beitrag zur Theorie von der Entwickelung aus konstitutionellen Ursachen, sowie zum Darwinismus. (Archiv f. Naturgeschichte u. selbständig: Berlin, Nicolai, 1881. 517 S. mit 3 Taf. von Anna Eimer gemalt u. 1 Lichtbild in 8**.) (S. auch Vortragsbericht im Jahres- hefte d. Vereins f. vaterl. Naturk. in Württemb. 1882, S. 114—115, über gesetzmässige Zeichnung der Reptilien, speciell der Eidechsen.) 31) Über die Zeichnung der Tiere. I. Säugetiere. A. Raubtiere. (Zoolog. Anzeiger 1882 u. 1883/84.) 32) Über Lipämie bei saugenden Kätzchen und Hunden. (Biolog. Centralbl. 1882.) 33) Über die Zeichnung der Vögel und Säugetiere. (Vortrag im Jahres- hefte d. Vereins f. vaterl. Naturk. in Württemb. 1883, S. 5G — 79.) 34) Bruchstücke aus Eidechsenstudien in Humboldt, Monatschr. f. Naturwissenschaften in 4'^, 1882, 1. Bd. S. 319—328 u. 395 — 398 mit 3 Abbild. 35) Über den Begriff des tierischen Individuums. Rede, gehalten auf der Naturforscherversammlung in Freiburg i. Br. 1883, amtl. Ber. 1884, in 4°, HS. u. in Humboldt 2. Bd. 1883. 36) Neue und alte Mitteilungen über Fettresorption im Dünndarm und Dickdarm. (Biolog. Centralblatt 4. Bd. 1884, S. 580—600.) 37) Über die Zeichnung der Tiere I — VI. Humboldt. I. 1885 (Katzen) S. 1 — 8 mit 6 Holzschn., IL S. 64 — 76 mit 15 Holzschn., III. S. 466—477 mit 19 Holzschn., IV. 1886 (Zibettiere, Hyänen u. Hunde) S. 8—20 mit 20 Holzschn., V. 1887 (Haushund u. Havskatze) S. 136 — 143 mit 8 Holzschn., VI. 1888 (Marder u. Bären) S. 173—181 mit 24 Holzschn. 38) Über die anatomischen Unterschiede zwischen Haus- und Wild- katze. Humboldt 1886, S. 44—48 mit 7 Holzschn. 39) Die fortschreitende Specialisierung der Naturwissenschaften und die Bedeutung der letzteren für die allgemeine Erziehung. Hum- boldt 1887, S. 1—4. 40) Über die Zeichnung der Vogelfedern. Humboldt 1887, S. 379 — 381. 41) Die Entstehung der Arten auf Grund von Vererben erworbener Eigenschaften nach den Gesetzen organischen Wachsens. Ein Beitrag zur einheitlichen Auffassung der Lebewelt. I. Teil. ,,Dem Andenken seines Vaters gewidmet." Jena, G. Fischer, 188. 20-22 7^, im Eltonsee (Kaspibecken) 10— 190/o Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1899. 5 — 66 — nähme nicht, indem dieselben in Südwestdeutschland mit 80 — 90 m am mächtigsten erscheinen und nach Norden und Osten allmählich abnehmen. Der obere .Muschelkalk oder Hauntnuischelkalk. Bezüglich seiner Gesteinsausbildung zeigt der obere Muschelkalk eine erstaunliche Einförmigkeit und Gleichartigkeit. Fast gänzlich unvermittelt tritt nach der Salz- und Dolomitfacies des mittleren Muschelkalkes eine ausgesprochene Kalk merg elf ac'is auf, welche den Hauptmuschel- kalk charakterisiert. In ungezählter Wechsellagerung wiederholen sich graue thonige Kalkbänke und mehr oder minder dicke Mergel- lagen, so dass bald die Kalke, bald das thonige Material die Ober- hand gewinnt. Zuweilen lassen sich die Kalke als typische zoogene Kalke erkennen , entweder aus zahllosen Resten von Crinoiden (Trochitenkalk) oder aus Schalen von Bivalven oder Brachiopoden (Lumachellen) bestehend. Zweifellos sicher ist unter allen Umständen der marine Charakter dieser Facies nicht allein wegen des Kalkes, sondern vor allem wegen der zahllosen echt marinen Fossilien. Bekanntlich unterscheidet man im Hauptmuschelkalk einen unteren encrinitenführ enden Horizont mit vorwiegend dickbankigen, spätigen Kalkschichten und zurücktretendem Thon und einen oberen ceratiten führ enden Horizont mit mergeligen Brockelkalken. Erst an der oberen Grenze des Hauptmuschelkalkes wechselt der petrographische Charakter, indem sich hier eine aus- gesprochene Dolomitfacies einstellt, zugleich mit einem Schwund vieler mariner Muschelkalktiere und dem Auftreten einiger neuen Arten. Es ist dies der nach dem Vorkommen von Triyonodus Sanff- heryeri benannte T rigonodu s-J)o\oYCi\i. Von besonderer Wichtigkeit für die Entstehungsgeschichte ist einerseits die bereits erwähnte Thatsache, dass wir im Hauptmuschel- kalk zweifellos marinen oceanischen Einfluss feststellen können und anderseits die Mächtigkeitsverhältnisse dieser Formation. Im Gegen- satz zum unteren Muschelkalk, welcher im Osten am stärksten und schönsten entwickelt war, beobachten wir im oberen Muschelkalk die mächtigste und schönste Entwickelung im Süden und Südwesten und eine stetige Abnahme gegen Osten. Von rein lithologischem Gesichtspunkt betrachtet, können wir einen Einfluss mariner Sedimente und ge- steigerte Materialzufuhr von Südwesten her feststellen, welche gegen Norden und Osten hin sich abschwächt und allmäh- lich verliert. Die obersten Schichten, der Trigonodus-\)6[om\{^ leitet — 67 — bereits wieder entweder eine litorale Facies oder eine Abschnürung vom offenen Ocean und Umwandlung in eine Binnenmeerfacies ein. Versteinerungen. Wir haben bisher die Fauna und Flora des Muschelkalkes unberücksichtigt gelassen und haben nun auch diese etwas näher zu untersuchen und auf ihre Bedeutung für die Entstehungsgeschichte zu prüfen. Die biologischen Gesichtspunkte , welche hierbei leitend sind, hat J. Walther ^ in ausführlicher Weise zusammengestellt und begründet, ja seine Beispiele nicht selten gerade in der Muschel- kalkfacies gesucht. Das Plankton, d. h. die passiv im Wasser treibenden Organis- men, kommt nicht in Frage, da die Tiere aus dieser Gruppe im all- gemeinen nicht fossil erhalten sind und im. Muschelkalk noch nicht beobachtet wurden. Für unsere Betrachtung spielt die Hauptrolle das Benthos (20 fievdog, der Meeresgrund), worunter die am Meeresboden fest- gewachsene (sessiles Benthos) oder umherkriechende (vagiles Benthos) Tier- und Pflanzenwelt verstanden wird". Unter dem sessilen Benthos vermissen wir auffallenderweise die Korallen, Spongien, Hydroiden und Bryozoen, welche im Ocean einen Hauptanteil am Aufbau der Schichten nehmen, nahezu gänzlich, denn die so überaus seltenen Korallen können wir füglich als Irrgäste betrachten und die sogen. Hornspongie, Ehüocorallium jenense, führt auch noch ein problematisches Dasein, Von grosser Wichtigkeit dagegen sind die Seelilien und speciell das Geschlecht der Encrinidae, ohne dass es eigentlich zu einer reichen genetischen Entfaltung kommt, ist doch die Verbreitung und Massenhaftigkeit erstaunlich gross. Die oft mehrere Meter mächtigen Encrinitenbänke weisen darauf hin, dass zuweilen der ganze Meeresboden in einen Crinoidenwald von immenser Ausdehnung verwandelt war. Die Encriniten sind echt oceanische Formen und leicht lässt sich im unteren Muschelkalk ihr Eindringen ^ .J. Walther, Einleitung in die Geologie als historische Wissenschaft. Jena 1893 94. — Über die Lebensweise fossiler Meerestiere. Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 1897. S. 209 ff. ^ Es möge nur kurz darauf hingewiesen sein, dass die rasche und weite Verbreitung des Benthos auf die als „Meroplankton" (teilweise umherirrend) sich im Wasser umhertreibenden Schwärme von Larvenstadien der später benthonischen Tiere zurückzuführen ist. Dieses Stadium erklärt auch das plötzliche lokale Auftreten von Unmengen ein und derselben Art. 5* — 68 — von Osten her feststellen. In Schlesien finden wir denn auch die reichste Entfaltung, im unteren Wellengebirge von meist kleinen, nur lOarmigen Arten, zu welchen sich im oberen Wellengebirge der schöne 20armige Encrimis Carnalli gesellt. Encrimis liliiforniis ist die dauerhafteste Art, welche, wenn auch spärlich, im ganzen unteren Muschelkalk gefunden wird, dagegen seine eigentliche Entfaltung im oberen Muschelkalk zeigt und zwar in der kalkigen Tiefenzone des westlichen und südlichen Deutschlands'. Zum sessilen Benthos ge- hören auch die kleinen Kalkröhren diploporer Algen (Gyroporclla), welche in dem alpinen Muschelkalk eine ausserordentliche Rolle spielen ; sie konnten im germanischen Triasmeer nicht Fuss fassen und beschränken sich auf einen kleinen Bezirk im oberen Wellengebirge Oberschlesiens und treten nur noch ganz untergeordnet im mittleren Muschelkalk von Elsass-Lothringen auf. Einen gewissen Übergang von sessilen in den vagilen Benthos bilden die für den Muschelkalk wichtigen Br achiopo den. Unter ihnen ist Terchratnla vulgaris weitaus die häufigste und ver- breitetste Form ; ihr sagten offenbar die klimatischen und sonstigen Verhältnisse überaus zu und nicht nur unzählige Massen dieser Tiere bevölkerten den Meeresboden , sondern es lassen sich auch Schwankungen der Art, d. h. entwickelungsgeschichtliche Verschie- denheiten , beobachten. Sie geht vom unteren bis zum obersten Muschelkalk durch und erfüllt nicht selten in bestimmt charakteri- sierter Varietät einzelne Horizonte ; sie bildet zugleich ein gutes Bei- spiel (vergl. Walther, Über die Lebensweise fossiler Meerestiere, 1. c. S. 224) für die Wanderungen und das unvermittelte Auftreten ben- thonischer Tiere durch Vermittelung ihrer als Meroplankton umher- schwärmenden Larven. Terebratula vulgaris wurde bis jetzt im mittleren Muschelkalk noch nicht gefunden und es ist deshalb nicht wahrscheinlich, dass die Formen des oberen Muschelkalkes direkt von denen des Wellengebirges abstammen. Anderseits beobachten wir, dass die oceanische (alpine) T. vulgaris meist klein ist und dass ebenso die Arten des unteren Wellengebirges (T. Eckii) meist klein sind und sich erst gegen oben zu den grossen „fetten" Varietäten entwickeln, dass dann ebenso im Hauptmuschelkalk zunächst kleine Varietäten auftreten, während erst in den oberen Schichten (Haupt- terebratelbank) die grossen Exemplare herrschend werden. Es würde dies auf eine zweimalige Einwanderung aus dem Ocean hinweisen. Leitfossilien von noch grösserer Wichtigkeit sind die Spiri- ferinen (Sj). fragilis). Auffallend ist, dass diese Art nur auf einen — 69 — Horizont im unteren und einen im oberen Muschelkalk beschränkt ist, und dass dieser Horizont in beiden Fällen eine Grenzbank so- wohl in der petrographischen wie faunistischen Facies bedeutet. Es lässt sich wohl nur damit erklären , dass in beiden Horizonten zu- gleich mit einer veränderten oceanischen Einströmung Schwärme von Larven in das germanische Triasmeer eingeführt wurden, welche zwar zur Entwickelung , aber zu keiner Fortpflanzung kamen. Als Irrgäste aus dem Ocean, welche nur im Schaumkalke Oberschlesiens zur wirklichen Entwickelung kamen, sonst aber nur ganz sporadisches und lokalisiertes Auftreten zeigen, sind noch eine Anzahl anderer Brachiopodenarten zu nennen, so Sinriferina hirsuta und 3Ien^elii, Itetzia trigonella , FiltyncJwnella decurtata und Waldheimia angusta. Die Muscheln oder Lamellibranchiaten schliessen sich bald dem sessilen Benthos an, insofern sie aufgewachsen oder mit Byssusfäden am Untergründe befestigt sind, wie Ostrea, Feden, Lima, Mytilus und GerviUia oder sie sind zum vagilen Benthos zu zählen, falls sie auf dem Meeresgrunde sich fortbewegen können, wie 3Iyo- 'phoria, Corbula, Lucina, Venus, Mya u. a. Auf die einzelnen Formen der Lamellibranchiaten näher einzugehen, würde zu weit führen und es möge eine kurze Charakteristik genügen. Im allgemeinen fällt bei vielen Gruppen die glatte Schale, d. h. der Mangel von Ver- zierung auf. Nur die Ostreen tragen den scharfgerippten Alectryonia- Typus, auch Hinnites comptus ist zuweilen stark gefaltet, aber alle anderen Pectiniden sind glatt. Die Limiden sind mehr oder minder stark gerippt. Unter den Gervillien giebt es zwar einige gerippte Arten, aber die Hauptform GerviUia socialis ist ohne Verzierung; Myoplioria vulgaris und elegans zeigen eine schöne verzierte Schale und ebenso sind Myoph. fallax und Goldfussi gerippt, alle anderen Arten sind glatt. Ausschliesslich glatte Schalen kommen ferner den Niictda- , Area- , Lucina- und Myti-kxien zu. Eine weitere all- gemeine Eigenschaft ist die Dünnschaligkeit der Muscheln ; nur die Myophorien zeigen eine etwas dickere Schalenbildung, welche aber bekanntlich der ganzen Gruppe der Trigoniden eigen ist. Die im Muschelkalk auftretenden Arten der Muscheln gehören ausschliess- lich der litoralen Fauna an und zwar scheinen es meist Bewohner des Schlammgrundes, nicht des felsigen Bodens gewesen zu sein, wir finden sie wenigstens meistens im Mergel oder innerhalb der thonigen Kalkbänke eingeschlossen. Unter allen im Muschelkalk auftretenden Tiergruppen zeigen die Lamellibranchiaten die grösste Individuenzahl und Formenfülle, - 70 — trotzdem sind sie als Leitfossile nur wenig zu gebrauchen, da die meisten Arten durch alle Horizonte des unteren und oberen Muschel- kalkes durchgehen und sich in den östlichen Gebieten auch im mittleren Muschelkalke vorfinden. Immerhin lassen sich auch hier Beobachtungen teils über die Entwickelung und das Aussterben ein- zelner Arten machen , welche am übersichtlichsten aus der bei- gefügten Zusammenstellung der Fauna hervorgehen. Nur weniges möge hier hervorgehoben sein. Die Ostreiden zeigen eine langsame stetige Verbreitung im unteren Muschelkalk, ein überaus üppiges Gedeihen dagegen im oberen Muschelkalk, ohne dass jedoch eine Einwanderung neuer Arten zu beobachten wäre. Unter denLimiden sind die schwach- gerippten Arten Lima lineata und radiata für den unteren Muschel- kalk leitend, während die scharfrippigen Arten (L. regidaris) zurück- treten; im oberen Muschelkalk tritt sofort die scharfrippige Lima striata in ungeheurer Menge auf, während die Formen des unteren Muschelkalkes fehlen. Es scheint hier ein Aussterben der schwach- gerippten und Einwanderung der scharfrippigen Art stattgefunden zuhaben. liinnites comptus fehlt dem unteren Muschelkalk fast gänzlich, während er sofort im Hauptmuschelkalk in Masse und in prächtiger Entwickelung auftritt. Unter den Pectiniden scheinen die kleinen glatten Arten durchzugehen, während der grosse JPecten laevlgatus im oberen Muschelkalk eingewandert erscheint. Auch bei den Gervillien machen wir die Beobachtung, dass zwar einzelne kleine Arten des Wellengebirges (G. suhglobosa) aussterben, andere dagegen, und darunter die häufige G. socialis, fast unverändert per- sistieren. Besonders interessant ist das formenreiche Geschlecht der Myophorien. Die scharfgerippte Myoplioria costata ist überhaupt auf das Röt beschränkt ; die glatten Arten entwickeln sich im Wellen- gebirge überaus stattlich und gehen mit geringen Ausnahmen (31. orhicnlaris) durch den ganzen Muschelkalk durch ; dasselbe gilt von M. vulgaris^ von welcher sich im unteren Muschelkalk eine kleine hoch- gewölbte Varietät als M. cardissoides abtrennen lässt. Als neue Arten stellen sich im oberen Muschelkalk die grosse M. pcs anseris und die mit der M. costata verwandte M. Goldfussl ein, deren Entwickelung offen- bar nicht in die germanische Triasprovinz fällt. Die übrigen Lamelli- branchiaten, unter welchen besonders die dünnschaligen Myaciten (Pleuro)nga, Änoplophora, Panopaea) durch Häufigkeit sich auszeich- nen, bieten wegen ihrer indifferenten Schalenbildung für unsere Unter- suchungen weniger Interesse (vergl. im übrigen die Tabelle S. 75). — 71 — Die Gasteropoclen oder Schnecken, welche, abgesehen von JJentalium, ausschliesslich zum vagilen Benthos gehören, sind für unsere Studien von geringem Interesse. Die im Schlamm lebende Art Dentaliiini geht durch den ganzen Muschelkalk hindurch, ebenso wie die meisten anderen Arten. Wie unter den Muscheln, überwiegen auch bei den Schnecken die dünnschaligen glatten Arten; sie weisen auf ein Leben im ruhigen Wasser der litoralen schlammigen Zone hin. Abgesehen von kleinen Natica- und JSferUa-krten finden sich viele und schöne Vertreter unter der Gruppe der Pyramidellen (Loxo- nema oder Cliemnitzia) ^ von welchen jedoch leider meist nur die Steinkerne erhalten sind. Von der grössten Wichtigkeit als Leitfossile sind im Muschel- kalk, wie in anderen Formationen die Cephalopoden und zwar speciell die Ammonitiden. Ihr offenbar sehr leicht bewegliches, aber doch benthonisches Leben, wozu sich noch die Verschleppung der schwim- menden leeren Gehäuse gesellt, sowie die rasche Formenveränderung der Schalen machen sie besonders geeignet, die Rolle von guten Leitfossilien zu übernehmen. Von dem Vertreter der Nautiliden , Nautilus hidorsatus^ können wir absehen, derselbe geht mit geringer Variabilität gleich- massig durch alle Schichten des Muschelkalkes durch. Anders die Ammonitiden; ihre Heimat und ihre Entwickelungssphäre liegt frei- lich in dem offenen Ocean und von den zahllosen prächtigen Formen, wie wir sie aus der alpinen Trias kennen , haben sich nur wenige in das germanische Muschelkalkmeer verirrt und noch weniger von diesen kamen dort zur eigentlichen Entwickelung und Entfaltung. Aber auch die sparsamen Überreste sind wegen ihrer Beschränkung auf bestimmte, vertikal eng begrenzte Horizonte von Wichtigkeit. Bereits im Röt der östlichen und nordöstlichen Bezirke der germanischen Trias finden wir einen Ammoniten aus der Gruppe der Pinacoceraten , die Beneckeia (Ceratites) tenuis, aus welcher sich innerhalb des germanischen Muschelkalkmeeres die bereits degenerierte, aber durch ihre allgemeine Verbreitung und Häufigkeit ausgezeichnete B e n e c k e i a (Ceratites) Buch i i entwickelte. Es ist dies die einzige Art des unteren Muschelkalkes, welche wenigstens auf einige Zeit Fuss fasste und in manchen Gegenden zu reichlicher Entwickelung kam. Die Verhältnisse waren aber offenbar sehr un- günstig, wie man an den zahllos als Brut abgestorbenen Schalen- resten , die in keinem Verhältnis zu den seltenen ausgewachsenen Exemplaren stehen, erkennen kann und es blieb deshalb mehr oder - 72 — minder bei dem Versuche und die Gruppe verschwand noch im mittleren Wellengebirge. Alle übrigen Formen des unteren Muschelkalkes gehören zu den grössten Seltenheiten und sind meist ausschhessHch auf die öst- lichen und nordöstlichen Gebiete beschränkt. Wenn sich trotzdem zuweilen ein Exemplar bis in unsere schwäbischen Gegenden ver- irrt hat, so liegt dabei entschieden der Gedanke an eine Ver- schleppung der toten schwimmenden Schalen näher, als an eine Wanderung des lebenden Tieres. So ist für die unterste Stufe des Wellengebirges bezeichnend Hitngarites StromhecJci, in höheren Schichten findet sich Ceratites antecedens, zu welchem sich im Osten noch einige weitere Arten (Pfjjchites dux, Ottonis, Dantes i) gesellen. Ganz anders gestalten sich die Verhältnisse im oberen Muschel- kalk ; nicht von Osten , sondern von Südwesten her wanderte hier eine neue Ammonitengruppe ein, welche sofort Boden fasste und zu einer überausreichen Entfaltung kam; es ist die Gruppe des Cera- tites nodosus. Die ursprüngliche Heimat dieses Ceratiten ist nicht bekannt, denn aus dem alpinen Meere stammt er wohl kaum, sonst müssten wir ihm dort viel häufiger begegnen \ oder wenigstens seine nächsten Verwandten finden : das isolierte Vorkommen von typischem Nodosus-\id\]^ bei Toulon scheint vielmehr auf eine Einwanderung aus \südlichen Distrikten , deren Ablagerungen nicht mehr erhalten oder noch nicht aufgefunden sind, zu sprechen. Dass C. nodosus von Südwesten her einwanderte und nicht von Osten, geht aus der Verbreitung dieses Fossiles hervor, die ebenso, wie die gesamte For- mation der Nodosus-lialke im Westen von Deutschland ihren Höhe- punkt erreicht und sich ganz allmählich gegen Osten und Nordosten verliert. Während des ganzen oberen Hauptmuschelkalkes bleibt Ceratites nodosus in allen möglichen Varietäten das typische Leit- fossil. Von derselben Richtung her wandert sodann mit Abschluss ^ Wenn es auch Tornquist (Xachr. d. k. Ges. d. Wissensch. zu Güttingen, math.-phys. Kl. 1896. Heft 1 und Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 4. Bd. 1898. 8. 209) gelungen ist, in den Buchensteiner Schichten von St. llderico im Tretto eine Fauna mit Ceratiten vom Typus des NodosKs aufzufinden, so lässt dieses bcschlänkte Vorkommnis noch nicht den Schluss zu , dass dort die Heimat un- serer Nodosen war: es beweist nur. dass damals im Viccntinischen analoge Lebensbedingungen herrschten, wie im germanischen Triasmeerc und dass auch dort ('. vodosits eine Zeitlang gedieh. Sehr wichtig ist und bleilit der Fund in stratigraphischer Hinsicht, da durcli ihn die Gleichstellung der Buchensteiner Schichten mit dem ausseralpinen XodosKs-Kalk. bewiesen ist. - 73 - des Muschelkalkes, kurz ehe die erneute Abschnürung erfolgte, eine neue charakteristische Art der Ceratites semipartitus ein, dessen Verbreitungsbezirk jedoch hinter dem des C. nodosus zurück- steht, obgleich auch diese Art zu ausserordentlich üppiger Entwicke- lung kam. Wir können damit die Studien über den Benthos des Muschel- kalkmeeres schhessen, denn die seltenen Echinodermen ebenso wie die Crustaceen sind ohne Bedeutung für das Gesamtbild. Das Nekton, d. h. die aktiv im Meere schwimmende Tierwelt, ist, wie meist in den marinen Ablagerungen, sparsam vertreten, teils weil ihre Überreste nicht sehr erhaltungsfähig sind , teils weil sie überhaupt sparsamer vertreten waren. Zum Nekton gehören in erster Linie die Fische, unter welchen die beiden Haifischarten Hijhodus und Acrodus am häufigsten sind; beide gehören ausgestorbenen Gruppen an, über deren Lebensweise wir nichts wissen, nur so viel lässt sich nach ihren Vorkommnissen annehmen , dass sie aus- gesprochene Küstenbewohner waren. Die isolierten Zähne dieser Arten finden sich im ganzen Muschelkalk zerstreut. Interessanter ist die Gattung Ceratod i( s , welcher wir im Muschelkalk zum ersten- male begegnen. Der heute noch in den Flüssen von Queensland lebende „Barramundi" (Ceratodus Forsten) ist bekanntlich ein an das Zwitterleben im Süsswasser und auf dem Lande angepasster Lungenfisch, und es ist nicht ausgeschlossen, dass auch schon seine Ahnen in der Muschelkalkzeit ein ähnliches Leben an der Küste führten , und dass deshalb ihre Reste so sparsam in das Meer ein- geführt wurden. Auffallend selten sind die Schuppen , Zähne und sonstigen Überreste von Ganoidfischen {Gyrolepis, Colobodus und Sauriclithys) ^ welche sich ohne bestimmten Horizont im ganzen Muschelkalk vorfinden. Unter den Reptilien erkennen wir zunächst die Ichthyosaurier als echte Meeresbewohner, denn auch der entwickelungsgeschichtlich so wichtige Mixosaurus atavus des Wellengebirges war nicht mehr befähigt, das Festland zu betreten, und noch weniger die zwar äusserst seltenen echten Ichthyosaurier des Muschelkalkes. Ebenso stelle ich zu den Wasserbewohnern die im Muschelkalk auftretenden Notho- sauriden; die Gestaltung ihrer Extremitäten ermöglichte ihnen zwar zweifellos die Bewegung auf dem Festland, aber anderseits deuten der lange schlanke Hals, der schwere, mit plumpen Rippen ausgestattete Rumpf und die stämmige kurze Form des Humerus entschieden darauf hin, dass nicht mehr das Land, sondern bereits 74 ^ 1 ; • iL 1 kZ 1 1 t~i I 1 1 ■ ■ ^ a> M -3 ■ 1 o ^K 1 rt ■ ^ 1 1 1 . 1 1 t 1 1 T 1 1 1 1 1 i c: ■ 1 I ■t^ m 1 , a. ■ M ■" 4.» 1 \ rt t- ■ = 2 1 \ 1 (D 1 1 1 i ja 1 1 1 ! ü 1 CO ' f 1 1 3 1 1 T f 1 s 1 1 1 1 11 II 1 1 1 C' 1 b£ 1 a 1 1 Xi bxi 1 1 o C m T3 ■(j Ä 3 c: ■ , , 1 1 ■:i • ; 1 ' : 03 1 > ' 1 ■ . . ] 1 . r • • 1 - a 1 1 ' : ' i '•:■■: , 1 1 ' ■ ■»^ V, 1 ' 1 j ' 4> 1 1 1 +3 k_ ' ' 1 ' 1 1 x; 1 1 'S w ^i i 1 ^ 1 1- 1 ;-> ■- 1 , 1 © j= 1 , ' 1 • r-l OJ H br 1 1 ' 1 t - — — r- • (i O) 1 1 1 1 Q) k ' 1 T5 > f \ 1 ' 1 bD ^ £ , I a !r 1 ^ 1 -|J :r ■ 1 1 •r-t 1 1 t^' 1 \ \ i 1 ( 1 (fl j V. - ^ c (5 _§1 ? 5-. .V- 5-, c ■| ^ i 1 1 s s _tt> ?^ "r s _e c ,^ 1 r- (J 'c 1 "5 'S 5 o "^ ~ £ ■^ :i C/3 ,5 "5 c K "^ < \ 1 = ^ '':; ^ -| K r .i. ^ ^ ^ das Wasser ihr Element war. Tragen die Notliosaiiriden auch noch den Charakter der landlebenden Ahnen in sich, so spricht sich in ihnen doch auch die Tendenz zu echt marinen Arten — den Plesio- — 75 - f sauriden der Juraperiode — sehr deutlich aus, und diese Merkmale konnten sich nur im Wasserleben entwickeln. Ich betrachte daher die Nothosauriden {Nothosaurus, Simosaurus, Änarosaurus, Cymatho- - 76 — satirus u. a.) als marine Küstenbewohner, deren Element im wesent- ichen das Meer war. Unsere Kenntnis dieser Tiere erlaubt noch nicht den Schluss, dass die Entwickelung dieser Tiergruppe vom Landleben zum Meerleben innerhalb des germanischen Muschelkalkes stattgefunden hat, aber vieles scheint darauf hinzudeuten ; jeden- falls finden sich deren Überreste in allen Stufen desselben zerstreut. Die in ihrer zoologischen Stellung fragliche Gruppe der Placodon- tier kann unseren Studien wenig dienen, es scheint eine dem Meer- leben und der Nahrung von Muscheltieren angepasste Tierart (viel- leicht Schildkröte) gewesen zu sein. Die grossen Stegocephalen oder Labyrinthodonten, deren Überreste sich in Süddeutschland zuweilen noch im Muschelkalk finden, waren wohl Bewohner der Küste im brackischen und süssen Wasser, und ihre Knochen und Zähne sind nur in die Meeres- ablagerungen eingeschwemmt, ebenso wie die sparsamen Überreste von Land pflanzen (VoUzia). Die beifolgende Liste soll keineswegs die gesamte Muschel- kalkfauna erschöpfend wiedergeben , sondern es sind nur einzelne charakteristische Arten herausgegriffen, um ein allgemeines Bild von der Verbreitung des Benthos und Nekton in den einzelnen Schichten- gliedern zu geben, wobei die Fauna von Südwestdeutschland zu Grunde gelegt ist. Als beste Leitfossilien können wir das sessile Benthos und vom vagilen Benthos die Ammonitiden ansehen, ersteres wegen seiner unmittelbaren Abhängigkeit vom Untergründe, letztere wegen ihrer Empfindlichkeit gegen fremde Einflüsse. Sehr scharf tritt gerade bei diesen beiden Gruppen der Umstand hervor , dass wir zwei getrennte Faunen zu unterscheiden haben, diejenige des unteren und diejenige des oberen Muschel- kalkes; diese Faunen sind getrennt durch die Formation des mittleren Muschelkalkes mit seiner grossen Petrefaktenarmut. Nur wenige, meist indifferente Arten des sessilen und mehrere des litoralen vagilen Benthos und des Nekton gehen durch den ganzen Muschel- kalk hindurch. Wenn aber trotzdem viele Arten des unteren Muschel- kalkes wieder unvermittelt im oberen Muschelkalk auftreten, so be- weist dies, dass ihre Entwickelung in anderen Gebieten ausserhalb der germanischen Muschelkalkprovinz vor sich ging, d. h. dass diese Arten sich gleichmässig auch im offenen Ocean erhalten hatten, und zur Zeit des oberen Muschelkalkes wieder aufs neue einwanderten. Aus der geographischen Verbreitung der Arten können wir darauf schliessen, dass die Ein Wanderung im Röt und unteren — 77 — Muschelkalk von Osten, im oberen Muschelkalk von Westen her kam, dazwischen liegt die Zone des mittleren Muschel- kalkes, welche nur ein Aussterben und Verkümmern vorhandener Tiere, aber keine Einwanderung neuer Arten erkennen lässt. Bildungsgescliichte . So führt uns das Studium der Gesteinsbeschaffenheit wie der organischen Einschlüsse zu demselben Resultate über die Bildungs- geschichte des Muschelkalkes, welche sich folgendermassen gestaltet. Wir haben gesehen , dass zu Ende der Buntsandstein- Periode die weiten Wüstengebiete alle Anzeichen tiefer Depressions- gebiete zeigen, in welchen die Sandwüste mehr den Charakter einer Lehm- und Schlammwüste annahm. Der Eintritt feuchterer klimato- logischer Verhältnisse führte in diesen Niederungen zur Bildung von weitausgedehnten Sümpfen und Binnenseen. Die andauernde positive Bewegung, welche offenbar im Osten am stärksten war, ermöglichte allmählich am Schluss der Buntsandstein-Periode eine Kommunikation des offenen oceanischen Meeres mit den Depressionsgebieten und ihren Binnenseen. Diese Verbindung nahm mehr und mehr an Ausdehnung zu, so dass das ganze Depressionsgebiet mit Meerwasser sich erfüllte und mit ihm zugleich eine marine Fauna bezog, welche sich von Osten nach Westen ausbreitete und zwar derart, dass an- spruchslose Vertreter des vagilen Benthos ebenso wie einige sessile Lamellibranchier und Brachiopoden überaus rasche Verbreitung fanden, während bei anderen Arten, besonders des sessilen Benthos, das Vordringen sehr langsam ging. Schon von der Mitte des unteren Muschelkalkes an beobachten wir im Osten eine negative Strand- bewegung, welche durch einen litoralen Charakter des dortigen Ge- steines wie der Fauna angedeutet wird. Diese Bewegung führte schliesslich zu einem Abschluss der Verbindung mit dem offenen Ocean und das Muschelkalkmeer nahm den Charakter eines Binnen- meeres resp. Salzsees an. Der grösste Teil der Fauna starb ab oder fristete in den durch Zuflüsse vom Lande her etwas ausgesüssten Küstenzonen ein kümmerliches Dasein. Der negativen Bewegung im Osten entsprach eine positive Bewegung, d. h. eine Senkung im Westen, so dass dort die tiefsten Punkte des Salzsees sich ausbildeten, in welchen aus den übersättigten Lösungen Steinsalz und Anhydrit zur Ausfällung kamen. Zugleich bereitete sich dort auch eine neue Verbindung mit dem offenen Ocean vor, welcher nun mit Abschluss des mittleren Muschelkalkes in die Niederungen des Salzsees einfloss — 78 — und demselben wiederum den Charakter des Meeres gab. Ein Auf- leben der fast abgestorbenen Fauna und eine Bereicherung durch neu eingewanderte oceanische Arten war die Folge. Die Verbindung mit dem offenen Ocean im Südwesten blieb während der ganzen Zeit des Hauptmuschelkalkes bestehen, doch war der Weg entweder ein weiter oder ein beengter, denn die Einwanderungen neuer Arten sind sehr beschränkt. Zu Ende des Hauptmuschelkalkes machen sich im ganzen germanischen Triasgebiet wieder negative Ver- schiebungen, d. h. Hebungen des Untergrundes, bemerkbar, das Benthos der Tiefsee stirbt ab und nur die Küstenfauna konnte sich erhalten und zu üppiger Formenfülle entfalten. Die Überreste des küstenbewohnenden Nekton mehren sich, vielfach vermischt mit ein- geschwemmten Küstenbewohnern. Mit dieser Facies des Trigonodus- Dolomites ist der Eintritt einer neuen Phase der Triasperiode ein- geleitet. 3. Die paralischen Bildungen der Lettenkohle. Die Lettenkohle bildet ein ausgesprochenes Binde- oder Zwischen- glied zwischen dem marinen Muschelkalk und den Binnenseeablage- rungen des Keupers und wird deshalb bald zu diesem, bald zu jenem gestellt. Für diese Betrachtungen scheint es mir am geeignetsten, sie als ein selbständiges Schichtenglied zu behandeln, das den Über- gang vom Muschelkalk zum Keuper vermittelt. Die Gesteinsarten und Fossilien der Lettenkohle zeigen den Typus einer paralischen Facies, d. h. einer Bildung in flachen Küstenländern , in welchen bald der marine, bald der terrestrische Einfluss überwiegt. Bezüghch ihrer Verbreitung schhesst sich die Lettenkohle noch auf das engste an den Muschelkalk an, lagert stets konkordant auf diesem, ja sie entwickelt sich, wie Benecke ^ bemerkt, gewissermassen aus den obersten Schichten des Muschelkalkdolomites, indem die festen Bänke zurücktreten, die Mergel überhandnehmen und hier und da Sandsteine sich einschieben. Wo oberer Muschel- kalk sich findet, da ist sicherlich auch die Lettenkohle entwickelt, während anderseits in den Gegenden, wo der Muschel- kalk nicht mehr entwickelt ist, auch die Lettenkohle fehlt. Ein treffendes Beispiel bildet hierfür Luxemburg, wo wir zugleich mit dem Auskeilen und Verschwinden des Muschelkalkes auch ein entsprechen- • Ben ecke. W.. Abriss der Geologie von Elsass-Lothringen (Statist. Be- schreibung V. Elsass-Lothringen). Strassburg 1878. — 79 — des Verhalten der Lettenkohle beobachten können. Mit Sicherheit können wir sowohl in der geographischen Verbreitung wie in der Aus- bildung eine Abhängigkeit, d. h. einen genetischen Zusammen- hang von Lettenkohle und oberem Muschelkalk bemerken, eine Thatsache, welche wohl zu beachten ist. Bezüglich des Gesteinscharakters beobachten wir, dass die Lettenkohle sich zumeist aus dunkelgrauen Mergeln mit Zwischenlagen von dolomitischen Kalken aufbaut. Nur in den Küstenzonen, wie z. B. in Luxemburg, treten die sonst für den Gipskeuper charakteristischen roten Färbungen auf. Eine sehr bezeichnende Schichte, welche in vielen Gegenden die Grenze von Muschelkalk und Lettenkohle bildet, ist das Bonebed, eine aus- gesprochene Knochenbreccie oder wenigstens eine Anhäufung von Knochen- und Zahnfragmenten der sowohl in der litoralen Zone des Meeres (Selachier, Ganoidfische und Nothosaurier) wie an der Küste (Labyrinthodonten) auf dem Lande lebender Wirbeltiere. Es ist dies eine sehr charakteristische Strandbildung, wie wir sie auch heute noch an vielen Küsten des Meeres beobachten können. Auch die dolomitischen Kalke und Mergel sind als Niederschläge im flachen Küstenmeere aufzufassen, was sich auch durch die Einschlüsse von marinen Küstenbewohnern , wie Lingula , JEstheria und Cardinien, kundthut. In diese Schlammfacies des Ufers gleichsam eingebettet und mehr oder minder tief in sie eingreifend, finden wir feinkörnige Sandsteine, deren normaler Horizont etwa in dem mittleren Teile der Lettenkohle liegt, welche aber auf Kosten der unteren Schichten bis zum Muschelkalke hinabgreifen und dann (z. B. Beuerlbach bei Crailsheim) direkt auf dem Dolomit auflagern. Die Mächtigkeit des Sandsteines ist eine schwankende und rasch sich verändernde und zwar in der Art, dass wir zwar konstant im unteren Dritteil der Lettenkohle einen sandigen Horizont verbreitet finden, dass aber dieser Horizont lokal und zwar in bestimmten Zonen oder Strichen plötz- lich anschwillt und zwar nach unten. Es erklärt sich dies, wie Thürach es bei den vollständig analogen Verhältnissen des Schilf- sandsteines nachgewiesen hat, dadurch, dass durch Strömungen oder Flüsse tiefe Furchen in den Schlammgrund eingerissen waren, welche sich mit Sand erfüllten, und so ein ähnliches Bild wie ein mit Allu- vionen erfülltes Thal gaben. Wir können nach dem Vorgange von Thürach auch in der Lettenkohle von einem normal gelagerten Sand- stein und einer Flutbildung desselben reden , ersterer ein ganz all- gemein und auf weite Strecken gleichmässig verbreiteter Horizont, — 8U — letztere eine nur lokal beschränkte Erscheinung. Der Sandstein, insbesondere in der Flutzone, trägt einen ausgesprochen terrestrischen Charakter, unter den Fossilien treten Land- und Sumpfpflanzen in den Vordergrund, zu welchen sich noch die Überreste von landleben- den Labyrinthodonten gesellen. Wir können uns die Bildung des Sandsteines in der Weise leicht erklären, dass wir eine leichte Hebung des Untergrundes in dem an sich schon sehr flachen und seichten Meere annehmen, hierdurch wurden einesteils durch Strö- mungen und einmündende Gewässer tiefe thalartige Furchen in dem schlammigen Untergrunde ausgewaschen und anderseits Sand von der nahen Küste eingeführt, welcher die Thalfurchen und Flutrinnen erfüllte und sich auch sonsthin weit auf dem Meeresboden ver- breitete. Die ausgedehnten Sumpfbildungen und die dadurch bedingte Einschwemmung von Pflanzenresten führte zu einer freilich sehr untergeordneten Kohlenbil düng, welcher die Formation ihren Namen verdankt. Es ist nun interessant zu beobachten, wie die- selbe Gesteinsfacies der Mergel und dolomitischen Kalke, welche die Schichten zwischen Sandstein und Muschelkalk bilden, von dem Sand- steine an nach oben in umgekehrter Richtung ausgebildet ist, so dass sie von sandig-mergeliger Facies in dolomitische Mergel und schliess- lich in reine Dolomite — Grenzdolomit — oder Zellendolomite über- geht. Dieser obere Grenzdolomit entspricht in seiner Facies etwa dem Trigonodi(s-Do\orait, und interessant ist, dass sich in demselben die echte marine Muschelkalkfauna wiederfindet , vertreten durch die uferbewohnenden Arten des vagilen Benthos und einzelnen Formen des Nekton. Es sind sogar grösstenteils dieselben Species {Myophoria Gohlfnssi, Jaevigata, vulgaris, GerviUia socialis, subcostata, Nautilus hiilorsatus, Nothosaurier etc.) und nur durch wenige Varie- täten {Myophoria transversa u. a.) vermehrt. Der Schluss, dass bei Abschluss der Lettenkohlenperiode wieder analoge Verhältnisse herrsch- ten wie zur Zeit der letzten Muschelkalkablagerungen, dürfte dem- nach gerechtfertigt erscheinen. Suchen wir eine Erklärung für die Bildung der Letten- kohlenformation, so können wir uns etwa die Vorgänge folgender- massen vorstellen. Die Periode des Muschelkalkes schloss ab mit einer allgemein durchgreifenden negativen Bewegung, wobei jedoch, wie hervorgehoben wurde, die Verbindung mit dem offenen Ocean im Südwesten nicht unterbrochen wurde ; wir haben uns im Gegen- teil zu denken, dass gerade dorthin die Wasser ihren Abfiuss suchten - 81 — und fanden. Durch die fortgesetzte Hebung des Untergrundes ge- wann das germanische Triasmeer den Charakter einer Flachsee, aus welcher sich der vagile Benthos nach tieferen und freieren Gegenden im Südwesten zurückzog und in welchem nur wenige halbbrackische Arten wie die Estherien, Lingula und Cardinien, sich üppig entwickel- ten. Die Küste trat natürlich infolge dieser negativen Bewegung immer näher, d. h. die Meeresbucht wurde kleiner und der niedrige Meeres- grund wurde von Strömungen u. dergl. durchfurcht. Das Maximum der Hebung ist gekennzeichnet durch das Einschwemmen von Sand über die Schlammgebilde hinweg und durch Ausfüllung der Furchen mit demselben. Von dem Abschluss des ersten Drittels der Letten- kohle begann wiederum eine Senkung und damit eine Ausbreitung des Meeres und Vertiefung des Untergrundes. Die Sandschichten wurden wieder mit Schlick und Schlamm bedeckt, dieselbe Tierwelt, wie in der unteren Lettenkohle, stellte sich wieder ein und bei fort- gesetzter Senkung wurde auch diese wiederum von der echt marinen Fauna, dem vagilen Benthos und dem Nekton des obersten Muschel- kalkes, verdrängt ^ 4. Die Binnenseebildungen der Keuperzeit. Die Keuperformation mit ihrem bunten Wechsel der verschie- densten Gesteinsarten und ihrer raschen lokalen Änderung weist auf sehr verschiedenartige Entstehungsursachen hin, welche nicht immer leicht zu deuten sind. Wenn ich trotzdem den Versuch mache, so stütze ich mich dabei auf die ausserordentlich sorgfältigen Studien von Thürach^, welche neben den Detailstudien einen Überblick über die gesamte germanische Triasprovinz geben. Was uns bei der geographischen Verbreitung des Keupers sofort auffällt, ist die bedeutende Erstreckung dieser For- mation weit über die Grenzen des Muschelkalkgebietes hinaus. In dieser Hinsicht schliesst sich das Verbreitungsgebiet an dasjenige des Buntsandsteines an, ja, greift noch über * Die Entstehungsgeschichte spricht demnach auf das entschiedenste füi- die Zuziehung der Lettenkohle zum Muschelkalk, indem sie nur eine und zwar die letzte Phase des noch mit dem offenen Ocean kommunizierenden Meeresarmes. der auch den Muschelkalk ablagerte, darstellt. ^ Thürach, H., Übersicht über die Gliederung des Keupers im nördlichen Franken im Vergleiche zu den benachbarten Gegenden (Geognost. Jahresh. München. I. .Tahrg. 1888 S. 75—162, II. Jahrg. 1889 S. 1-90). Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Wiirtt. 1899. 6 — 82 — dessen Grenzen hinaus. So finden wir nicht allein die deutschen Triasgebiete, deren Umgrenzung bei der Verbreitung des Muschel- kalkes (S. 58 ff.) besprochen wurde, von Keuper beherrscht, sondern es gesellten sich hierzu im Osten die weiten Keupergebiete in Polen bis in das Krakauer Gebiet: im Norden bildete die skandinavische Halbinsel das Triasufer, in England lagern auf dem Buntsandstein ohne Zwischenlagerung von Muschelkalk mächtige Keupergebilde, welche bis zur äussersten Nordspitze von Irland reichen. Dasselbe Verhältnis wie in England findet sich im nördlichen Frankreich; aber auch in dem grössten Teile des übrigen Frankreich ist der Keuper sehr verbreitet und erreicht teilweise ganz ausserordentliche Mächtig- keiten. Wir dürfen deshalb die Grenzen des Keupergebietes sehr weit ziehen und annehmen, dass dasselbe ausser der deutschen Triasprovinz einen Teil von Polen, das südliche Skandinavien, einen grossen Teil von England und Irland, sowie nahezu ganz Frankreich und vielleicht noch einen Teil von Spanien umfasste. Bezüglich der genaueren Umgrenzung innerhalb der deutschen Ge- biete entnehmen wir Thürach (1. c. I. Teil S. 80) folgendes: „Die Küste des Keupermeeres wurde gebildet vom Südwestabhang des Thüringer- und Frankenwaldes, des Fichtelgebirges und des bayrisch- böhmischen Grenzgebirges in einer etwas gebogenen von NW. nach SO. verlaufenden Linie. In der Gegend von Regensburg wendete sich dieselbe, eine tiefe Bucht gegen Westen bildend, annähernd dem heutigen Donauthal folgend, bis ungefähr in die Gegend von Nörd- lingen, um dann in südwestlicher Richtung sich bis in die Schweiz zu erstrecken." Die Scheidewand gegen die alpinen Triasmeere bildete der schon öfters erwähnte vindelicische Gebirgsrücken. „Ausser diesen Küstenländern waren zur Keuperzeit noch Fest- land: das ganze böhmisch-mährische Bergland, ein Teil von Oberöster- reich, das Erzgebirge und die Sudeten. Von diesem Lande stammt der grösste Teil des mechanisch durch das Wasser herbeigeführten Materials des fränkischen Keupers, zu dem die aus dem germanischen Keupermeere als Inseln emporragenden Bergländer des (?) Schwarz- waldes, (?) der Vogesen, des Harzes, rheinischen Schiefergebirges und der nur durch einen schmalen Meeresarm davon getrennten Eifel und Ardennen wohl nur einen unbedeutenden Beitrag geliefert haben. Dagegen bildete im Norden dieses Meeres das nördliche Russland und Skandinavien und vielleicht das ganze Gebiet von hier aus weiter über Schottland bis Grönland und das nördliche Nordamerika einen grossen, aus Urgebirges und palaeozoischen Gesteinen bestehenden Kontinent." — 83 — Aus der sorgfältigen Untersuchung und Verfolgung einzelner Keuperhorizonte und deren Facies, konnte Thürach noch weitere Schlüsse ziehen, über welche er sich folgendermassen ausspricht: „Nach der Beschaffenheit der Keuperablagerungen rings um das ge- schilderte, von den Sudeten bis zum Thüringer Wald und bis zu den heutigen Alpen reichende Festland, dürfen wir annehmen, dass der grössere Teil des Wassers auf demselben in die fränkische Keuper- bucht abgeflossen ist und hier zunächst der Küste Ablagerungen er- zeugte, welche fast nur aus losem Sand und lockeren, grobkörnigen Sandsteinen bestehen, und zugleich durch ihren Reichtum an Feld- spat und Kaolin ihre Abstammung von einem vorwiegend aus Ur- gebirge bestehenden Lande noch besonders andeuten. Je weiter man sich von der Küste und aus der Bucht ent- fernt, um so mehr treten die sandigen Gesteine zurück, während die Lettenschiefer und Mergel und weiterhin der Gips an Mächtigkeit gewinnen, bis schliesslich in den ausserhalb des Meerbusens gebildeten Keuperablagerungen in Elsass-Lothringen , an der Weser und in Thüringen die Sandsteinbildungen bis auf den Schilfsandstein fast gänzlich verschwinden. Diese Veränderungen in der Beschaffenheit der Gesteine sind sehr auffälliger Art und erfolgen in den meisten Horizonten ziemlich gleichartig an denselben Orten, so dass man die germanischen Keuper- bildungen in verschiedene Zonen abteilen kann. Wir unterscheiden deshalb, von der fränkischen Keuperbucht ausgehend, eine randliche Zone, welche auf Franken beschränkt ist , den inneren Teil der Keuperbucht erfüllt und deren westliche Grenze ungefähr aus der Gegend von Kulmbach nach Fürth bei Nürnberg, Ansbach und Dinkels- bühl zu ziehen ist, eine mittlere Zone, welche von dieser Linie an die ganze fränkische und schwäbische Keuperprovinz umfasst, und eine äussere Zone, welche von den Keuperablagerungen in Elsass- Lothringen , Luxemburg , am Rande der Eifel , an der Weser , in Braunschweig, Thüringen und Schlesien gebildet wird und welche alle unter sich einen sehr ähnlichen Aufbau zeigen. Wir haben , wie hieraus ersichtlich , einerseits einen zonalen Facieswechsel innerhalb des Verbreitungsgebietes des Keupers zu beobachten, und hierzu gesellt sich die grosse Mannigfaltigkeit inner- halb der Schichtenserie selbst, wodurch das Gesamtbild ein überaus buntes wird. Teils nach der Gesteinsbeschaffenheit, teils nach den Fossilien wird der Keuper in einzelne Glieder getrennt, welche zugleich ge- — 84 — wissen Phasen der Entstehungsgeschichte entsprechen und welche wir nun im einzelnen zu betrachten haben. Der untere Gipskeupcr. Über der Lettenkohle beginnt ein wesentlich neuer petro- graphischer Charakter; an Stelle der grauen Mergel und Dolomite treten nunmehr bunte, meist rot- und grüngefärbte Gips- mergel als leitendes Hauptgestein. Untergeordnet stellen sich ein- zelne Steinmergel-Bänke auf, zuweilen mit dolomitischem Material, in der Regel aber nur aus einem durch kalkiges Bindemittel ver- festigtem Thon bestehend. Sehr charakteristisch ist das Auftreten von Gips, der lokal in mehr oder minder mächtigen Stöcken oder Lagen angehäuft ist. Am weitesten ist seine Verbreitung in den unteren Lagen, den sogen. Grundgipsen, die besonders in der mitt- leren Zone Thürach's sich entwickelt finden, und hier gewöhnlich auch zu einer sekundären Vergipsung des darunter liegenden Letten- kohlendolomites und selbst tieferer Horizonte (in Spuren bis zum Trochitenkalk hinabreichend) führen. Steinsalz ist zwar in der randlichen und mittleren Zone nur durch Pseudomorphosen oder geringe Spuren angedeutet, verfolgen wir dagegen die Schichten weiterhin in die äussere Zone , so mehrt sich der Salzgehalt und schwillt schliesslich in den westlichen Gebieten von Elsass-Lothringen, Luxemburg, Frankreich und besonders in England zu mächtigen Lagern und Stöcken an. Die Tierwelt ist eine ausserordentlich dürftige und auf wenige Steinmergelbänke beschränkt. Literessant und für die Bildungs- geschichte wichtig ist die Thatsache, dass diese fossilführenden Bänke, wenn auch nur einige Centimeter mächtig , doch eine ungemeine Verbreitung besitzen. Es erinnert an das plötzliche massenhafte Auftreten einzelner Insekten oder Kruster {Äpus etc.) und ist sicher nur auf das Gedeihen grosser Larvenschwärme (Meroplankton) zurück- zuführen. So liefert im unteren Teile der Gipsmergel die Bleiglanz- bank mit zahllosen Resten von Corhtila EostJwrni und seltener Myoplioria jRaibliana einen ausgezeichneten geologischen Horizont, sehr wichtig sind sodann die mit Schalenkrebsen ( Esther ia laxitexta) erfüllten Bänkchen, ebenso wie andere dünnschalige Anoplophoren oder die Spuren von Wirbeltieren, meist in Gestalt von Schuppen von Ganoidfischen oder Haifischzähnen erhalten. Das ganze Auftreten der Fauna lässt jedoch einen ausserordentlichen Unterschied zwischen einer echt marinen Tierwelt erkennen ; ein sessiles Benthos fehlt — 85 — überhaupt gänzlich und von dem vagilen Benthos sind es nur wenige Arten, welche allerdings manchmal in zahlloser Masse zur Ent- wickelung kommen ; es sind dies Arten, welche offenbar eine leichte Anpassungsfähigkeit an neue Lebensbedingungen zeigen , sei es an mehr brackisches, also ausgesüsstes Wasser oder auch an stärker ge- salzenes. Aus der Tierwelt selbst ist diese Frage nicht leicht zu entscheiden ; die Phyllopoden, zu welchen die Estherien zählen, sind heutzutage meist Bewohner des Süsswassers, doch weisen wiederum gerade die Estherien Arten auf (Artemia), welche die Salzsümpfe bewohnen und in der Fauna des Aral- und Kaspisees spielen die Estherien eine überaus wichtige Rolle. Noch indifferenter sind die Muscheln, von welchen einzelne Arten sich ebenso leicht brackischem wie übersalzenem Wasser anpassen können. Im Nekton ist nur auf- fallend, dass die im Muschelkalk und in der Lettenkohle so häu- figen Nothosaurier vollständig verschwinden , dass dagegen noch Spuren von Haifischen auftreten. Mehr Anhaltspunkte über die Bildungsgeschichte bietet uns das Gesteinsmaterial selbst. Dass dasselbe ein Niederschlag aus salzigem Wasser war, steht wohl ausser allem Zweifel und wird durch die Absätze von Gips und Salz bewiesen. Ja, die Aus- fällung dieser Minerahen lässt sogar (vergl. S. 65) darauf schliessen, dass wir es mit Bildungen in übersättigten Salzseen zu thun haben. Diese konnten sich aber nur dadurch ausbilden , dass der Yerbindungsarm mit dem offenen Meere, den wir noch zur Zeit der Lettenkohle als bestehend annahmen, abgeschnürt und unterbrochen wurde. Dadurch wurde das germanische Triasmeer in ein grosses Binnenmeer mit dem Charakter und den Eigenschaften eines Salz- sees umgewandelt und es wurden Verhältnisse hergestellt, wie wir sie analog während des mittleren Muschelkalkes kennen gelernt haben. Die Fauna schwindet und degeneriert und nur einige wenige anpassungsfähige Küstenbewohner können sich noch halten , unter Umständen sogar, wie Estheria und Corhula^ zu grosser Üppigkeit ent- wickeln. Wie zur mittleren Muschelkalkzeit, so finden wir auch im Keuper wiederum Ausfällungen der Salzlösungen und zwar Salz und An- hydrit in den offenbar tiefsten westlichen und nordwestlichen Regionen, Gips dagegen in sehr weiter Verbreitung. Die Analogie mit den heu- tigen Salzseebildungen ist sogar noch eine viel grössere, als im mitt- leren Muschelkalk, indem wir auch in den Küsten und üferzonen noch die Spuren (Pseudomorphosen) der während der trockenen Jahreszeit gebildeten und in nasser Zeit wieder aufgelösten Salzkrusten haben. — 86 — Immerhin besteht aber doch ein ganz wesenthcher Unterschied bezüghch des Gesteinsmateriales im mittleren Muschelkalk und dem Keuper; dort die grauen und dunklen Dolomite, in welchen Salz, Anhydrit und Gips eingelagert sind , hier die bunten graugrünrot gefärbten Mergel. Der Unterschied ist zweifellos auf die Bildungs- weise zurückzuführen, wobei wir uns daran zu erinnern haben, dass die Gesteine des mittleren Muschelkalkes Tiefengesteine des ab- geschnürten Binnenmeeres sind, während die Meerestiefen zur Zeit der Keuperbildung offenbar sehr geringe waren , so dass wir im Keupermaterial mehr oder minder Küstengebilde eines zwar weit ausgebreiteten, aber sehr flachen Binnensees zu sehen haben. Wir kennen aus dem Muschelkalk nur wenig Uferzonen, wo solche aber sicher beobachtet werden körinen, wie z. B. in der Eifel, in Luxem- burg und einem Teile von Lothringen \ da tritt uns auch dieselbe Färbung und Beschaffenheit des Materiales in Gestalt roter und grün- lichgrauer Schieferletten im mittleren Muschelkalk entgegen. Auch die Natur dieses an der Küste sowohl während des mitt- leren Muschelkalkes, wie während der Keuperzeit niedergeschlagenen Materiales ist nicht eine zufällige, sondern wohlbegründete. Wir müssen uns daran erinnern , dass das Muschelkalkmeer nur einen kleinen Teil des früheren Buntsandsteingebietes erfüllte , dass also fast allenthalben die Küste sich aus den Gesteinen des Buntsand- steines aufbaute und dass ein grosser Teil des Materiales , welches dem Keupermeer zugeführt wurde, den roten thonigen Schichten des oberen Buntsandsteins oder Rotes , teilweise vielleicht auch dem durch Denudation entblössten Rotliegenden entnommen wurde. Mehr Schwierigkeiten zur Deutung der Verhältnisse zur Keuperzeit macht der Umstand, dass das Areal des Keupers bedeutend grösser ist, als dasjenige des Muschelkalkes , während doch bei der Umgestaltung des einstigen Meeres in einen Salzsee das gerade Gegenteil , d. h. eine Verringerung des Areales anzunehmen berechtigt wären. Wir können es nur dadurch erklären , dass durch fortgesetzte negative Bewegung , d. h. Hebung des Bodens an Stelle des immerhin noch tiefen Muschelkalkmeeres, ein ausserordentlich flacher und seichter See trat , so dass zwa,r das Flächenareal , aber nicht das Wasser- volumen vergrössert wurde. Bei der ausgedehnten Wasseroberfläche war natürlich auch die Verdampfung eine viel grössere und dadurch ^ Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch ein grosser Teil der bunten Mergel üher dem Buntsandstein in Frankreich und England nichts anderes ist. als die Uferfacies des Mnschelkalkraeeres. — 87 - erklärt sich wiederum die reichliche Ausfällung von Sedimenten und vor allem von Gips und Steinsalz. Immerhin haben wir auch daran zu denken, dass durch die einfliessenden Gewässer in den Küsten- zonen lokal eine allmähliche Aussüssung um sich greifen konnte, und dass namentlich das Küstengebiet selbst den Charakter eines Süsswassersumpfes mit reicher Vegetation annahm. Der Schilfsandsteiii. Die Sandsteinbildung des mittleren Keupers ist vollständig analog derjenigen in der Lettenkohle , sowohl was das Material be- trifft, als auch bezüglich der Ablagerungsweise. In sehr klarer Weise schildert Thürach (1. c. I. Teil S. 132) die Art der Bildung folgender- weise : Gegen den Schluss der Bildung des unteren Gipskeupers scheint im ganzen Bereich der ausseralpinen Keupervorkommen Deutschlands eine langsame und gleichmässige, kontinentale Hebung des Meeresbodens und der umliegenden Küstenländer und Inseln gegenüber dem Wasserspiegel des Keupermeeres stattgefunden zu haben. Die eingetretene Strömung des abfliessenden Meeres^ brachte von der Küste feinen Sand und zugleich auch die Estherien mit, welche sich während der Bildung der oberen Gipsraergel wahr- scheinlich in nächster Nähe der Küste in der randlichen Keuperzone aufgehalten hatten. Gegen Ende der Hebung, welche nicht mehr als 10 m betragen zu haben braucht, um alle nun folgenden Veränderungen in den Ablagerungen hervorzubringen und zu erklären, hatten sich die der Küste zunächst liegenden Strecken in ein sumpfiges Fest- land verwandelt, während die ganze mittlere und äussere Keuper- zone noch von Wasser überdeckt war. Die von den umgebenden höheren Festländern, für Franken besonders von der grossen bayrisch- böhmischen Insel herabkommenden Flüsse ergossen sich über diese sumpfigen Küstenstrecken und gruben sich in dem ausserordentlich weichen Untergrund rasch tiefe und breite Flussbetten , welche die Strömung auch in den noch von Wasser überdeckten Gebieten der mittleren und äusseren Keuperzone fortsetzte. Wir finden an diesen Stellen den oberen Teil der Estherienschichten bis auf bedeutende Tiefe (bis 20 und 80 m) weggewaschen und in den gebildeten, grabenartigen Vertiefungen den Schilfsandstein in grosser Mächtig- keit abgelagert. In der mittleren und äusseren und in einem grossen ^ Dasselbe darf sowohl nach Westen und Nordwesten in die Niederungen des französischen und englischen Keupergebietes, wie nach Osten in die schlesisch- polnischen Distrikte gedacht Averden. — 88 — Teil der randlichen Keuperzone verbreitete sich die Strömung aber auch über die unverletzten Schichten des unteren Gypskeupers und lieferte das Material zu dem regelmässig darüber gelagerten Schilf- sandstein. Wir unterscheiden deshalb zwischen einem normal gelagerten Schilf Sandstein und einer Flutbildung des Schilfsandsteins in den ausgewaschenen, grabenartigen Ver- tiefungen. Thürach giebt eine kartographische Skizze von der Verbrei- tung der Flutzonen in Franken und dasselbe würde auch in Württem- berg ein ganz ähnliches Bild geben. Ich habe den Eindruck, als ob die Flutzonen des Schilfsandsteines in Schwaben eine Richtung von Ost nach Westen oder jedenfalls von der Alb weg gegen Nord- westen aufweisen, doch bedarf es hierüber noch weiterer sorgfäl- tiger Studien. Die Flora und Fauna gehört dem Lande an und wurde von dorther eingeschwemmt. Wirklich häufig sind nur die Equiseten (Equisetum arenacetmi), deren Überreste wie Strünke, Blattscheiden, Internodien und Wurzelknollen nicht selten die Schichtflächen er- füllen. Seltener sind die Cycadeen (Pterophylhtm) und die Farne (Pecopteris^ Glossopteris, Neuropteris, DoMcieopsis und ClatJiropteris). Auch Koniferen (Widclringtonites und Cupressites) finden sich als Seltenheiten, Von der Flora des Lettenkohlensandsteines unter- scheidet sich diejenige des Schilfsandsteines nicht unwesentlich, wenn auch manche Arten gemeinsam sind. Unter den Equiseten tritt das in der Lettenkohle häufige JE. 3Ieriani sehr zurück, ebenso ist Danae- opsis marantacea im Schilfsandstein selten. Umgekehrt mehren sich oben und stellen sich teilweise neu ein die zahlreichen Pterophyllen und Pecopteris StuUgortieoisis , ebenso wie Glathropteris rcticulata. Auch die Fauna ist eine andere ; nur noch ein Glied der riesigen Mastodonsaurier ist übrig (31. l'cuperimis). dagegen treten zwei neue, etwas kleinere Arten der Labyrinthodonten , 3Ietopias und Cycloto- saurus , auf. Ausserdem sind noch als grosse Seltenheiten Zähne von Ceratodtis, Reste von einem Dinosaurier (Zanclodon) und von einer eigenartigen Gruppe der Saurier, den sogen. Parasuchiern (Byoplax arenaccus), erhalten. Gesteinsbildung, Lagerung und die organischen Reste stimmen demnach vollkommen überein und lassen uns in dem Schilfsandstein eine fluviatile Bildung, d. h. eine Einschwemmung von Süssw asser strömen in die Niederungen der Keuperseen erkennen. 89 Die ßerggipsschichteu, Lehrbergstufe oder Rote Wand. Auf dem Schilfsandstein lagern intensiv rotbraune Mergel und Lettenschiefer, welche bei uns in Württemberg allenthalben als Abraum der Werksteinbrüche aufgeschlossen sind und treffend als „Rote Wand" bezeichnet werden. Als Einlagerungen in den bunten Mergeln finden wir untergeordnet und meist auf kleine Distrikte lo- kalisiert, dolomitische Kalkstein- und Steinmergelbänke, sowie Sandsteine und Gips. Das letztere Vorkommnis von Ala- bastergipsknollen oder linsenförmigen Stöcken führte zur Bezeich- nung Berggipse, während das petrefaktenreiche Vorkommen von dolomitischen Kalksteinbänken im oberen Teile der Stufe bei Lehr- berg den Namen der Lehrbergstufe rechtfertigt. Die Ausbildung der einzelnen Horizonte innerhalb der ßerggips- schichten sowie die Mächtigkeitsverhältnisse schwanken ausserordent- lich, und sehr deutlich macht sich bereits die verschiedenartige Facies der drei Zonen von Thürach geltend. In der Randzone finden wir eine ausgesprochen sandige Facies; die mittlere Zone stellt gleich- sam die Normalentwickelung dar, während in der äusseren Zone die Thone und Gipse überwiegen. Im Westen (Elsass-Lothringen) stellen sich petrefaktenführende Dolomitbänke und Steinmergel (Haupt- steinmergel Benecke's oder Horizont Beaumont) bereits in den unteren Berggipsen ein, während sie in Franken als Lehrbergschichten erst oben lagern. Die Versteinerungen, welche zuweilen in Menge die dolomitischen Kalke erfüllen, gehören fast alle einer kleinen Turm- schnecke {Turritella Theodorii Berg.) an, während die Schalen einer flachen Muschel {Trigonodus keuperimis Berg.) schon recht selten sind. An einer Lokalität fand Thürach auch noch einige andere Arten von Gasteropoden und Bivalven , auch Spuren von Fischen wurden beobachtet. Im allgemeinen dürfen wir jedoch die Fauna als eine äusserst ärmliche und verkümmerte bezeichnen, sie ent- spricht weder dem Leben eines Süsswassersees. noch viel weniger dem des Meeres, sondern trägt wie die Fauna der unteren Gips- mergel den Charakter eines Salzsees. Zu der Annahme, dass es sich bei den Berggipsschichten um nichts anderes als um die limnischen Bildungen innerhalb eines abgeschlossenen Seebeckens handelt, werden wir auch durch die Gesteinsbeschaffenheit bestärkt. Die bunten, meist rot gefärbten Mergel mit Gips und Steinsalzpseudomorphosen entsprechen voll- ständig den Sedimenten, welche wir in den mit Salzlaken erfüllten — [)() — Niederungen zusammengeschwemmt finden. Die Sandfacies der Rand- zone entspricht der Küste, welche wir uns als ein sumpfiges Gebiet zu denken haben , das ganz allmählich in den Salzsee überging. Auf die Bildung und Lagerung des Sandes kommen wir später noch eingehender zu sprechen. nie obero Abteihiii^- dos hiinten Kcupors. (Stubonsaiidstein und Zanclodou-Mor^el.) Schärfer als in den unteren und mittleren Stufen des Keupers kommt die Trennung der Sand- und Thonfacies in der oberen Ab- teilung zur Geltung, und die Scheidung in Küstenzonen mit Sand- facies und mergelige limnische Bildungen, welche bereits in der Lehrbergstufe angedeutet wurde, ist nunmehr wohlausgebildet. Auch hier kann ich mich der Worte von Tiiürach (1. c. IL Teil S. 16) bedienen, welcher sich hierüber folgendermassen ausdrückt : Die obere Abteilung des bunten Keupers besteht mit Ausnahme der obersten Stufe, der roten Zandodon-hetien, im grösten Teile Frankens vor- wiegend aus weissen Sandsteinen, welche fast in jedem Horizonte in zahlreichen Lagen so lockeres Gefüge besitzen, dass sie als Stuben- sande gegraben werden. Man kann diese Abteilung deshalb auch die Gruppe des Stubensandsteins und der Zanc^ odon-Letten nennen. Die Beschaffenheit der Gesteine ist aber in den verschie- denen Keuperprovinzen Frankens eine recht verschiedene. Während in der randlichen Keuperzone Sandsteine weitaus vorwiegen und Lettenschiefer nur ganz untergeordnet auftreten , werden diese in der mittleren Keuperzone allmählich mächtiger, gehen in Mergel über und schieben sich in immer zahlreicheren Zwischenlagen zwischen die sich verschwächenden Sandsteinbänke ein. In den äusseren Teilen dieser Zone, in den nördlichen Hassbergen ebenso wie in den Löwen- steiner Bergen und im Stromberg in Württemberg sind die Mergel bereits vorwiegend entwickelt und die Sandsteine fehlen in einzelnen Stufen fast gänzlich. Dadurch ist eine Verbindung mit der äusseren Keuperzone gegeben , in welcher hier fast nur Mergel und Stein- mergel vorkommen und Sandsteine bis auf Spuren fehlen. Dieses Auskeilen der Sandsteine in den äusseren Teilen der fränkischen Keuperbucht findet ganz besonders auch in der unter- sten Stufe, in der Unterabteilung des Blasensandsteins statt, so dass im südlichen Franken die Sandsteine schon 1 — 3 m über der oberen Lehrbergbank beginnen, im nördlichen dagegen erst 30 — 40 m dar- über und in anderen Schichten ihren Anfang nehmen, l-^s kann des- - 91 — halb der Beginn des Sandsteins nicht auch zugleich als untere Grenze der oberen Abteilung angesehen werden, weshalb früher bereits die obere Lehrbergbank als obere Grenzbank der mittleren Abteilung betrachtet wurde. Die Gliederung des 120 — 230 m mächtigen oberen bunten Keupers, speciell der Stubensandsteingruppe, in einzelne Unterabtei- lungen und die einheitliche Durchführung dieser Gliederung auf wei- tere Gebiete, ist eine sehr schwierige Sache, da es keinen Horizont giebt, der in gleicher, charakteristischer Beschaffenheit durchaus zu verfolgen wäre. Nur durch die sorgfältigsten Untersuchungen ist dies Thürach für das nördliche Franken gelungen und das Keuper- profil von Königshofen bis Gunzenhausen giebt ein treffliches Bild der heteropischen Differenzierung. Die Gliederung ergiebt von unten nach oben folgende Horizonte : Auf den Lehrbergschichten folgt die Stufe des Blasen- und Coburger Sandsteines (25 — 50 m) in der Randzone als grobkörniger und löcheriger Sandstein (Blasensandstein) und feinkörniger schöner Bausandstejn entwickelt, welcher in der mittleren Zone in dünnbankige, feinkörnige, vielfach verkieselte Sandsteine übergeht, welche ihrerseits Einlagerungen in violetten und rotbraunen Lettenschiefern und Mergeln bilden. Je mehr wir uns der äusseren Zone nähern, desto mehr treten die Sand- bildungen zurück und verschwinden schliesslich gänzlich. Leitend für diese Stufe ist ein Ganoidfisch, Semionotus . wonach die Stufe lokal als Semionotensandstein ausgebildet ist. Es folgt nun die Stufe des Burgsandstein e s oder Stuben- sandsteines (70 — 140 m). In der Randzone ist hier ausschliess- lich weisser , arkoseartiger Sandstein entwickelt , in welchen in der mittleren Zone sich Mergelgebilde z. T. mit einem petrefakten- führenden Horizonte (Heldburger Stufe) einschaltet. Gegenüber dem Blasensandstein beobachten wir eine weit grössere Verbreitung der Sandfacies, welche noch weit in die äussere Zone eingreift und sich er.st dort allmählich verliert. Palaeontologisch ist der Stuben- sandstein als Stufe derBelodonten zu bezeichnen, einer mäch- tigen gepanzerten Landechse; ihm nahe verwandt war der zierliche, gleichfalls gepanzerte Landsaurier Aetosaurus ferratus^ und der gavial- ähnliche Mystriosiiclms planirostris ; auch eine mächtige Landschild- kröte (Proganochelys Qnenstedtii) stammt aus diesen Schichten. Sehr charakteristisch für die Sandsteine sind die zahlreichen Kieselhölzer, von Koniferen ( Araucarioxylon) stammend. Auffallend ist das Ver- schwinden der Labyrinthodonten , so dass sich die Fauna als aus- — 92 — schliessliche Landfauna charakterisiert, in welcher selbst die sumpf- liebenden Formen fehlen. Die nächste Stufe nach oben besteht aus fetten, dunkelroten Lettenschiefern, in welchen der Mergel sich häufig zu Knollen geballt hat — Knollenmergel — und welche ausserdem durch das Vorkommen eines gewaltigen Dinosauriers (Zanclodon laevis) charakterisiert sind, wonach die Stufe auch als Zanclodon-hetten bezeichnet wird. Die Zanclodon-Letten sind in der Randzone frei von Carbonaten, ebenso wie auch die Sandsteinbildungen fehlen oder nur durch lose rundliche Quarzkörner ersetzt sind. In der mittleren Zone, beson- ders in Württemberg, sind sie carbonathaltig und bilden die typischen Knollenmergel. Zuweilen tritt auch in dieser Zone in weiter Ver- breitung eine feste, breccienartige, dolomitische Kalksteinbank mit Holzresten und Knochen auf. In der äusseren Zone verliert sich die Stufe der Zanclodon-Letten gänzlich, resp. lässt sich nicht mehr von den darunterliegenden Mergeln der Belodon-Stnfe abtrennen. Gehen wir wiederum auf die Entstehungsgeschichte der Gesteine des oberen Keupers zurück, so haben wir zunächst die zwei verschiedenen Faciesgebilde zu unterscheiden. Die Mergel facies stellt die gleichmässige Weiterentwickelung, resp. Sedimentbildung am Grunde des Binnensees dar, welchen wir als echten Salzsee kennen gelernt haben. Diese Natur einer stark gesalzenen Lake behält der Keupersee auch während der Periode des oberen Keupers bei. Die Sandstein facies haben wir zweifellos als Küsten- gebilde dieses ausgedehnten Salzsees anzusehen. Dieser obere Keupersandstein zeigt aber sowohl petrographisch wie bezüglich seiner Lagerung einen ganz anderen Charakter als die Sandstein- bildung des unteren und mittleren Keupers (Lettenkohlensandstein und Schilfsandstein). An Stelle der weichen, ausserordentlich fein- körnigen, glimmer und thonreichen, rot oder braun gefärbten Sand- steine des unteren Keupers, treffen wir nun mehr oder minder grob- körnige, arkoseartige, weisse Sandsteine , in welchen der Glimmer zurücktritt, dagegen neben fettglänzendem Quarz Feldspat, zum Teil in Kaolin umgewandelt, vielfach aber von tadelloser Frische uns auffällt. Bezüglich der Lagerung haben wir zunächst die weite gleichmässige Verbreitung und den Mangel typischer Flutzonen, dieses charakteristische Merkmal der unteren Sandsteinbildungen, zu ver- zeichnen. Innerhalb der Ablagerung selbst fallen die schmitzen- oder bandartigen Einlagerungen von Thon auf, die sich, wie erwähnt, gegen die Aussenzone hin stetig mehren und schliesslich den Sandstein — 93 — ganz verdrängen. Thongallen fehlen aber auch in der Randzone nicht. Ganz charakteristisch ist ferner an vielen Horizonten die aus- gesprochene Kreuzschichtung, die besonders bei der Verwitterung her- vortritt. Es fragt sich nun , wie wir uns dieses verschiedene Verhalten der oberen und unteren Sandsteinbildungen im Keuper zu erklären haben. Wir haben die unteren Sandsteine als fluviatile Bildungen erkannt, welche ihr Material hauptsächlich den Abschwemnaungen aus den die Küste des Triasmeeres bildenden Schichten des Bunt- sandsteines und Rotliegenden entnahmen. Von dem Materiale des oberen Keupersandsteines können wir mit Sicherheit sagen, dass es einem krystallinischen Grundgebirge entnommen ist. Es ist ja an sich auch ganz plausibel, dass allmählich die Küstengebiete bis auf das ürgebirge denudiert wurden und dass aus denselben Gebieten, in welchen früher Material des Buntsandsteines verarbeitet wurde, nun- mehr krystallinisches Material zur Verwendung kam. Wir könnten demnach untere und obere Sandsteine als Abschwemmungen aus ein und demselben Gebiet ansehen und beide als fluviatile Gebilde be- trachten. Damit wären aber die Unterschiede nur teilweise er- klärt. Gegen die rein fluviatile Bildung spricht der Mangel an tiefen Thalrinnen oder Flutzonen, die sich im oberen Keuper ebenso hätten ausbilden müssen , wie im unteren , da die Bodenbeschaffenheit der Uferzone des Salzsees dieselbe blieb. Vor allem aber spricht da- gegen die weitausgedehnte, immerhin sehr gleichartige Verbreitung der mächtigen, über 100 m betragenden Gesteinsmassen. Eine der- artige Ausbreitung des Materiales ist in Flussbildungen nicht denk- bar ; das könnte sich nur an der Küste eines weiten offenen Meeres in ungemein breiten Deltas unter Mitwirkung des Wellenschlages und der Meeresströmungen erklären lassen und dagegen spricht ausser der Abwesenheit eines solchen Oceanes auch die intensive Kreuz- schichtung, welche bei wässerigen Niederschlägen nur im rasch be- wegten Wasser auftritt. Auch lässt sich die Tierwelt anführen, welche, wie erwähnt, eine ausschliesslich terrestrische ist. Diese Tiere hatten aber zweifellos auch innerhalb diesem Sandgebiete gelebt, wie z. B. die berühmte J[e^05rt«n/.?- Gruppe beweist ; die 24 Echsen, welche bei Stuttgart im Stubensandstein gefunden wurden , sind sicherlich an der Stelle getötet, wo sie später gefunden wurden und nicht durch Zufall zusammengeschwemmt; ein Blick auf die Gruppe, welche , wie die Ausgüsse der pompejanischen Leichen , gleichsam das Leben noch in sich trägt, überzeugt uns, dass die Tiere einer ge- — Ü4 — waltsamen Katastrophe zum Opfer gefallen sind und offenbar durch einen Sandsturz begraben wurden. Dass es Landtiere waren, be- zeugt ihre Organisation, und dass sie auf demselben Sande sich her- umgetummelt hatten , in welchem sie auch verschüttet wurden, be- weist die Lagerung. Folglich war das Sandgebiet des Stubensand- steines bei Stuttgart damals Festland und da keine Spur einer Ver- schwemmung bemerkbar ist, dürfen wir wohl annehmen, dass die Verscliüttung auch nicht Folge einer plötzlichen Wasserflut war, son- dern durch den Einsturz einer Sanddüne bei heftigem Sturme er- folgte. Auch bei den übrigen Funden im Stubensandstein, vor allem den berühmten Belodonten- und Schildkrötenresten von Stuttgart und Aixheim, zeigen sich niemals Andeutungen von Abrollung, ob- gleich die Skelettteile vielfach zerstreut liegen. Auf eine ä o 1 i s c h e und nicht wässerige Bildung d e s S a n d - Steines weist auch der Gesteinscharakter hin. In den wässerigen Sedimenten wird das Material nach seiner Löslichkeit im Wasser verarbeitet und deshalb fällen hier die zersetzbaren Feldspate in erster Linie zum Opfer, während z. B. der Glimmer bestehen bleibt, in äolischem Materiale wird , wie bereits ausgeführt (siehe S. 54), nach der Widerstandsfähigkeit gegen Reibung, d. h. nach der Härte, gesichtet und hierbei spielt neben dem Quarz natürlich der Feldspat mit Härte 6 noch eine wichtige Rolle und kann sich lange halten. Die Kaolinbildung im Stubensandstein ist wohl sicher nicht als eine primäre , sondern erst als eine sekundäre anzusehen , wie uns die Feldspate in den durch Verkieselung frisch erhaltenen Sandsteinen zeigen. Der Windtransport war aber kein weiter und intensiver, wie etwa in den Sandwüsten des Hauptbuntsandsteines, denn sonst wären nicht bloss die Glimmer, sondern auch die Feldspate zu fein- stem Staube aufgerieben worden, sondern er beschränkte sich auf die Küstengebiete am Süd- und Südost-Rande des Keupersees. Es braucht nach den früheren Ausführungen (S. 54) nicht weiter be- sprochen zu werden, dass die äolische Bildung am besten die weite gleichmässige Ausbreitung des Sandmateriales und die für die Dünen- bildungen charakteristische Kreuzschichtung erklärt. Ich möchte deshalb die San dfaci es des oberen Keupers als eine mächtige äolische Dünenbildung ansprechen, welche in breiter Zone den Keupersee umgürtete und ihr Material aus den durch allmähliche Denudation entblössten krystallinischen Gebirgszügen der südlichen und südöstlichen Küste bezog. An der flachen Seeküste — 95 — selbst kam es natürlich ununterbrochen zu paralischen Bildungen, indem hier einerseits die eingeschwemmten feineren Bestandteile zum Absatz kamen, anderseits auch häufig die Sandgebiete wieder über- flutet und das äolische Sediment durch Wasser durchgearbeitet wurde. Von Wichtigkeit ist noch eine weitere Erscheinung, nämlich das Vorschreiten der Sandfacies im Stubensandstein von der Rand- zone nach der äusseren Zone ; sprechen wir die Sandfacies als eine terrestrische Bildung an, so bedeutet dies ein allmähliches Zu- rückweichen des Seeufers. Man könnte hier zunächst an eine verminderte Wasserzufuhr vom Lande her und an ein dadurch be- dingtes Eintrocknen denken , doch halte ich dies nach der Natur des Gesteinsmateriales für ausgeschlossen. Bei einem derartigen Prozesse würden die Lösungen noch gesättigter geworden sein und dies müsste sich in den Sedimenten durch reichlichere Gips- und Salzbildung kundthun. Wir beobachten aber gerade das Gegenteil und es erscheint mir deshalb die Verschiebung des Ufers nicht durch Austrocknung, sondern durch Vertiefung des inneren Seebeckens her- vorgerufen. Dies geschah durch eine allmähliche Senkung des Untergrundes , welche wahrscheinlich das ganze germanische Trias- gebiet in sich einschloss, aber die nördlichen und westlichen Ge- biete mehr erfasste, als die Randzonen selbst. Es bereitete sich da- mals eine erneute tiefgreifende Depression vor, deren Folgen wir später kennen lernen werden. Auch die ZaHcJodon-hetten, welche sich über den Sandgebilden ausbreiten . sind die Anzeichen neuer Änderungen, sie sind zurückzuführen auf eine erneute Sumpfbildung in den lange Zeit trocken gelegenen Uferzonen, Es wurde dies wohl dadurch hervorgerufen, dass sich auch die Ufergebiete so tief ge- senkt hatten, dass sie wieder von den Fluten des Keupersees bespült wurden und in weite morastige Sümpfe verwandelt wurden, in welchen sich der riesige „schwäbische Lindwurm", das Zanclodon, einnistete. 5. Die marinen Strandbildungen des Rhäts. Eine ganz eigenartige Bildung schliesst den Keuper nach oben ab, Schichten, welche sowohl nach ihrem petrographischen Charakter, wie nach der Fauna eine Mittelstellung zwischen der Trias und dem darauffolgenden Lias zeigen. Man rechnet den Horizont noch zum Keuper und hat in ihm eine Parallele zu der rhätischen Formation der alpinen Trias erkannt. Das Verbreitungsgebiet schhesst an dasjenige des bunten Keupers an und selbst in der Facies können wir analoge Beobachtungen machen, — 96 — wie in der darunterliegenden Formation. Obgleich eine Andeutung der rhätischen Schichten fast überall beobachtet werden kann, wenn es sich manchmal auch nur um kaum metermächtige Thonbänke oder ein fingerdickes Bonebed handelt, so liegt doch die eigentliche Entwicklung in den Uferzonen , d. h. in der randlichen und mitt- leren Keuperzone, wozu sich noch die Küstengebiete der Inseln inner- halb des Keupersees (siehe S. 82) gesellen. Die Facies des Rhätes ist vorwiegend eine sandige in Gestalt eines feinkörnigen, glimmerreichen, kaolin- oder feldspatarmen, weissen oder lichtbraunen Sandsteines, der als geschätztes Bau- material gesucht ist. Unter und zwischen dem Sandstein und be- sonders über demselben lagern häufig Schichten von grauem und fast schwarzem Thon, welche ebenso wie der Sandstein zu- weilen kohlige Pflanzenreste einschliessen. In manchen Gegenden, z. B. in Württemberg, finden wir auch kleine Bänkchen jener eigen- artigen, als Bonebed bezeichneten Trümmermassen, welche sich grösstenteils aus Koprolithen und abgerollten Knochen und Zahn- fragmenten zusammensetzen. Die Mächtigkeiten des Rhätes sind ebenso schwankend, wie die Ausbildungsweise ; in Württemberg scheint es manchmal gänzlich zu fehlen oder nur durch einige dunkle Thonbänke vertreten zu sein, welche sich vom Lias nicht abtrennen lassen ; zuweilen stellt sich dann etwas Bonebed ein, oder aber finden wir Bonebedsandstein in schwankender, aber kaum 10 m übersteigender Mächtigkeit. Gegen Osten, im Fränkischen , schwillt der Sandstein auf 40 m an , ja, in der Oberpfalz steigt die Mächtigkeit des Rhätes lokal (Altenpark- stein) bis 200 m ; dabei werden die Sandsteine in dieser alten Küsten- zone grobkörnig und kaohn- oder feldspatreich, ja, nehmen zuweilen ganz den Charakter eines granitischen Detritus an. Auch in Thüringen sind mächtige rhätische Thone und Quarzsandsteine bekannt, während im Westen in Elsass-Lothringen fette , tiefrote Thone zwischen den Sandsteinen und schwarzen Letten auftreten. Sehr zahlreich sind die Überreste von eingeschwemmten Pflanzen in den rhätischen Sandsteinen und Thonen, sie häufen sich, wie er- wähnt, zuweilen zu kleinen Kohlenfiötzen an. Die Flora selbst steht in der Mitte zwischen der echt triassischen und der späteren jurassischen, und charakterisiert am besten die Zwischenbildung. Sie besteht aus zahlreichen Gefässkryptogamen und einigen zwanzig Gymnospermen. Wenn auch die Geschlechter, wie Equisetum, Lepido- pteris, Pterophyllum., schon in dem unteren und mittleren Keuper ver- — 97 — treten sind, so sind doch die rhätischen Arten sehr abweichend und zu diesen gesellen sich neue Geschlechter, wie Fodosamites, Dictijo- phyUum (Tlummatopteris) u. a., welche mit dem Rhät beginnen und im Jura und in der Kreide zur Hauptentwickelung kommen. Für unsere Betrachtungen noch wichtiger als die Flora ist die Fauna. Wir haben dabei diejenige des Bonebeds von derjenigen der Sandsteine zu unterscheiden. Die Fauna des Bonebeds ist eine echt triassische, indem wir hier die zerriebenen Überreste von allen möglichen land- und wasserbewohnenden Wirbeltieren er- kennen. Die Zähnchen der Selachierarten Acrodiis , Hyhodus und Psaminodus stimmen mit denen der tieferen Triasschichten überein ; sehr charakteristisch sind die Saurichthi/s- und Sargodon-Zähne, welche ebenso wie Ceratodns für die Trias leitend sind, am meisten tritt aber der triassische Charakter an den Landtieren Metopias, Capito- saurus, Belodon und Mystriosuchus (Termatosaurus) hervor, in welchen wir durchgehend alte Bekannte aus dem Keuper erkennen. Neu ist das Auftreten der kleinen Säugetiere Micrölestes und Triylyphus, deren seltene Überreste bis jetzt nur im Bonebed gefunden wurden. Wir haben die Bildung des Bonebeds (vergl. S. 79) als eine typische Strandbildung kennen gelernt und die Fauna des rhätischen Bone- beds lässt uns auf ein rasches Absterben der triassischen Wirbeltierwelt schliessen, welches offenbar hervorgerufen wurde durch eine Änderung in den Lebensbedingungen dieser Tiere. Bei den im Wasser lebenden Tieren muss dies eine Verschiedenheit in der Zusammensetzung des Wassers, bei den landlebenden Arten eine Überflutung des Landes mit Wasser gewesen sein. Eine treffliche Bestätigung dieser Anschauung erhalten wir aus der Fauna der rhätischen Sandsteine. Schon die petrographische Beschaffen- heit dieser Sandsteine weist im Gegensatz zu dem Stubensandstein auf eine Sedimentbildung im Wasser hin, indem ich nur auf die früheren Ausführungen (S. 94) verweise. Die Fauna lehrt uns weiter, dass dieses Wasser den Charakter des Meeres trug, denn was wir in den Sandsteinen finden, gehört einer echten marinen Ufer- fauna an und zwar Formen des vagilen Benthos. Wohl finden wir noch einigen Anklang an die Muschelkalk- und Lettenkohlenfauna, wie z. B. in den Myophorien vom Typus der M. vidgaris (M. postera), und in den Gasteropoden aus der Gruppe Pseudonerita und Loxonema, aber diese Arten treten zurück gegenüber den neu auftretenden Formen, welchen Quenstedt mit Recht so häufig den Speciesnamen praecursor gegeben hat, denn sie sind in der That die Vorläufer Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1899. 7 * — 98 — der späteren liassisch en Typen. Zum ersten Male treten glatte Plagiostomen (PI. praecursor) ^ scharfrippige Pectiniden (Feden va- louiensis und doac'mns) ^ gerippte Venericardien (V. praecursor und Cardita miiUiradiata) und Cardien (Cardiuni doaclnum) und eine Reihe anderer Typen auf. Von besonderer Häufigkeit sind die kleinen Protocardien (Protocardia Eivaldi, rhaetica und Philippiana) ^ die schlanken GerviUien (G. praecnrsor) und Mytiliden (Modiola minida) und das charakteristische Leitfossil der rhätischen Formation, Ävi- cula contorta. Natürlich drängt sich nun die Frage auf, woher kam plötzlich diese fremdartige Fauna und wie konnten überhaupt nun marine Bildungen an Stelle der Binnensee- und Dünenbildungen treten. Wir stehen hier zweifellos vor einer analogen Erscheinung, wie bei der Grenze von Buntsandstein und Muschelkalk und müssen auch hier bei der rhätischen Formation ein Eindringen des offenen Oceans in das Binnenseegebiet der germanische n Trias annehmen. So viel lässt sich jedenfalls mit Sicherheit sagen, dass die Entwicke- lung der rhätischen Fauna aus der älteren triassischen nicht inner- halb der germanischen Triasprovinz vor sich ging, sonst müssten wir doch irgendwo in Deutschland, Frankreich oder England Spuren da- von finden ; sie ging vor sich in dem offenen Ocean zu einer Zeit, als die Verbindung mit unserem Gebiet abgeschnitten war; wenn nun zu Ende der Trias plötzlich wieder eine echt marine Fauna auftritt, so lässt dies auf eine erneute Verbindung mit dem Ocean schliessen. Dieses Eindringen des Oceans ist aber zugleich der Beginn einer neuen geologischen Periode, welche wir als Lias und Jura bezeichnen. Wir wissen auch aus zahlreichen Untersuchungen, dass die Transgression des Jura von Südwesten gegen Osten vor- schreitet und dürfen daraus schliessen, dass auch der Einbruch des Meeres zur rhätischen Zeit aus Südosten, ähnlich wie derjenige des oberen Muschelkalkes kam. Ich möchte daher die rhätischen Bildungen innerhalb der germanischen Triasprovinz als die Küstenzonen des vordringenden Jurameeres be- zeichnen. Eine ganz auffallende Erscheinung ist das plötzliche und nur untergeordnet durch die rhätischen Schichten vermittelte Auftreten des echt oceanischen Lias auf dem Keuper. Wohl lässt sich im Osten am Rande des vindelicischen Gebirges eine langsame Trans- gression des Meeres beobachten, aber für den grössten Teil unseres Gebietes, so für das ganze östliche und nördliche Frankreich, sowie i — 99 — das südliche England, ebenso für Elsass-Lothringen , Luxemburg. Baden und Württemberg, sowie einen grossen Teil von Norddeutsch- land gilt dies nicht. Unvermittelt tritt hier die oceanische Bildung des Lias an Stelle der Binnenseebildungen des Keupers. Ich kann mir dies kaam anders, als durch ein plötzliches katastrophen- artiges Einbrechen der oceanischen Fluten über un- geheuer weite Strecken hin denken. Dies war aber nur mög- lich, wenn dieses Gebiet bereits vorher schon tiefer als der Meeres- spiegel lag, d. h. ein weites, grosses und tief unter das Meeresniveau reichendes Depressions gebiet war. Andeutungen von Senkungen innerhalb der germanischen Trias liessen sich verschiedenfach und besonders zur Zeit des oberen bunten Keupers beobachten und wir müssen annehmen, dass diese Senkungen zur Ausbildung eines grossen Depressionsgebietes führten , in welches mit Beginn der Juraperiode die Fluten des Oceans einbrachen. Wir können auch erkennen , dass diese Katastrophe von den schlimmsten Folgen für die damalige Tierwelt war. Die Knochen- anhäufungen der Bonebeds sind die Kirchhöfe der Wirbeltierfauna, ja, wir können, soweit unsere Kenntnis reicht, sagen, dass über- haupt die gesamte küstenbewohnende Tierwelt des germanischen Keupers durch den Einbruch des Jurameeres bis auf das letzte Stück vernichtet wnrde. Kein Labyrinthodon , kein Belodon. Aefosatirus, Zanclodon, ja nicht einmal die Fische, wie Semionotus und Ceratodus, zeigen Nachkommen in den späteren Formationen, und wenn wir je in jüngeren Ablagerungen Tieren begegnen, welche mit den Keuper- formen Verwandtschaft zeigen (z. B. lyuanodon und Zanclodon), so dürfen wir sicher annehmen , dass die Entwickelung nicht in den Gebieten der germanischen Triasprovinz vor sich gegangen ist. Ohne Anhänger der alten Katastrophentheorie zu sein, müssen wir doch zugeben, dass sie hier, wenn auch auf ein verhältnismässig kleines Gebiet beschränkt, ihre Berechtigung hat. Schluss. Wir sind am Schlüsse. Ein überaus wechselvolles Bild ent- rollt sich vor unseren Blicken, wenn wir im Geiste die verschiedenen Zeiten der Triasformation an uns vorüberziehen lassen. Da sehen wir zuerst die weiten Tiefebenen vom Wüstensturm durchwühlt und mit tiefen Sandmassen überschüttet (Hauptbuntsandstein), erneute Senkungen und klimatische Wechsel verwandeln die Sandwüste in eine Lehmwüste und in den Niederungen sammeln sich die Gewässer, 7* — 100 — weite ausgedehnte Sümpfe bildend (Röt). Die Senkungen gehen schhessHch so weit , dass das Meer im Osten Zutritt zu der Nie- derung bekommt und an Stelle der Wüsten und Sümpfe flutet nun das Meer (Unterer Muschelkalk). Die Bewegungen des Untergrundes dauern aber fort und geben sich in einer Drehung der Senkung kund, so dass im Osten das Meer vom Ocean abgeschnürt wird, während sich im Westen tiefe Senkungen ausbilden. Ehe aber diese west- liche Depression so weit vorgeschritten ist, dass dort die Verbindung mit dem offenen Meere geschaffen ist, blieb das Muschelkalkmeer lange Zeit als Binnenmeer abgeschnürt, in welchem sich übersättigte Minerallösungen ausbildeten (Mittlerer Muschelkalk). Der Einfluss des offenen Meeres von Westen und Südwesten bringt erneutes Leben in die fast gänzlich ausgestorbene Tierwelt (Oberer Muschelkalk). An Stelle der bisher vorherrschenden Senkungen treten Hebungen; die Tiefsee wird zur Flachsee (Muschelkalkdolomit) und zum schlam- migen Ufer, welchem von dem Küstenland her durch Flüsse Sand mit Landpflanzen zugeführt werden (Lettenkohle und Lettenkohlen- sandstein). Ein kurzer letzter Versuch des Oceans, das Feld zu be- haupten (Grenzdolomit), misslingt und endgültig wird das Meer von den weit ausgedehnten Niederungen abgeschlossen, welche, vom Wasser erfüllt, den Charakter gesalzener und übersalzener Binnenseen tragen (Bunter Keuper). An den Küsten dieses grossen Sees beobachten wir im unteren Keuper, durch leichte Hebung hervorgerufen, eine Versandung, welche besonders die durch Strömungen gebildeten Thal- rinnen erfüllt (Schilfsandstein). Später tritt eine anhaltende Senkung ein, durch welche weite Strecken der Küste trocken gelegt werden und dort bilden sich ausgedehnte Sanddünen (Stubensandstein). Die fortgesetzte Senkung wandelt schliesslich das Keupergebiet in ein weites Depressionsgebiet um, in welches das offene Meer erst lang- sam, dann aber stürmisch und alles in seinen Fluten begrabend, ein- bricht (Rhät und Jura). Was wir hier vorgeführt sehen, hat sich ja auf einem sehr be- schränkten Gebiete unseres Planeten und in einem verhältnismässig kurzen Abschnitt unserer Erdgeschichte abgespielt, aber auch so giebt es uns einen Begriff von dem ununterbrochenen Wandel und Wechsel auf unserer Erdkruste, der seit den ältesten Zeiten bis zur Jetztzeit angedauert hat und auch in Zukunft dauern wird, es giebt uns einen Einblick in die Werkstätte der ewig schaffenden Natur. Stuttgart, Herbst 1898. Ueber den Erhaltungszustand der Ammoniten im sehwäbisehen Jura. Von Pfarrer Dr. Engel in Eislingen. Wer eine Sammlung schwäbischer Petrefakten besichtigt und insbesondere auf die Ammonshörner einen Blick wirft , die ja doch meist den Glanzpunkt und Stolz derselben darstellen, der ahnt wohl in der Regel gar nicht, wie wenig er eigentlich vom Ammoniten selbst zu sehen bekommt. Er wundert sich über die Mannigfaltig- keit der Formen, er staunt über die Pracht der Loben, er freut sich an dem Goldglanz der Kieskerne ; aber thatsächlich bekommt er bei all dem meist keine Spur der Schale zu sehen, geschweige denn etwas von dem Tier selbst, das diese einst baute. Man hat unseres Wissens bis heute überhaupt noch in keiner Formation Ammoniten- gehäuse gefunden, die Andeutungen auch nur von Teilen seines ein- stigen Bewohners gezeigt hätten, etwa vom Mantel, Tentakeln u. dergl. Denn die Ringe, die man öfters auf der zusammengedrückten Schale des Ammonites finibriatus Sow. aus Lias e findet (Quenstedt , Jura, Taf. 36, 4), mögen wohl Knorpelringe sein, welche einst die Saug- warzen stützten (Quenstedt , Jura , S. 253) ; vom Tier selbst aber und seinem Aussehen geben sie natürlich damit noch keine Ahnung. Nur im Solnhofener Schiefer kamen schon vereinzelt Ammoniten- schalen vor [Oppelia steraspis Op. sp.), an denen sich der Eindruck des Haftmuskels und Verwachsungsbands in der Wohnkammer noch erkennen liess. Im übrigen weiss man nicht einmal, ob das Tier einst zwei oder vier Kiemen gehabt hat, und nur seine Ähnlichkeit mit dem noch lebenden Nautilus macht es wahrscheinlich und lässt es als durchaus berechtigt erscheinen, dass man die Ammoniten von jeher zu den Tetrabranchiaten zu stellen pflegte. Auch was man schon auf Grund der Schalenverschiedenheit bezüglich des Ge- schlechts hat eruieren wollen \ dem das betreffende Stück angehört hat, ist ziemlich problematisch, obwohl nicht der geringste Zweifel ^ z. B. Buckman und Batlier: Can the sexes in Ainmonites be distin- guislied? Nalural Science. 1894. Juni S. 428 ff. — 102 — vorhanden sein dürfte, dass auch die Ammoniten, wie alle Cephalo- poden , getrennten Geschlechts gewesen sind. Ebenso kann über die Lebensweise, die Fortpflanzung und Entwickelungsgeschichte des Ammonitentiers lediglich aus dem ein Schluss gezogen werden, was wir in dieser Beziehung vom lebenden Nautilus wissen , und auch das ist bis jetzt wenig genug. Nur die grosse Längenverschieden- heit der Wohnkammer bei den verschiedenen Ammonitenspecies deutet an, dass der Körper der lebenden Tiere das eine Mal kurz und gedrungen, ein andermal fast wurmförmig verlängert war. Vom Ammonitentier selbst also und seinem ein- stigen Aussehen wissen wir gar nichts und werden wohl nie etwas erfahren. Ist ja doch selbst über manche Anhängsel der Schale noch nicht ausgemacht , welchem Zweck dieselben eigentlich gedient, was also z. B. die bei manchen Gruppen vor- kommenden Seiten obren, Kapuzen und Einschnürungen der Wohnkammer oder auch der hin und wieder vorspringende Kiel zu bedeuten haben. Und lange genug ist's auch angestanden, bis die Gelehrten herausfanden, was die so vielfach getrennt vom Ammoniten vorkommenden Rhyncholiten und Aptychus-Schalen für eine Bestimmung hatten. Erst neuerdings ist mit Sicherheit er- kannt worden, dass jene die (verkalkten oder hornigen) Kiefer von Nautiliden darstellen, während diese die (kalkigen) Deckel der Am- moniten bildeten, mit denen manche Arten das Gehäuse verschlossen, wenn sich das Tier ganz in die Wohnkammer zurückgezogen hatte, wie dies bei vielen Arten unserer Schnecken ja heute noch be- obachtet wird (z. B. Paluäina, Cyclostoma etc.). Aber keineswegs bloss das Ammoniten t i e r ist und blei])t uns unbekannt; auch von seinem Gehäuse fehlt meist jegliche Spur in den uns erhaltenen Überresten. Man pflegt freilich ohne viel Umschweif von „unsern Ammonitenschalen" zu reden: genau be- trachtet ist das aber fast immer eine verkehrte Ausdrucks weise ; denn nur in den seltensten Fällen ist die Schale wirklich noch vor- handen, in der Regel haben wir es nur mit sogen. Stein kernen zu thun. Allerdings schadet dies hier zum Glück weniger als bei den Gehäusen anderer Mollusken, z. B. denen der Gasteropoden. Denn da bei diesen der innere Hohlraum der Schale überall gleich- massig glatt ist, so zeigt natürlich dessen mit Schlamm ausgefüllte und später zu Stein erhärtete Masse , d. h. eben der sogen. Stein- kern ein völlig anderes Bild, als das mit Rippen oder Bändern, mit Dornen oder Pusteln verzierte Gehäuse der Schnecke. Mit dem — 103 — blossen „Steinkern'' eines fossilen Bauchfüsslers {Pleurotoniari((, Nerinea, Solarium etc.) kann man daher meist herzlich wenig an- fangen , d. h. es ist rein unmöglich , mittels seiner die Species zu bestimmen. Das ist ganz anders und weit günstiger bei den Ammons- hörnern. Denn da deren ohnehin dünne Schalen auf der Unter- seite die Suturen der Kammerscheidewände (die Lobenlinien) tragen, so haben sich diese auf den Stein- oder Kieskernen aufs genaueste emgedrückt, wie denn überhaupt ein derartiger Kern ein durchaus entsprechendes Bild der einstigen Ammonitenschale darstellt, da die sämtlichen Verzierungen der letzteren , Rippen und Runzeln (z. B. die Spiralen Streifen auf den Amaltheen), Knoten und Stacheln, Kiel und Sipholinie, in vollkommener Weise darauf ausgeprägt sind. Muss man ja doch bei Exemplaren , die etwa noch mit Schale bedeckt sind, dieselbe geradezu ablösen, wenn man die Loben erkennen und danach die Species bestimmen will. Für die Wissenschaft also und die wissenschaftliche Betrachtung der Ammoniten bedeutet das Fehlen der Schale keinen grossen Verlust, bietet vielmehr in mancher Hin- sicht wesentliche Förderung. Immerhin aber dürfen wir nie ver- gessen , dass auch der schönste und gar glanzvoll in die Augen fallende „Ammonit" unserer Sammlungen beim Licht betrachtet meist nur einen jämmerlichen Torso bildet, und dass es uns nie gelingen wird , ihn in seiner alten Herrlichkeit mit vollkommen erhaltener Schale , so wie er im Leben ausgesehen hat , geschweige denn das Tier, jemals zu Gesicht zu bekommen. Bleiben wir bei den schwäbischen Juraammoniten und gehen zu diesem Ende die 18 „Buchstaben" (8 mal 6 Schichten) desselben in der Weise durch, dass wir auf den darin sich findenden Erhaltungs- zustand der Stücke achten, so wird es sich hier in erster Linie darum handeln, die Vorkommnisse und Thatsachen selbst aufzuzeigen, so- dann aber die Ursachen anzugeben, welche die jeweils so verschie- dene Art der Erhaltung bewirkt haben. Konstatieren wir also L die Thatsachen und suchen zunächst nach Ammonitengehäusen, die 1. in jeder Beziehung vollkoninien erhalten sind, bei denen man also die vollständige Schale mit Mundsaum und Ohren, eventuell mit Aptychus und vorspringendem Kiel, und zwar alles in unv erdrücktem Zustand zusehen be- — 104 — Ivommt, so wird man im schwäbischen .Iura lange suchen können, bis man vielleicht einmal das Glück hat, ein solches Stück zu er- halten. Denn kommen auch im Weissen und Braunen Jura die Ammoniton häufig mit völlig erhaltenen Ohren (Amin. Rcinechianus Qu., polypJocus Rein., Amtn. Huwphrieslayius Sow. und refradus Qu.) vor, so sind es eben stets nur Steinkerne. Ist aber umgekehrt die Schale und zwar ganz bis zum Mundsaum und Kielfortsatz er- halten, wie im Posidonienschiefer (Amm. Lythensis Sow., communis Sow., Jinibriatus Sow. etc.), so sind dafür in diesen Lagern die Stücke vollständig flach gedrückt, wodurch das Bild der ursprünglichen Scliale völhg verändert wird (man vergleiche die schwäbischen Ammoniten dieser Schichten mit den unverdrückten oder „vollen" Formen derselben Species von England). In der That zeigt ein gut erhaltener Steinkern das Aussehen des einstigen Ammonitengehäuses weit besser als die noch so gut erhaltene, aber ganz flach gedrückte Schale. Vollkommene Exemplare mit unverdrückter Schale nebst Mundsaum , eventuell Ohren und Kapuze , kommen wohl nur bei kleineren Ammoniten vor, insonderheit, wenn sie in Knollen ein- gebacken liegen, wie wir z. B. solche Stücke von Amm. glohosns Qu. aus Lias d und vereinzelt auch von Amm. opalhms Rein, aus Braun a besitzen. Auch Amm. amalthcus Qu. (AmaltJicus mdrgaritahis Montf.) mag hin und wieder unverdrückt und mit Schale aus dem Lager gezogen werden, desgleichen Amm. Murchisonae Sow., so wie die Erzlager von Wasseralfingen sie manchmal liefern. Ganz anders, wie gesagt, stellt sich die Sache dar, wenn 2. dio Schale erhalten, aber zerdrückt ist. Wohl jjflegt in diesem Fall nichts am Gehäuse zu fehlen ; die Wohnkammer zeigt hier sogar meist noch Mundsaum und vor- springenden Kiel, auch sitzt der Aptychus oft genug in oder auf ihr. Aber der Habitus des Gehäuses ist, wie wir vorhin angaben, durch die völlige Verdrückung so wesentlich alteriert worden , dass man solche zerdrückten Stücke auf den ersten Anblick für etwas ganz anderes hält, als die „vollen" Formen der nämlichen Species (nament- lich die rundrückigen Lytoceras-Formen, wie Amm. fimhriatus Sow., pcniciUatus Qu. etc.). Diese Art der Erhaltung kommt natürlich haupt- sächlich in S c h i e f e r g e s t e i n e n ^ vor, insbesondere im Posidonien- ' Erst jüngst haben wir auch einen Heterophyllen (Fhylloceras setesORM.) mit vollkommen erhaltener, aber verdrückter Schale aus Lias J bekommen. Amvioniies striatus Rkin. kommt sogar häufig in diesem Erhaltungszustand im Lias »C vor. — 105 — schiefer (Lias e), auch im schiefrigen Opalimis-Thon (Braun a), wo a häufig sämtliche Ammoniten (Ämm. torulosus Qo., opalinus Rein., peniciUafus Qu.) zwar noch ihre weissen Schalen besitzen, aber oft zu Papier dünne zerdrückt und „plattgewalzt wie Kuchen" sind. Merkwürdigerweise fehlt dagegen in den lithographischen Schiefern von Solnhofen (und Nusplingen) den natürlich hier ebenfalls ganz zusammengedrückten Ammoniten trotz sonstiger vortrefflicher Er- haltung in der Regel die Schale. Wie dünn freilich die letztere häufig gewesen sein muss , zeigen am besten die Ammoniten des Posidonienschiefers , deren Schalen sich oft stückweise abschiefern und dann kaum die Dicke des Papiers haben. Häufiger natürlich und so ziemhch in allen Schichten des schwäbischen Jura vereinzelt vorkommend findet sich 3. die Schale in Bruchstücken erhalten und den Steinkern da und dort noch fetzenartig bedeckend. Wir kennen solche Stücke aus, wie gesagt, fast sämtlichen ,,Buchstaben" des Jura. Schon der erste schwäbische Ammonit, der Psilonot {Psilo- ceras planorhis Sow. sp.), aus dem untersten Lias «, kommt manch- mal so vor. Auch Arieten haben wir (Ämi)/. Bucklandi Sow., Ämm. striaries Qu.) aus dem oberen Lias a , und nicht minder aus der Kalkbank von Lias ß {Ämm. Turneri Sow., steUaris Sow.), die mit solchen Schalenresten bedeckt sind. Wir machen aber darauf auf- merksam, dass gerade die Schalen der letztgenannten Ammonshörner verhältnismässig sehr dick sind (2 — 3 mm) , ähnlich wie diejenigen des Nautilus uratns Schloth. , der gerade in den Arietenkalken oft noch wohlbeschalt vorkommt. Hin und wieder kann man auch in den Jurensis-KdWen (Lias 'Q Ammoniten bekommen, auf deren Stein- kernen {Ämm. radialis Rein., jurensis Ziet., insignis Schübl.) öfters ein Schalenfetzen klebt. Im Braun-Jura sind es vornehmlich die blauen Kalke (Braun y) und die Ostreenschichten (Braun (J), in denen wir das nämliche beobachten : denn manch ein verkalkter Ämm. Sotverbyi Mill. oder coronatiis Schloth. ist noch mit Schalenresten bezogen. Gan zbesonders schön zeigen sich die Schalen oder, besser gesagt, Schalenfragmente an gewissen grossen Formen aus der Gruppe des Ämm. Parkinsoni Sow., zumal an gewissen Lokalitäten, wie in der Reutlinger und Nürtinger Gegend (Eningen unter Achalm, Neuffen, Beuren etc.). Quenstedt hat die betreffende Form Ämm. Parkinsoni gigas genannt und macht in seinem grossen Ammoniten werk ganz besonders darauf aufmerksam , wie schön die Lobenlinien auf der — 106 - Unterseite dieser hier ebenfalls sehr dicken „Scherben" sich ausnehmen, wogegen dieselben natürlich den Schalenstücken der Wohnkammer fehlen (vergl. Quenstedt, Die Ammoniten des schwäb. Jura, S. 617, Taf. 73 Fig. 13 — 16). Auch bei einem Heterophyllen (Phylloceras ceraniicus Qu. sp.) aus dieser Schicht kommt dies vor (Quenst. Ammoniten, Taf. 73 Fig. 10 — 12), desgleichen bei denjenigen Formen aus der Gruppe des Anim. triplimtus Qu. , die Quenstedt laevipJex hiess und deren starke Schalen, zumal auf der Wohnkammer, oft mit Serpula und andern Pseudoschmarotzern bedeckt sind (cf. Quenst.. Ammoniten, Taf. 80 Fig. 10). Endlich fehlt selbst im Weissen Jura, der im allgemeinen ja fast lauter Steinkerne zeigt, die Erhaltung der Schale nicht ganz, wie denn manche Ferisphincten aus Weiss ß und / (Ämm. liolyplocns Rein., polygyratns Rein, und coluhrinus Rein.) solche Schalenreste tragen, ganz abgesehen von den dünnen, schneeweissen Spuren , welche die flachgedrückten Scheiben von Solnhofen (und Nusplingen) aus Weiss 'C in einzelnen Exemplaren aufsitzen haben. Am allerhäufigsten aber begegnen uns im schwäbischen Jura die Ammoniten in der Form von 4. reinen Steinkernen. d. h. die Schalen sind hier bis auf die letzten Spuren vertilgt, und wir besitzen nur den mit Schlamm ausgefüllten inneren Hohlraum der Scheibe mit ihren sämtlichen (Wohn- und Luft-) Kammern. Da im Laufe der Zeit dieser Thonschlamm sich zu Stein erhärtete, so sprechen wir in diesem Fall eben von „Steinkernen". Diese Art der Erhaltung findet sich natürlich am häufigsten in den eigentlichen Kalk- bänken der verschiedenen Juraschichten. Ebenso natürlich ist aber, dass statt des Schlamms manchmal auch Schwefeleisen (Schwefel- kies , Pyrit) oder spätiger Kalk sich in die Kammern gesetzt hat : in diesem Fall kann man dann, wenn später die Schalen verschwanden; von Kies- oder Spat kernen reden. Unter den letzteren ver- stehen wir indes nicht sowohl die so häufig vorkommende Erschei- nung, wonach sich Kalkspat, Schwerspat u. dergl. in Form von rich- tigen Krystallen ausgeschieden und , zumal in den Dunstkammern, so abgelagert hat, dass die Krystalle mit ihren Spitzen in einen innen noch freigebliebenen Hohlraum hineinragen ; vielmehr denken wir dabei an Vorkommnisse, da der Spat als homogene krystallinische Masse die ganze Röhre gleichmässig ausgefüllt hat, wie dies die schönen englischen Exemplare des Amni. Turneri Sow. von Lyme Regis zeigen. Hier sind sämtliche Luftkammern mit Kalkspat aus- - 107 — gefüllt, was sich dann, zumal gegen das Licht gehalten, wundervoll ausnimmt und von der dunkel gebliebenen , weil mit Schlamm er- füllten Wohnkammer des Ammoniten ausgezeichnet abhebt. Ähnliche Beispiele von „Spatkernen" kommen aber, wie gesagt, auch im schwäbischen Jura vor, so bei einzelnen Stücken von Planulaten, Inflaten und Flexuosen aus Weiss ß, y und d, aber auch schon im unteren Lias bei manchen Angulaten und Arieten. „Kies kerne" dagegen haben wir vorzugsweise in fetten T honen zu erwarten, wo offenbar der Ammonit den Kies aus seiner Umgebung anzog und gelöst durch die Poren der Schale in sich aufnahm. Wer schon Ammoniten in Lias ß, Lias y^ Lias r), desgleichen in Braun s und 'C (Ornatenthon) gesammelt hat, weiss, was wir meinen. Nur gelegent- lich soll hier erwähnt sein, dass an manchen Plätzen der Schwefel- kies durch allzu massenhafte Umhüllung den „Kieskern" völlig ver- unstaltet, so dass die Ammonitenspecies kaum mehr zu erkennen ist, z. B. bei den im „Fuchsloch" zwischen Neckarthailfingen und Bempflingen vorkommenden Ämm. Tnrneri Sow., sowie bei den ver- kiesten kleineren Ammoniten des Impressa-1\ions^ z. B. Amin, altcr- nans Buch etc. (Weiss- Jura a, auch später Weiss ;'). Das weitaus häufigste sind und bleiben freilich a) die vollkommenen Stein kerne, d. h. Ammoniten, bei denen Wohn- und Luftkammern gleichmässig mit Schlamm ausgefüllt erscheinen, beziehungsweise jetzt als schalen- lose Steinstücke uns entgegentreten. Schon im unteren Lias (Lias a), den Psilonoten- und Arietenbänken , treffen wir fast sämtliche Am- moniten in diesem Erhaltungszustand, ebenso in der Kalk b an k des Lias /c?, wogegen, wie eben gesagt wurde, die fetten /i - T h o n e , die unter und über jener Kalkbank liegen , ausschliesslich Kieskerne führen. Die nächsthöheren Kalkschichten treffen wir im oberen Lias / und d {Davoci- und Costatenkalke) , insbesondere aber in Lias u {Jtirensis-Ksdk), und auch hier zeigen sich von sämtlichen vor- kommenden Ammoniten lediglich Steinkerne; so sind Amin, striafiis Rein, und Anim. Davoei Sow. aus Ober-7, Amm. costatus Rein, aus Ober-()", sowie Amm. radians Rein., Amm. jurensis Ziet., Amm. in- signis Schübl. und ihre Kameraden aus Lias 1.' samt und sonders, Luft- und Wohnkammern, gleichmässig verkalkt, in der Regel ohne jegliche Spur von Schale. Ähnliche vollkommene Steinkerne bilden die Ammoniten von Braun-Jura ;' und ö : Amm. Soiverhyi Mill. aus Unter-;' und den blauen Kalken, Amm. coronatus Schloth. aus — 108 — Mittel-(), nebst den mitvorkommenden Äitiiii. ihltafalcatus Qu. sind in Schwaben durchweg Steinkerne. BegreifHcherweise , denn auch sie Hegen in Kalkbänken eingeschlossen. Dasselbe gilt aber auch noch für einen Teil des Braun 6, das sich namentlich an gewissen Lokalitäten und in gewissen Schichten kalkig entwickelt zeigt. So finden sich die Ammoniten aus dem Macroceplialus-^ sowie diejenigen aus dem tieferen Tarhlnsoni-OoMih samt und sonders als kalkige Stein- kerne, während dieselben Parkinsonier , wo sie in Thon eingebettet sind (Eningen, Neuffen, Beuren), verkiest erscheinen. An der Wutach und Eyach aber, sowie am Ipf bei Bopfingen, ist Anmi. ParJiinsoni Sow. und vollends Amni. mdcrocephalifs Schloth. mit seinen Genossen {Amm. tripiicatus Qu., hullutus d'Obb. etc.) durchweg nur als Stein- kern erhalten. Dasselbe gilt dann für den ganzen Weissen Jura mit Ausnahme seiner untersten und eines Teils seiner mittleren Lager. Hier, nämlich in den /»?^;rc5S«-Thonen von Weiss a und wieder in den sehr ähnlichen Thonen von Weiss ;', sind die meisten Petrefakten, insbesondere auch die (kleineren) Ammoniten verkiest, beziehungs- weise verrostet; in allen anderen Schichten aber verkalkt, weil ja bekanntlich der Weiss- Jura fast überall aus mächtigen Kalkbänken besteht. Wer hätte in Schwaben einen Perisphincten, eine Oppelia, ein Aspidoceras je anders gesehen denn als Steinkern? Nur aus- nahmsweise mag einmal das Innere eines solchen Ammoniten in rostigen Brauneisenstein (Weiss /) oder in glänzenden Schwefelkies (Weiss d) verwandelt sein, und noch seltener trifft man Fetzen von Schalen den Steinkernen angeheftet. Sehr eigentümlich und interessant ist nun aber, dass häufig der Erhaltungszustand von Wohnkammer und Dunst- kammern ein durchaus verschiedener, d. h. in der Regel das einemal jene verdrückt und diese ausgefüllt, das anderemal gerade das Um- gekehrte der Fall ist. Sehen wir uns das noch etwas näher an, so finden wir b) die Wohnkammern voll, die Luftkammern verdrückt hauptsächlich in denjenigen Schichten, wo wir es mit thonigem Kalk zu thun haben. Schon im Lias ß kommt es dann und wann vor, dass man von Amm. Tiirncri Sow. nur die verkalkte Wohnkammer findet, weil die Dunstkammern völlig verdrückt und schattenhaft geworden, gänzlich zu Grunde gehen , wenn man die Stücke aus dem Lager nimmt. Noch weit häufiger, ja geradezu Regel ist dies im Opalimis-Thon — 109 — (Braun a)\ wo man sowohl von Ämm. torulosus Qu., als auch von den grossen Exemplaren des Amm. opalinus Rein, meist ebenfalls nur die verkalkten Wohnkammern erhält, die Luftkammern aber, wenn man sie überhaupt zu Gesicht bekommt, gänzlich platt ge- drückt erscheinen. Auch in manchen Schichten des mittleren Weiss- Jura begegnet man derselben Erscheinung, so hin und wieder bei Planulaten, Flexuosen und Lingulaten in Weiss ß und /, ganz be- sonders aber in Weiss ö bei dem typischen Ämm. ßexuosus gigas Qu., sowie bei manchen Inflaten. Häufig sind hier die Dunstkammern auch mit Kalkspatkrystallen austapeziert und werden schon dadurch dünn und zerbrechlich; wo dies nicht der Fall, sind sie dann aber öfters ganz schattenhaft geworden, so dass man sich beim Heraus- schlagen mit der verkalkten Wohnkammer begnügen muss , welche gerade noch die erste, beziehungsweise letzte Lobenlinie zeigt. Auch gewisse charakteristische Planulaten aus diesen Schichten {Amm. Ernesti Lor., planula gigas Qu. , Binderi Fr. u. a.) bekommt man meist nur als „Ringe" zu sehen, weil die inneren Windungen (die Dunstkammern) samt und sonders zerdrückt und schattenhaft ge- worden sind. Noch häufiger freilich ist das Umgekehrte zu be- obachten, wonach nämlich c) die Wohnkammern verdrückt, die Luftkammern gefüllt sind. Und zwar kommt dies hauptsächlich in den fetten Thonen vor, welche verkieste Petrefakten führen, so dass also dann die be- treffenden Ammoniten, d. h. die allem von ihnen erhaltenen Dunst- kammern nicht als Kalkstein-, sondern als vollkommene Kie.skerne uns vor Augen treten. Durchaus Regel ist dies z. B. im Turneri-Thoxi des Lias /?, wo sämtliche Ammoniten als goldglänzende Kieskerne aus dem Lager fallen , jedoch mit stets fehlender Wohnkammer ; so Amm. rari- costatus Qu. , Inf er Qu. , oxynotus Qu. etc. Hebt man dagegen den fetten Schieferthon , in welchem sie stecken , recht sorgsam ab , so sieht man öfters noch die schattenhafte Wohnkammer angedeutet und merkt, dass der betreffende Ammonit ursprünglich wohl doppelt so gross war, als jetzt sein Kieskern sich zeigt, da die verschwun- dene Wohnkammer mindestens einen Umgang einzunehmen pflegt. Sobald freilich der fette Thon einem andern Material Platz macht, ^ Auch in Lothringen in denselben „schiefernden Schichten" zeigt sich dieser Erhaltungszustand; cf. E. W. Benecke, Beitrag zur Kenntnis des Jura in Deutsch-Lothringen. Strassburg 1898. S. 8. - 110 — • also z. B. Mergel oder Kalk dafür eintritt, hört auch die Verkiesung der Dunstkammern auf, und wir bekommen wieder reine Steinkerne mit noch voll erhaltener Wohnkammer. So zeigt sich z. B. der- selbe Anim. raricostatvs Qu. und arntatfis densinodus Qu., der in den Thonen als Kieskern liegt, in den darüber befindlichen Mergeln auf der Grenze von Lias ß und y, in eigentümliche Knollen eingewickelt, in verkalktem Zustand mit vollständig erhaltener Wohnkammer; desgleichen sind die in der /?-Kalkbank liegenden Amm. Turneri Sow., stellarls Sow. etc. sämtlich, mit Einschluss der Wohnkammer, verkalkt. Verkieste, volle Dunstkammern mit nur schattenhafter Wohn- kammer zeigen sodann die Ammoniten des Lias y fast durchweg: Amm. Jcunesoni Sow., natrix Qu,, peffos Qu., hetcrophißlus Qu., ibex Qu., Valdani d'Orb., Mauyenestii Sow. und wie sie alle heissen. Da dieser Thon aber magerer ist als derjenige von Lias ß und d {Nuniis- j>«aZ<,s-„ Mergel" Quenstedt's), so verrosten die Petrefakten, sobald sie auswittern und einige Zeit auf dem Boden liegen, an der Luft ziem- lich rasch und die Ammoniten zerfallen meist in ihre einzelnen Kammern. Nur im „gewachsenen Boden", wie in den Cementgruben von Kirchheim u. T., Hinterweiler etc., erhält man die Stücke ganz und noch mit unzersetztem Schwefelkies gefüllt ; aber auch hier sind es stets bloss die Luftkammern, die man zu sehen bekommt. Nur wenn man das Gesteinsstück selbst sich verschafft, in welchem der Ammonit liegt, sieht man auch die schattenhafte Wohnkammer an- gedeutet, die auch hier gewöhnlich einen vollen Umgang einnimmt. Hin und wieder ist sie indes auch etwas dicker (2 — 3 mm) und bleibt dann am Kieskern hängen, wie wir davon manche hübsche Proben von Kirchheim besitzen (von Aiiitii. Jcmiesoni Sow., pcttos Qu., Masseamis d'Orb. und V(dda/)ii d'Orb.). Li den untersten und wieder in den obersten Schichten von Lias y bilden dagegen die Ammoniten verkalkte Steinkerne mit voll erhaltener Wohnkammer, aus dem einfachen Grund, weil wir hier wie dort (Zone der Gryphaea cymbium Goldf. und des Amm. nodo- gigas Qu. — Zone des Amm. Davoei Sow., striatus Rein.) statt der Thone wieder festere Kalkbänke haben , wie im obersten Lias d (Costatenkalk), der die gleiche Erscheinung zeigt, während im eigent- lichen Araaltheenthon (mittlerer Lias J) die Petrefakten und in erster Linie die Ammoniten verkiest sind , und zwar so , dass hier meist auch die Wohnkammer unverdrückt und bis zum Mundsaum und vorspringenden Kiel erhalten, aber ebenfalls mit Schwefelkies — 111 - durchdrungen ist. Natürlich gilt das Gesagte auch hier nur für die fetten Thone. Sobald zwischen diesen, wie z. B. in der Fils bei Eislingen, sich Kalkbänke einstellen, zeigen sich die Amaltheen ver- drückt und schattenhaft, und zwar meist bezüglich der Wohn- so- wohl als der Luftkammern. Wenn diese Stücke aber zugleich viel- fach rostig aussehen, deutet dies doch auch hier auf ursprüngliche Verkiesung oder wenigstens Kiesanflug hin. Dieselbe Erscheinung, dass nämlich die Dunstkammern schöne Kieskerne bilden, die Wohnkammern aber nur schattenhaft angedeutet sind, wiederholt sich dann in den fetten Thonen des oberen Braun- Jura (Braun « und 'C). Schon im unteren Braun e (Parkinson- thon) sind Änim. Farkinsoni Sow., fuscus Qu., ooliticus Qu. etc. an denjenigen Stellen , wo wie bei Eningen diese Schichten als fette Thone auftreten, durchweg verkiest und dann jederzeit nur bezüg- lich der Dunstkammern erhalten \ wogegen natürlich da, wo man es mit reinen Kalkbänken zu thun hat, wie an der Wutach oder am Ipf, die ganzen Ammoniten als Steinkerne und samt der Wohnkammer verkalkt erscheinen. Noch stärker ist die Verkiesung im Ornaten- thon Schwabens (Braun C), dessen Ammoniten insofern eigent- lich den Stolz und Glanzpunkt unserer Sammlungen bilden, weil die Stücke stets im glänzendsten Schwefelkies sich zeigen. Nur darf man nicht vergessen, dass es sich auch hier überall bloss um die Luftkammern handelt. Die Wohnkammer eines Amm. Jason Rein., ornatus Schlote., convohdus Schloth., hipartitus Ziet., anceps Rein., pustulcdus Rein. , hecficus Rein, und wie die zierlichen Dinger alle heissen, bekommt man eigentlich nie zu Gesicht; höchstens, dass sie schattenhaft im Lager angedeutet ist, und ihre Umrisse erkannt werden, wenn man das ganze Handstück mitnimmt, wie es aus dem Bruch noch bergfeucht gegraben wird. In diesem Fall aber sieht man wiederum, dass die betreffenden Ammoniten ursprünglich fast um die Hälfte grösser waren, als sie uns jetzt erscheinen. Im Weissen Jura wiederholt sich unseres Wissens dieser Fall nicht mehr, da man hier nirgends Thone und kaum irgend einmal verkieste Petrefakten hat, ausser etwa in den untersten und mittleren Schichten (luipressa-Thon des Weiss a und unterem Thon-/). Hier fehlen den Kieskernen oder verrosteten Stücken des Amm. convoliitus ^ Dies gilt auch von den berühmten dort vorkommenden Hamiten, deren Wohnkammer verdrückt imd schattenhaft im Thon angedeutet ist, Wtährend die Dunstkammeru als schöne, volle Kieskerne aus dem Lager fallen (s. Gussmanu, diese Jahresh. 1898, S. L). — 112 — ScHLOTii., dentatus Qu., compJanatus Qu., flexuosus impressae Qu. etc. auch jeweils die Wohnkammern. Wiederum ein anderer Fall tritt ein, wenn 5. die Aiiiiiioiiitenkaminern mit Krystallen austapeziert sind, was in verschiedener Weise stattfinden kann. Entweder finden sich Krystalle schon in der Wohnkammer, was aber am seltensten vorkommt (etwa bei einzelnen Arieten und Angulaten des Lias a), oder aber sind die Luftkaramern damit geschmückt, und dies ist die Regel. Wiederum findet ein Unterschied statt bezüglich der Anordnung sowohl, als bezüglich des Materials der abgelagerten Krystalle. Was das erste betrifft, so kann entweder der ganze Hohlraum der Dunst- kammern mit Krystallmasse ausgefüllt sein (die Kammern sind „ver- kiest" , „vererzt" oder „verspätet"), in welchem Fall sich natürlich keine Einzelkrystalle ausscheiden, oder es sind nur die inneren Kammer- wände mit krystallinischer Masse bekleidet, die hier zu Hunderten von Krystallen anschiesst, die Spitzen alle nach dem hohlen Innenraum entsendend, oder endlich trifft man einzelne um und um gebildete Krystalle, z. B. von Quarz, in den Kammern an, und zwar handelt sich's dann hier meist um eine zweite oder dritte Generation von Kry- stallbildung, die einer oder mehreren vorausgegangenen erst nachfolgte (zuerst Kalkspat, dann Braunspat, dann Gips oder Schwerspat etc.). Was aber das Material betrifft, das sich in Kry stallform auf den Dunstkammern abgesetzt hat, so kommen hier die verschieden- sten Mineralstoffe in Betracht, wie seiner Zeit in einem lehrreichen Aufsatz von Leuze „Über das Versteinerungs- und Yererzungsmittel der schwäbischen Petrefakten" (diese Jahreshefte, Jahrg. 45, S. 40 ff., 1889) auseinandergesetzt wurde. Wir stellen bezüglich der Jura- ammoniten hier kurz folgendes zusammen. Weitaus am häufigsten tritt kohlensaurer Kalk als Kalkspat in den Luftkammern auf, häufig die erste Krystallgeneration bildend, auf welche sich dann später andere Mineralien , ebenfalls meist in Krystallform , abgelagert haben. Nur ausnahmsweise sind aber die ganzen Hohlräume ausgefüllt oder die Röhren vollkommen „ver- spätet" , wie bei den englischen Liasammoniten von Lyme Regis; wir besitzen nur ein paar Stücke aus dem Braunen und Weissen Jura [Aniiil Murchisouae Sow. aus Braun ^y, Amin, polygtjratus Rein. aus Weiss /?, Amm. ßexuosns Buch aus Weiss ß und d), die in dieser Weise sich darstellen. Weitaus in den meisten Fällen tapeziert der Kalkspat die Innenwände der Kammern in der Art aus, dass die — 113 — Krystalle an der Wand angewachsen sind und ihre Spitzen in die hohlgebliebene Kammer hineinsenden. Am häufigsten und schönsten trifft man dies wohl bei den grossen Ammoniten des Lias a (Arieten und Angulaten) von Vaihingen auf den Fildern und von Neunheim bei Ellwangen. Auch im Braun-Jnra ß und e wiederholt sich diese Erscheinung. So sind die Dunstkammern von Amm. Mnrchlsonae Sow. und Amm. discus Qu., namentlich an der Wutach (aber auch im Erz von Wasseralfingen), prachtvoll in dieser Weise geschmückt; nicht minder schön aber die verkalkten Parkinsonier, Makrocephalen und Triplicaten fast durchs ganze Land, vom Ipf bei Bopfingen bis zur Wutach. Endlich führt auch der Weisse Jura solche verspäteten Ammonitenkammern, von denen einzelne sich als förmliche Krystall- drusen darstellen, z. B, bei manchen Planulaten des Weissen fJ und bei Inflaten des Weissen d. Nächst dem kohlensauren Kalk tritt als krystallbildend am häufigsten wohl das Schwefeleisen auf (Schwefelkies), wie wir ja oben schon vielfach von „verkiesten" Ammoniten oder „Kies- kernen" gesprochen haben. In diesem Fall sind sämtliche Dunst- kammern mit gleichmässiger, krystallinischer Erzmasse angefüllt, und das ist bekanntlich das gewöhnliche ; wir erinnern nur an die schön verkiesten, goldschimmernden Scheiben der Ammoniten aus Lias ß, y und d , an die Hamiten und Parkinsonier aus Braun £ , an die Ornaten etc. aus Braun C und ähnliche. Doch kennen wir auch Bei- spiele , wo der Schwefelkies nur die Innenwand der Dunstkammern auskleidet und daran zu hübschen Krystallen anschiesst, wie dies öfters bei Amm. Jamesoni Sow. aus Lias / von Kirchheim u. T. beobachtet wird. Die „stärkste Energie" dieser Art von Vererzung findet wohl im Lias d statt, wo Ammonitenscheiben bis zu 40 cm Durchmesser in reinste Kieskerne verwandelt liegen {Amm. amalfheus yigas Qu., Amm. heterophyllus amnlthel Qu.). Nur allzuleicht freilich verwandelt sich der Schwefelkies durch Zutritt von Wasser oder bei Berührung mit der feuchten Luft in Brauneisenstein ; die Kieskerne oxydieren oder „verrosten", wie dies namentlich in den mageren Thonen, die dem Wasser leichter Zutritt gewähren als die fetten, z. B. in den Numismalis- und Impressa-Mergeln (Lias ;', Weiss- Jura a), auch im Weiss-Jura / der Fall ist. Anderwärts umhüllen sich die Stücke mit einem so starken Schwefelkiesmantel, dass das Bild des ganz mit Kies überkrusteten Ammoniten verzerrt und verunstaltet wird {Amm. Turneri Sow. vom Fuchsloch bei Bempflingen, Lias ß] manche Amal- theen in Lias d etc.), was dann auch bei den verrosteten Exemplaren Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Natu